Die FIFA Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko erreicht langsam aber sicher ihren Höhepunkt. Nur noch vier Spiele trennen uns von der Gewissheit, wer nach Argentinien vor vier Jahren am 19. Juli 2026 den aus 18-karätigem Gold gefertigten WM-Pokal in den Himmel recken darf. Den Anfang machen Frankreich und Spanien, die am Dienstag um 21 Uhr MESZ im ersten Halbfinale dieser WM aufeinandertreffen werden. Es ist dabei nicht nur das Duell der derzeit beiden wohl stärksten europäischen Mannschaften, sondern auch eine Neuauflage des EM-Halbfinales 2024 und der Nations-League-Vorschlussrunde 2025. Behalten die Spanier zum dritten Mal in Serie die Oberhand?
Duell auf Augenhöhe – beide Teams mit überragenden Serien
Drei der verbliebenen Teams im Turnier kommen aus Europa. Wie schon bei der EM 2024 sind Frankreich, Spanien und England noch mit von der Partie – und wie vor zwei Jahren bekommen es die beiden erstgenannten Mannschaften in der Vorschlussrunde direkt miteinander zu tun. Vor über 60.000 Zuschauern in der ausverkauften Münchner Allianz-Arena setzen sich damals die Spanier, die nach einem frühen Rückstand durch Randal Kolo Muani (dieses Mal nicht im französischen Kader) das Spiel innerhalb von nur vier Minuten durch Lamine Yamal (21.) und Dani Olmo (25.) drehten, mit 2:1 durch. Während die Furia Roja bei der EM jedoch groß aufspielte und leicht favorisiert in die Partie ging, kommt diese Rolle bei der WM den Franzosen zu. Datenanbieter Opta errechnet für die Équipe Tricolore eine Siegeswahrscheinlichkeit von 43,9 Prozent.

Das französisch-spanische Duell am Dienstagabend wird erst das zweite Aufeinandertreffen dieser beiden Mannschaften bei einer Weltmeisterschaft sein, nachdem sich Frankreich im Achtelfinale 2006 nach einem zwischenzeitlichen Rückstand noch mit 3:1 durchsetzte. Es war einer von nur zwei französischen Siegen in den letzten zehn Pflichtspielen gegen die Furia Roja (7 Niederlagen, 1 Unentschieden). Die letzten beiden direkten Duelle gingen an die Spanier – jeweils im Halbfinale (2:1 bei der EM 2024, 5:4 in der Nations League 2025).
Die Erfahrung in einem WM-Halbfinale spricht jedoch für das Team von Trainer Didier Deschamps. Frankreich steht zum insgesamt achten Mal in der Vorschlussrunde – nur Deutschland erreichte häufiger die Runde der letzten Vier (12). Nach dem Ausscheiden in den ersten drei Halbfinals (1958, 1982, 1986) erreichte Frankreich in den letzten vier Fällen (1998, 2006, 2018, 2022) jeweils das Finale und krönte sich zweimal zum Weltmeister (1998, 2018).

Spanien steht dagegen erst zum zweiten Mal in einem WM-Halbfinale. 2010 besiegten sie Deutschland mit 1:0 und gewannen anschließend gegen die Niederlande den Titel (2:1 n.V.). Nimmt man auch das Abschneiden bei Europameisterschaften hinzu, setzte sich die Furia Roja in sechs von sieben Halbfinals erfolgreich durch. Zudem hat man jedes seiner letzten sieben K.o.-Spiele bei großen Turnieren gewonnen und könnte als erste europäische Nation acht Siege in Folge in der K.o.-Phase erzielen (zuvor gelangen Italien 1934-1938 und Spanien selbst 2008-2012 jeweils 7 Siege in Serie). Und die Franzosen? Das Deschamps-Team gewann bislang alle seine sechs Spiele des Turniers und strebt als erst zweite europäische Mannschaft nach Italien (1934-1938) sieben Siege in Folge bei einer Weltmeisterschaft an.
Weltklasse an beiden Enden des Feldes
Kaum ein Angriff macht bei dieser Weltmeisterschaft derart viel Spaß wie der französische. Michael Olise ist dabei mit fünf Assists der Dirigent der Offensive, während Superstar Kylian Mbappé (8 Tore, 3 Vorlagen) und Ousmane Dembélé (5+2) für die Treffer zuständig sind. Auch Bradley Barcola (2+1), Désiré Doué (1+1), Aurélien Tchouaméni und Adrien Rabiot (je eine Vorlage) steuerten mindestens einen Scorer bei. Nur Argentinien (17) erzielte bislang mehr Treffer als Frankreich (16).
Die Équipe Tricolore verzeichnete in ihren sechs Spielen 47 Schüsse aufs Tor, der höchste Wert seit 1998 (53), als sie den Titel gewannen. Der Durchschnitt von 7,8 Schüssen aufs Tor pro Spiel ist der höchste Wert seit 1966, während Mbappés 3,3 Schüsse aufs Tor pro 90 Minuten der Bestwert eines französischen Spielers bei einer WM-Endrunde seit 1966 sind (bei mindestens 150 gespielten Minuten). Der 27-jährige Angreifer von Real Madrid und Dembélé kreierten bisher 19 Schussvorlagen füreinander (10 von Mbappé für Dembélé, 9 andersherum). Nur drei Spielerpaare seit 1966 haben bei einer WM-Endrunde 20 oder mehr Schussvorlagen füreinander aufgelegt: Franz Beckenbauer und Wolfgang Overath (25), Rivaldo und Ronaldo (23) sowie Ángel Di María und Lionel Messi (21).
Mbappé erzielte zudem nun bereits zwölf Tore in der K.o.-Phase von Weltmeisterschaften, so viele wie kein anderer Spieler. Er traf im Sechzehntelfinale (2), Achtelfinale (5), Viertelfinale (1) und Finale (4), in seinen beiden Halbfinal-Einsätzen blieb er jedoch ohne Torerfolg.

Liefert uns das erste Halbfinale dieser WM somit ein wahres Torfestival? Wahrscheinlich nicht! Denn: Trotz aller Offensivpower auf beiden Seiten – wenngleich die Spanier mit elf Toren in sechs Spielen bei einem Expected-Goals-Wert von 11,7 im Angriff bislang nicht immer überzeugten – treffen im AT&T Stadium in Dallas auch zwei der besten Defensiven der Welt aufeinander. Speziell das Team von Trainer Luis de la Fuente, der mehr Spiele bei großen Turnieren ohne Niederlage absolvierte als jeder andere Trainer (13 Spiele, 12 Siege, 1 Unentschieden), überzeugte bislang vor allem am anderen Ende des Feldes. Ein Gegentor, 1,84 xGA und nur sieben zugelassene Torschüsse sind allesamt Bestwerte bei dieser WM.
Überhaupt blieb die Furia Roja seit der 1:2-Niederlage gegen Japan bei der WM 2022 in den letzten 14 Spielen bei großen Turnieren ungeschlagen, kassierte dabei nur fünf Gegentore und nie mehr als eines pro Spiel (9 Weiße Westen). Auch die Franzosen mussten im aktuellen Wettbewerb erst zwei Gegentore (3,82 xGA) hinnehmen und ließen nur 38 Schüsse und zehn Torschüsse zu. Nur in einem ihrer letzten fünf WM-K.o.-Spiele kassierten sie einen oder mehr Treffer und blieben in ihren letzten drei WM-Halbfinalspielen jeweils gänzlich ohne Gegentor.