Am vergangenen Wochenende war Partystimmung angesagt, sowohl in München als auch im Schwabenland! Der FC Bayern feierte am Sonntag auf dem Marienplatz ausgelassen die 35. Meisterschaft mit seinen Fans, beim VfB Stuttgart freute man sich über die geglückte Champions-League-Qualifikation. Am Samstag steht nun für beide Teams der „emotionale“ Höhepunkt der Saison an, wenn um 20 Uhr das DFB-Pokal-Finale im Berliner Olympiastadion angepfiffen wird. „Beim Pokalsieg geht’s um Emotionen, um Titel, darum, etwas zu hinterlassen“, blickt VfB-Vorstandsvoritzender Alexander Wehrle gespannt auf das Endspiel. Während die Schwaben nach dem Pokalsieg im vergangenen Jahr gegen Arminia Bielefeld (4:2) zum zweiten Mal in Folge nach Berlin reisen, stehen die Münchner zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder im DFB-Pokal-Finale (2020: 4:2 gegen Leverkusen). Es war die längste Durststrecke der Bayern im Pokal seit zwölf Jahren Wartezeit zwischen 1986 und 1998. Gelingt dem FCB nun direkt wieder das Double aus Meisterschaft und Pokal oder macht der VfB den Pokal-Doppelpack perfekt?
Geschichtsbücher sprechen eine klare Sprache
Die Stuttgarter stehen zum insgesamt achten Mal im Endspiel um den DFB-Pokal, in vier der bisherigen sieben Finals holten die Schwaben am Ende auch den Titel. Zwei der drei Niederlagen im Endspiel setzte es allerdings gegen den FC Bayern (2:5 im Jahr 1986, 2:3 im Jahr 2013). Soll am Samstagabend der fünfte Pokalerfolg gelingen – der VfB würde in der ewigen Pokal-Siegerliste auf Rang 3 mit Borussia Dortmund, dem FC Schalke 04 und Eintracht Frankfurt gleichziehen -, sollten die Schwaben jedoch einen Blick in die Geschichstbücher eher vermeiden. Schließlich setzten sich die Bayern in 87 der 131 Pflichtspiel-Duelle mit dem VfB seit Bundesliga-Gründung durch (22 Unentschieden, 22 Niederlagen), kein anderes Team feierte seither so viele Siege gegen eine Mannschaft im deutschen Profifußball.
Auch der Blick auf die bislang zehn direkten Duelle im DFB-Pokal dürfte kaum Anlass zu schwäbischer Freude geben, neunmal (!) setzte sich nämlich der deutsche Rekordmeister durch. Letztmals trafen beide Teams im Finale vor 13 Jahren aufeinander, der FCB unter Jupp Heynckes siegte mit 3:2. Stuttgart kam nur einmal gegen die Bayern im Pokal weiter: im Achtelfinale im November 1989 (3:0). Und auch die jüngere Bilanz dieses Duells zeichnet ein düsteres Bild für den VfB. Denn: Unter Trainer Vincent Kompany gewannen die Münchner alle fünf Pflichtspiele gegen Stuttgart, der letzte VfB-Sieg datiert aus dem Mai 2024 in der Bundesliga (3:1). Die beiden Duelle der aktuellen BL-Spielzeit gingen mit 5:0 in Stuttgart und 4:2 in der bayerischen Landeshauptstadt jeweils deutlich an den FCB. Auch den Franz-Beckenbauer-Supercup gewannen die Münchner zu Saisonbeginn mit 2:1.

