Drei Tests hat der ÖFB aktuell terminiert, bevor am 17. Juni 2026 in Santa Clara (San Francisco, Kalifornien) gegen Jordanien endlich der heiß ersehnte Startschuss zur Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada fällt. Den Anfang machen die Spiele gegen Ghana (Fr., 27.3., 18:00 Uhr) und Südkorea (Di., 31.3., 20:45 Uhr) in diesem Länderspiellehrgang, ehe am 1. Juni die Generalprobe gegen Tunesien ansteht. Für die 28 nominierten ÖFB-Spieler rund um vier Neulinge und einen Rückkehrer geht es nun vor allem darum, Formstärke zu beweisen und sich für Ralf Rangnicks WM-Kader zu empfehlen.
Zwei Debütanten, zwei Neulinge und Rückkehrer Kalajdzic: Verstärkung für den ÖFB
Gegen den viermaligen Afrikameister (zuletzt 1982) absolvierte der ÖFB bislang genau ein Spiel: Im Rahmen eines Testspiels traf man vor beinahe auf den Tag genau 19 Jahren (24. März 2007) auf die Black Stars und trennte sich mit einem 1:1-Unentschieden. Damals wie heute stand dem ÖFB-Team ein Addo gegenüber: Eric Addo, Bruder von Ghanas aktuellem Cheftrainer Otto Addo (seit 2024), beackerte 90 Minuten lang das Mittelfeld der Black Stars. Und auch Co-Trainer John Paintsil (Rechtsverteidiger) spielte die volle Distanz, handelte sich die einzige Gelbe Karte der Gäste ein.
Viel mehr Parallelen finden sich wohl nicht mehr zwischen damals und heute, auch die Favoritenrolle dürfte sich in Richtung Österreich verstärkt haben. Schließlich kann Ralf Rangnick auf die Erfahrung und Qualität von Spielern wie Konrad Laimer (Bayern München), David Alaba (Real Madrid), Christoph Baumgartner (RB Leipzig) oder Marko Arnautovic (Roter Stern Belgrad) bauen. Zusätzliche Verstärkung hat das ÖFB-Team zudem durch die Verbandswechsel der beiden Mittelfeldasse Carney Chukwuemeka (Borussia Dortmund) und Paul Wanner (PSV Eindhoven) geholt. Der in Wien geborene, aber in England aufgewachsene Chukwuemeka durchlief die Junioren-Nationalteams der Three Lions, Wanner (Dornbirn) erhielt seine Ausbildung in den deutschen Nachwuchsteams.
Neben Wanner und Chukwuemeka finden sich in Rangnicks Testspielkader mit Florian Wiegele (Viktoria Pilsen) und David Affengruber (Elche) zwei weitere ÖFB-Debütanten – ebenso wie Rückkehrer Sasa Kalajdzic (LASK), der zuletzt im November 2023 für Rot-Weiß-Rot auflief und in 19 Länderspielen vier Treffer erzielte. Alle fünf werden schon im Testspiel gegen Ghana rund um ManCity-Star Antoine Semenyo und Spanien-Legionär Inaki Williams auf ihren ersten Einsatz (bzw. ihr Comeback) im ÖFB-Dress hoffen. Erste Eindrücke gibt es seit Montag im spanischen Marbella, wo sich das ÖFB-Team auf die Länderspiele vorbereitet.
Offensiver Schlagabtausch gegen Ghana?
Auch wenn Testspiel drüber steht und einige neue Namen dabei sind: Viel rütteln will Rangnick an seiner Herangehensweise so kurz vor dem Turnier natürlich nicht. „Ich bin ein großer Fan davon, bei dem zu bleiben, was sich bewährt hat. Das hat uns hierhin gebracht“, erklärte der 67-Jährige vor dem Länderspieldurchgang. „Wir wollen unseren Matchplan und unsere Spielidee weiter verbessern. Die Spieler, die jetzt zum ersten Mal dabei sind, sollen das verinnerlicht bekommen.“
Heißt: Auch gegen Ghana will Rangnick an seinem 4-2-3-1-Grundsystem festhalten und intensives Pressing seiner Mannschaft sehen. In der europäischen WM-Qualifikation verzeichnete das ÖFB-Team die höchste Anzahl an Tacklings (144), und den niedrigsten Passes-Per-Defensive-Action-Wert (7,14 gegnerische Pässe im Schnitt bevor eine defensive Aktion erfolgte). Darüber hinaus kam man auf die zweitmeisten Ballgewinne (357) und die meisten Balleroberungen im letzten Spieldrittel (56) aller Teams. Anschließend geht es schnell und direkt nach vorne, wenn möglich bis hin zum erfolgreichen Torabschluss.

Im Duell mit den Black Stars dürfen die Fans in Wien somit durchaus auf einen munteren Schlagabtausch hoffen. Denn das Team von Otto Addo, das sich nicht für den Afrika Cup 2026 qualifizieren konnte, hat seine größte Stärke in der eigenen Offensivpower, erzielte mit 23 Toren in der afrikanischen WM-Qualifikation die drittmeisten aller Teams (Elfenbeinküste 25, Algerien 24). Andererseits offenbarte sich bei den sechs Gegentoren immer wieder mangelnde Intensität in den Defensivzweikämpfen und wenig Zugriff auf die Gegenspieler – etwas, das Österreich mit seiner eigenen hohen Qualität in der Offensive definitiv ausnutzen kann.
Härtetest gegen Südkorea
Ein etwas anderes Kaliber dürfte dann schon das zweite Testspiel vier Tage später sein, gegen Südkorea steht dem ÖFB-Team ein echter Gradmesser bevor. Schließlich marschierte das Team von Trainer Hong Myung-bo, der 2024 auf Jürgen Kliensmann folgte, ohne Niederlage durch die asiatische WM-Qualifikation. In insgesamt 16 Spielen holte Südkorea 11 Siege (5 Unentschieden) und schoss 40:8 Tore. Dabei zeigte sich der zweimalige Asienmeister (1956 und 1960) vor allem defensiv kompakt, mit nur 91 gegnerischen Abschlüssen (20 auf das Tor) ließen die Südkoreaner die wenigsten zu, auch der Expected-Goals-Against-Wert (6,27) ist der niedrigste aller Teams, die im fünfstufigen Qualifikationsmodus der AFC mindestens 16 Spiele absolvierten.

Auch die letzten drei Länderspiele im März gewann Südkorea allesamt, ohne Gegentor: je 2:0 gegen die Südamerikaner Paraguay und Bolivien, sowie 1:0 gegen Ghana. Die USA wurden im September 2025 ebenso mit 2:0 besiegt. Allerdings: Gegen Brasilien gab es dazwischen ein krachendes 0:5. Rangnicks Team wird also gewarnt sein, dass es gegen die Asiaten auch um Geduld gehen wird. Kann das ÖFB-Team seine offensiven Qualitäten ausspielen, ist aber auch im zweiten Test etwas drin. Zu einem Duell mit Südkorea kam es in der bisherigen Verbandsgeschichte übrigens noch nie.