Radulovic und Barry im Zweikampf beim Wiener Derby zwischen SK Rapid und FK Austria im Allianz-Stadion.

347. Wiener Derby: Reißt Rapids Serie ausgerechnet gegen den Erzrivalen?

Das Topspiel der 8. Runde der ADMIRAL Bundesliga steigt am Sonntagabend (17:00 Uhr) im Allianz Stadion in Wien Hütteldorf: Spitzenreiter Rapid lädt Stadtrivale Austria zum 347. Wiener Derby. Die Gastgeber sind als einziges Team der Liga noch ungeschlagen und wollen ihre Tabellenführung behaupten, doch die Veilchen kommen mit einer Menge Rückenwind – und Derbywut.

Rapids Derbyrausch vor zehn Jahren

Wir schreiben den 12. August 2015. Es ist ein sonniger, warmer Sommertag in Wien, an dem Höchsttemperaturen von bis zu 33 Grad Celsius erreicht werden. Doch das Wetter interessiert an diesem Mittwoch niemanden in Österreichs Hauptstadt. Ganz Wien fiebert dem Abend entgegen, die gesamte Stadt ist elektrifiziert: Das 314. Derby zwischen der Austria und Rapid steht bevor und nach dem Top-Start der beiden Wiener Elite-Klubs ist es zugleich das Duell des Spitzenreiters zu Gast beim Tabellenzweiten.

Die Farbe Lila dominiert an diesem sommerlichen Mittwochabend, denn Austria Wien ist die Heimmannschaft. Was die hoffnungsfrohen Anhänger der Favoritner da noch nicht wissen können: Das Farbschema wird sich im Verlaufe des Abends ändern, Österreichs Hauptstadt wird nach Abpfiff ganz in Grün erstrahlen.

Insgesamt 12.500 Fans sehen in der Generali Arena einen spektakulären Derbyerfolg von Rapid. Schon nach einer guten halben Stunde führen die Gäste in einem intensiven Duell mit 3:0, ein im Nachschuss verwandelter Elfmeter vor dem Seitenwechsel lässt die Austria und ihre Anhänger zur Pause zwar noch einmal hoffen, doch am Ende steht ein 5:2-Triumph in Grün und Weiß. Es ist der bis dato höchste Sieg der Hütteldorfer im Stadion des Erzrivalen. Es folgte jedoch der Kater nach dem Derbyrausch: Es war zugleich auch das letzte Wiener Derby, in das Rapid als Tabellenführer ging. Bis heute.

Führt ausgerechnet Austria-Legende Stöger Rapid zum Titel?

Ziemlich genau zehn Jahre später ist es wieder so weit: Rapid eröffnet das Wiener Derby als Spitzenreiter, wird den Platz an der Tabellenspitze an diesem Spieltag auch nicht abgeben. Die Hütteldorfer sind auf Rekordkurs in die neue Saison gestartet, bislang noch ungeschlagen und holten aus den ersten sieben Bundesligaspielen 17 Punkte. Mit einem Derbysieg könnten die Grün-Weißen die vereinsinterne Bestmarke seit Einführung der Drei-Punkt-Ära einstellen. In der Saison 2003/04 holte Rapid in 8 Spielen 20 Punkte, damals blieb man sogar an den ersten neun Spieltagen (7 Siege) ungeschlagen.

In der aktuellen Spielzeit sticht vor allem die defensive Stabilität heraus, erst vier Gegentore kassierte Rapid in der ADMIRAL Bundesliga – nur der SCR Altach hat weniger (3). Zuletzt so stabil standen die Hütteldorfer 2016/17 (ebenfalls 4 Gegentore). Erstaunlich dabei: Als einziges Bundesliga-Team hat man in den ersten 45 Minuten noch eine Weiße Weste. Die Austria dagegen kassierte schon sieben Gegentore in der ersten Hälfte – nur der GAK (8) und der LASK (10) haben mehr.

Der Architekt des erfolgreichen Saisonstarts ist Neu-Coach Peter Stöger. Der 59-Jährige blieb als erster Rapid-Trainer in der Drei-Punkte-Ära in seinen ersten sieben Bundesligapartien ungeschlagen (5 Siege, 2 Unentschieden) – in der Bundesliga-Historie der Hütteldorfer gelang dies zuvor nur Karl Schlechta (1977/78), Rudolf Nuske (1982), Otto Baric (1982) und Vladimir Markovic (1985). Stöger wurde als Trainer bereits zweimal Meister (2005/06, 2012/13), als Spieler sogar dreimal (1991-1993) – jeweils mit der Austria.

Austria: In Top-Form gegen die jüngste Derbybilanz

Ausgerechnet die Austria will nun zum ersten Team werden, das Stöger in der Liga eine Niederlage als Rapid-Trainer zufügt. Die Veilchen legten mit nur einem Zähler aus den ersten vier Bundesligaspielen (3 Niederlagen, 1 Unentschieden) zunächst einen waschechten Fehlstart hin, konnten den Bock aber unlängst umstoßen und zuletzt drei Ligaspiele in Serie gewinnen. Beim 3:2-Heimerfolg gegen Aufsteiger Ried drehten die Favoritner gar einen 0:2-Pausenrückstand und erzielten dabei erstmals in diesem Kalenderjahr drei Tore in einem Ligaspiel (zuvor 22 Mal nicht). Zehn Punkte nach sieben Spielen bedeuten für die Austria mittlerweile den zweitbesten Saisonstart seit der Ligareform (nur 2018/19 mehr: 13).

Seit Einführung der Bundesliga 1974/75 standen sich die beiden Wiener Elite-Klubs bislang 190 Mal in der Liga gegenüber, mit leichten Vorteilen für die Austria: 59 Mal gewann Rapid, 64 Mal wurden die Punkte geteilt, 67 Duelle entschieden die Veilchen für sich. Die jüngste Derbybilanz dürfte den Gästen allerdings wenig Hoffnung bereiten: Rapid gewann vergangene Saison zum ersten Mal seit 2015/16 drei der vier Bundesligaduelle, die Austria feierte nur einen Sieg. Beim 2:1-Erfolg der Grün-Weißen vor gut vier Monaten platzten die Meisterträume der Veilchen.

Saisonübergreifend holten die Hütteldorfer vier Siege in den letzten fünf Bundesliga-Derbys. Auch im Allianz Stadion spricht die aktuelle Serie für Rapid, das die letzten drei Bundesliga-Heimspiele gegen den Erzrivalen allesamt gewann und in den letzten vier Ligaderbys in Hütteldorf immer mindestens doppelt traf – zuletzt so heimstark im Stadtduell war Rapid zwischen 2008 und 2010. Damals ebenfalls mit einem Peter an der Seitenlinie: Peter Pacult, der Rapid 2007/08 zur letzten Meisterschaft führte.

Fotos: Getty Images