LASK-Spieler stemmt die Meisterschale in die Höhe.

LASK und Sturm Kopf an Kopf, Rapid vor Absturz? Die Meisterprognose 2027

Der Linzer ASK und Didi Kühbauer gehen nach dem Sensations-Double als Titelverteidiger in die neue Saison, müssen sich aber nun in der ungewohnten Rolle des Gejagten beweisen: Sturm will zurück auf den Thron, in Salzburg wartet man seit mittlerweile drei Jahren darauf, dass das RB-Imperium zurück schlägt. Und welche Rolle können die Wiener Klubs spielen?

LASK: Vom Jäger zum Gejagten

Es war ein Happy End mit Verspätung für Dietmar Kühbauer. In der Saison 2024/25 verpasste er mit dem WAC das Double am letzten Spieltag nur um ein Tor. In der zurückliegenden Spielzeit war es dann aber soweit: Nach seinem überraschenden Wechsel zurück nach Linz folgte eine beispiellose Aufholjagd. Die ersten zehn Ligaspiele unter Kühbauer blieb der LASK ungeschlagen (8 Siege, 2 Unentschieden), mit sechs Siegen in Folge führte der heute 55-Jährige die Linzer aus dem Tabellenkeller in die Meistergruppe, verteidigte Anfang des Jahres „seinen“ Pokaltitel und holte anschließend auch die Meisterschaft. Doublesieger!

Opta-Vergleich wzischen LASK und Sturm Graz
Credit: Getty Images

War der LASK letzte Saison noch der Jäger, der das Feld unter Kühbauer von hinten aufrollte, sind die Oberösterreicher nun die Gejagten und müssen ihre Titel verteidigen. Dabei muss der Doublesieger auf die Dienste von WM-Torjäger Sasa Kalajdzic verzichten. Der zwei Meter große Mittelstürmer war im Vorjahr von Wolverhampton ausgeliehen, stand 23 Mal für die Linzer auf dem Platz und stellte seinen Wert vor allem im Saisonfinale unter Beweis, als er in den letzten acht Spielen fünf Treffer erzielte und sechs weitere auflegte. Auch beim Cuperfolg war Kalajdzic mit insgesamt einem Tor und vier Vorlagen extrem wichtig. Während der LASK Krystof Danek und Joao Tornich fest verpflichten konnte, muss der ÖFB-Stürmer nun aber zurück nach England. Ersetzen konnte man den 29-Jährigen bislang nicht – was sich in der Vorbereitung vor allem gegen Dynamo Kiew (0:2), Ingolstadt (0:2) und Fenerbahce (1:2) zeigte. Umso bitterer, dass sich nun auch noch Neuzugang Ramiz Harakaté in der ersten Cuprunde einen Kreuzbandriss zuzog.

Auf die Insel zieht es auch Abwehrtalent Modou Cisse, der für 5,5 Millionen Euro zu Aston Villa wechselte. Als Ersatz für den 20-Jährigen wurde der Kongolese Manoel Verhaeghe (18) aus Belgien verpflichtet, der ebenfalls als großes Talent gilt. Vom WAC kam zudem Alessandro Schöpf, der 32-Jährige soll das Mittelfeld des LASK mit seiner Erfahrung bereichern. Für zusätzliche Kreativität soll Leihspieler Robert Ljubicic sorgen, der seine Qualitäten bereits bei St. Pölten und Rapid unter Beweis gestellt hatte. Die erste Pokalrunde meisterte der Doublesieger problemlos (7:0 gegen Kalsdorf), das erste Ligaspiel wartet nun am Freitagabend: Um 19:30 Uhr ist der Grazer AK zu Gast in der Raiffeisen Arena. Die Grazer bezwang man im Vorjahr in beiden Ligaspielen (1:0, 2:1).

Sturm will zurück auf den Thron, RB-Umbruch mit ungewisser Zukunft

Auch der erste Verfolger kam im Vorjahr aus Graz, dem entthronten Meister Sturm fehlten am Ende zwei Punkte zur erneuten Titelverteidigung. Nun wollen die Steirer wieder zurück an die Spitze! Dafür hat Sturm vor allem die Innenverteidigung verstärkt. Jeyland Mitchell (21) wurde nach erfolgreicher Leihe fest verpflichtet, aus Serbiens 2. Liga kommt zudem Petar Petrovic (20) neu nach Graz und schließt die Lücke, die Dimitri Lavalée durch seine Rückkehr nach Belgien hinterlässt. Schon in der Vorsaison stellte das Team von Trainer Fabio Ingolitsch mit nur 35 Gegentoren die beste Defensive der ADMIRAL Bundesliga. Offensiv soll der deutsche U21-Stürmer Nelson Weiper (Mainz 05, Leihe) neuen Schwung nach Graz bringen.