Die Bayern stehen am Samstag zum 25. Mal im Finale des DFB-Pokals, mehr als doppelt so oft wie jeder andere Verein (FC Schalke folgt mit 12). 20 Mal holten sich die Münchner den Pokal, auf dem zweiten Platz folgt Werder Bremen mit sechs Pokal-Erfolgen. Nach 1986 und 2013 treffen die Münchner nun zum dritten Mal im Finale auf den VfB – nur die Begegnung zwischen Bayern und Borussia Dortmund gab es im Finale öfter (4 Mal) – und sind dabei klarer Favorit. Der deutsche Rekordmeister hat nämlich nicht nur 83,33 Prozent seiner bisherigen Pokalsfinals gewonnen, er gestaltete auch seine letzten sieben Pflichtspiele im Berliner Olympiastadion allesamt siegreich (zwei Pokal-Finals sowie fünf Spiele bei Hertha BSC) und verlor nur eines seiner letzten 24 Pflichtspiele (4:5 in Paris – 19 Siege, 4 Unentschieden). Es spricht somit vieles dafür, dass der Stuttgarter Vereinsrekord von elf erfolgreichen Pokalrunden am Stück ein Ende finden wird.

Torspektakel in Berlin?
Trotz des klaren Favoritenstatus der Bayern wird eines im Pokalfinale sicherlich nicht aufkommen: Langeweile! Das Duell zwischen dem deutschen Meister und den Stuttgartern hat das Potenzial, eines der torreichsten Finals aller Zeiten zu werden. Schließlich reist das Kompany-Team mit einer historisch starken Offensive in die Hauptstadt. Mit 122 BL-Toren erzielte der FCB die zweitmeisten Treffer in einer Saison in den Top-5-Ligen aller Zeiten – nur der FC Turin war in der Saison 1947/48 mit 125 Toren noch erfolgreicher (jedoch in 40 Spielen). Pro Partie trafen die Münchner in der abgelaufenen BL-Saison im Schnitt 3,59 Mal und kommen insgesamt auf einen Expected-Goals-Wert von 100,91 xG, 652 Schüsse, 289 Torschüsse, 132 kreierte Großchancen, 1395 Touches im gegnerischen Strafraum und eine Chancenverwertung von 18,71 Prozent – allesamt mit großen Abstand Besterwerte in der Bundesliga.
Im Sturmzentrum können die Bayern zudem auf den derzeit vielleicht besten Mittelstürmer der Welt bauen. Harry Kane beendete die BL-Saison mit 36 Toren und netzte in der Champions League weitere 14 Mal. Im Pokal erzielte der Engländer sieben Tore, die meisten eines Spielers in einer Saison seit Robert Lewandowski vor sieben Jahren (2018/19: auch 7 für Bayern). Mehr Treffer in einer DFB-Pokal-Spielzeit gelangen in diesem Jahrtausend nur Thomas Müller 2013/14 (8). Seit Kane für den FC Bayern aufläuft (August 2023), schoss kein anderer Bundesligaspieler so viele Pflichtspieltore gegen einen Verein wie Kane gegen den VfB Stuttgart, der elfmal in sieben Duellen einnetzte und nur einmal torlos blieb. Allein in dieser Saison schoss der 32-Jährige in drei Pflichtspielen gegen den VfB fünf Tore.

Und der VfB? Die Stuttgarter halten mit der zweitbesten BL-Offensive (71 Tore, 60,22 xG, 207 Torschüsse, 87 Großchancen) und Deniz Undav dagegen. Der Angreifer war seit Beginn der Vorsaison im DFB-Pokal in neun Einsätzen an neun Toren direkt beteiligt (5 Tore, 4 Assists), das ist Bestwert in diesem Zeitraum zusammen mit Kane (8 Tore, 1 Assist). Undav war zudem in den letzten vier Pokalspielen jeweils an mindestens einem Tor direkt beteiligt (3 Tore, 2 Assists) – seine längste Serie im Wettbewerb. Übrigens: Im Finale 2025 schoss der 29-jährige deutsche Nationalspieler ein Tor und legte ein weiteres auf. Die Schwaben werden Undavs Offensivqualitäten zwingend brauchen, wollen sie den Bayern am Samstagabend Paroli bieten und den Titel erneut nach Stuttgart holen.