Drei Fußballspieler in blau-schwarzen Trikots mit weißen Elementen stehen auf einem Spielfeld. Der Spieler in der Mitte hebt beide Arme und zeigt mit den Zeigefingern nach oben. Im Hintergrund sind weitere Spieler in weißen und roten Trikots sowie eine große Anzeigetafel mit dem Schriftzug 'GOAL' zu sehen. Die Szene spielt sich in einem Stadion ab.

„Finalissima“ im WM-Endspiel: Argentinische Titelverteidigung oder Spaniens Krönung?

39 Tage und 103 Spiele später ist es endlich soweit: Das Finale der FIFA Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada im New York New Jersey Stadium kann steigen! Dabei trifft die erfolgreichste Offensive des Turniers, Argentinien, auf die beste Defensive, Spanien. Doch nicht nur das: Zum ersten Mal in der Geschichte der WM stehen sich im Endspiel der amtierende Europameister und der aktuelle Südamerikameister gegenüber – sozusagen das nachgeholte „Finalissima“, das aufgrund des Iran-Kriegs abgesagt werden musste. Es ist auch das Duell des besten Fußballers der letzten beiden Jahrzehnte, Lionel Messi, mit seinem designierten Nachfolger, Lamine Yamal. Wird Argentinien seinen Titel von 2022 erfolgreich verteidigen oder krönt sich Spanien zum zweiten Mal nach 2010 zum Weltmeister?

Die Könige der Schlussoffensive gegen die beste Abwehr

Dass Europameister Spanien am Ende im WM-Finale stehen würde, hätte man irgendwie erahnen können – schließlich trafen die Iberer auf ihrem Weg durch die K.o.-Runde ausschließlich auf europäische Gegner. Im Sechzehntelfinale waren Mikel Oyarzabal und Co. für Ralf Rangnicks ÖFB-Team eine Nummer zu groß (3:0), im Achtelfinale gegen Portugal (1:0) sowie im Viertelfinale gegen Belgien (2:1) machte Mikel Merino mit seinen späten Toren den Unterschied. Im Halbfinale wartete dann die größte Herausforderung auf das Team von Trainer Luis de la Fuente, doch auch Frankreichs Offensive der Superlative rund um Kylian Mbappé, Michael Olise und Ousmane Dembélé  konnten die Iberer scheinbar problemlos stoppen (2:0).

Ein gutes Omen für das Endspiel? Schließlich bekommt es Spanien nun im Finale einmal mehr mit einer der besten Offensiven der Welt zu tun. Argentinien erzielte im bisherigen Turnierverlauf die meisten Tore aller Teams (19) und hat auch den besten Einzelspieler der WM in seinen Reihen: Mit acht Treffern und vier Vorlagen führt Lionel Messi die Socererliste an. Nur Frankreich hat einen höheren Expected-Goals-Wert (14,37) und mehr Schüss auf das gegnerische Tor (44) als die Albiceleste. Der Titelverteidiger überzeugte dabei allerdings nicht immer, hatte bereits im Sechzehntelfinale gegen WM-Neuling Kap Verde (3:2 nach Verlängerung), im Achtelfinale gegen Ägypten (3:2 nach 0:2) und auch im Viertelfinale gegen die Schweiz (3:1 n.V.) einiges an Arbeit zu verichten. Mentalität und Pathos statt fußballerischer Glanz war auch im Halbfinale angesagt, als England nach einer Stunde das 1:0 erzielte, doch Argentinien einmal mehr den längeren Atem hatte und auch dieses Spiel mit zwei späten Toren drehte.

Fotocredit: Getty Images

Leichter wird es im Finale für den Südamerikameister sicher nicht, denn es wartet die stärkste Defensive des Turniers. Kein Team kassierte weniger Gegentore als Spanien (1, wie Kolumbien), kein Torhüter hielt häufiger seinen Kasten sauber als Unai Simon (6) – schon jetzt ein WM-Rekord, denn nie zuvor schaffte eine Nation sechs Spiele ohne Gegentor. Die Defensive der Furia Roja ließ dabei pro 90 Minuten nur 6,29 gegnerische Abschlüsse und 1,43 Schüsse auf das eigene Tor zu – Bestwerte unter allen Teams, die mindestens das Viertelfinale erreicht hatten. Der Europameister lag bislang noch nicht eine Sekunde in Rückstand. Gut möglich also, dass Argentinien sich auch im Endspiel wieder lange Zeit die Zähne ausbeißen und eine Schlussoffensive benötigen wird, um seinen Titel nicht an Spanien zu verlieren.

Welche XXL-Serie endet im WM-Finale?

Allerdings sollte sich die Albiceleste nicht darauf verlassen, dass eine Aufholjagd auch im Finale gelingt. In sechs der jüngsten sieben WM-Endspiele gewann nämlich das Team, das auch den ersten Treffer erzielte. Nur Italien 2006 schaffte es, auf das 0:1 gegen Frankreich noch innerhalb der regulären 90 Minuten zu antworten und sich dann im Elfmeterschießen die Trophäe zu schnappen. Darüber hinaus spielen die Argentinier auch gegen den Fluch des Titelverteidigers: Erst zum sechsten Mal hat er amtierende Weltmeister im Finale die Chance, seinen Triumph direkt zu wiederholen – die letzten drei Versuche scheiterten allesamt (Argentinien 1990, Brasilien 1998, Frankreich 2022). Lionel Scaloni könnte überhaupt erst der zweite Trainer in der WM-Historie werden, der den Titel zweimal hintereinander gewinnt (nach Italiens Vittorio Pozzo 1934 und 1938).

Immerhin hat Argentinien aber reichlich WM-Final-Erfahrung. Während es für Spanien erst das zweite WM-Endspiel nach dem Triumph von 2010 ist, steht die Albiceleste zum siebten Mal im Finale des größten Fußballturniers der Welt – nur Deutschland erreichte das Endspiel häufiger (8). Die Finalbilanz der Albiceleste ist dabei ausgeglichen: Neben drei Titeln (1978, 1986 und 2022) stehen drei 2. Plätze zu Buche (1930, 1990, 2014). Sollte 2026 der nächste Erfolg hinzukommen, wären die Argentinier erst das zweite Team nach Brasilien 2002, das alle Spiele des Turnierverlaufs gewinnt. Die Chancen dafür stehen womöglich gar nicht schlecht: Die bisherigen WM-Turniere in den USA (1994, Brasilien) und Mexiko (1970 Brasilien, 1986 Argentinien) wurden immer von Südamerikanern gewonnen.

Fotocredit: Getty Images

Im Übrigen liefern die Iberer und Argentinien nicht erst seit Turnierbeginn Bestleistungen, sondern können mit einem Finalsieg auch noch historische Siegesserien aufstellen. Die Albiceleste haben ihren jüngsten 14 Pflichtspiele allesamt gewonnen, ein weiterer Sieg der Argentinier würde einen neuen Rekord für südamerikanische Mannschaften bedeuten. Einzig Brasilien gelang eine solche Serie einst (1997). Ähnliches gilt für Spanien, das seit 37 Pflichtspielen ungeschlagen (28 Siege, 9 Unentschieden – wie Italien 2018 bis 2021) und somit nur eine Partie ohne Niederlage von einem europäischen Rekord entfernt ist. Am Ende wird aber nur eines der beiden Teams den XXL-Rekord feiern können – und die 6,142 Kilogramm schwere Trophäe aus 18-karätigem Gold in den New Yorker Nachthimmel recken.