Beim 4:0-Sieg in der Champions-League-Qualifikation gegen Heart of Midlothian standen zudem Neuzugang Simon Seidl (Mittelfeld, BW Linz) sowie die Leih-Rückkehrer Szymon Wlodarczyk (Angriff) und Emran Soglo (Linker Verteidiger) in der Startelf, beim 3:0-Pokalerfog in Seekirchen (Regionalliga) reihten sich Seidl und Wlodarczyk direkt in die Torschützenliste ein. Schon in der Vorbereitung präsentierte sich Sturm im Angriffsmodus und holte sich gegen Kalsdorf (4:1), Sanfrecce Hiroshima (5:1) und Pogon Szczecin (1:0) Rückenwind. Für die neue Saison prognostiziert der Opta Supercomputer erneut ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen: In 33,6 Prozent aller Simulationen verteidigte der LASK seinen Titel, in 30,1 Prozent der Durchläufe holte Sturm die Meisterschaft zurück nach Graz.

Opta Supercomputer sagt, der Meister LASK kann den Titel verteidigen

Zu den Meisterkandidaten zählt naturgemäß auch RB Salzburg. Die Roten Bullen wollen in der neuen Saison mit einem neuen Trainer wieder ganz oben angreifen, Danny Röhl (Schottischer Vizemeister mit Glasgow Rangers) soll die Salzburger wieder zu alter Dominanz führen. Doch der abgeschlagene Vorjahresdritte muss einige Abgänge verkraften: Joane Gadou (Dortmund), Jannik Schuster (Brentford), Mads Bidstrup (Lyon), Kerim Alajbegovic (Leverkusen) und Alexander Schlager (Bremen) spülten dem Verein zwar über 50 Millionen Euro in die Kassen, hinterlassen aber große Lücken. Weitere Abgänge könnten noch folgen. Zwar investierten die Salzburger auch bereits über 30 Millionen in neue Spieler und holten unter anderem Haris Tabakovic (Hoffenheim) und Nikolas Veratschnig (Mainz) zurück nach Österreich, doch muss sich erst zeigen, ob der Umbruch auch sofort Früchte trägt. Der Testspiel-Doppelpack zuletzt gegen Gamba Osaka (0:3) und Basaksehir (1:2) ging schief. Wenig überraschend also, dass auch Optas Supercomputer den Salzburgern trotz des 7:1-Erfolgs im Pokal gegen Drittligist SV Oberwart nur eine Meisterchance von 17,6 Prozent einräumt.

Rapid und Austria: Absturz statt Großangriff?

Eröffnet das die Chance für die beiden Wiener Klubs, endlich wieder oben anzugreifen? Wahrscheinlich eher nicht. Sowohl Rapid als auch die Austria hielten sich auf dem Transfermarkt bislang zurück und präsentierten kaum nennenswerte Neuzugänge. Während die SK Mittelfeldspieler Nicolas Bajlicz aus Ried zurückholte und mit Tonni Adamsen einen neuen Stürmer verpflichtete, verstärkten die Veilchen ihre Abwehr mit Ibrahim Buhari, verloren zugleich aber Mittelfeldmotor Abubakr Barry (RB Salzburg) sowie die Talente Konstantin Aleksa und Ifeanyi Ndukwe.

Immerhin legten beide Klubs aber einen guten Start in die neue Saison hin und gewannen sowohl ihr Qualifikations-Hinspiel zur Conference League als auch beim Pokalauftakt souverän. Sowohl das Team von Stephan Helm, als auch das von Johannes Hoff Thorup landete in der Mehrheit der Opta-Simulationen aber trotzdem nur im Tabellenmittelfeld – Rapid muss laut Supercomputer-Prognose sogar aufpassen, nicht auf Platz 8 (11,5 Prozent) oder 9 (11,2 Prozent) abzustürzen. In 52,1 Prozent der Simulationen landeten die Hütteldorfer nur in der Qualifikationsgruppe – das gilt es für das Thorup-Team definitiv zu vermeiden. Mit dem Meisterrennen wird Wien aller Voraussicht nach aber wieder nichts zu tun haben. Es sei denn, Kühbauer findet Geschmack an einer neuen Herausforderung…