Freude pur bei den Gunners nachdem Ödegaard eingenetzt hat.

Premier League vor Saisonstart 2026/27: Trainerwahnsinn, Rekordtransfers und ein klarer Meisterschaftsfavorit

Am Freitagabend um 21 Uhr startet die englische Premier League mit der Partie zwischen dem amtierenden Champion FC Arsenal und Aufsteiger Coventry City in die Saison 2026/27. Zum ersten Mal seit 2004 gehen die Gunners als Titelverteidiger in eine neue Spielzeit und können dabei mit Mikel Arteta auf Kontinuität an der Seitenlinie bauen – im Gegensatz zu einigen Konkurrenten wie Manchester City, dem FC Liverpool oder dem FC Chelsea. Mit insgesamt acht neuen Coaches wirbelte das Trainerkarussell die Liga im Sommer ordentlich durcheinander, zahlreiche rekordverdächtige Transfers taten ihr Übriges. Die teils erheblichen Veränderungen bei der Konkurrenz wird man im Norden Londons gerne sehen – könnten sie doch dafür sorgen, dass das Titelrennen in der Premier League so einseitig wird wie seit Jahren nicht mehr!

Der Titelverteidiger

22 Jahre lang mussten der FC Arsenal und seine Anhänger warten, bis sie nach den „Invincibles“, welche die Saison 2003/04 ohne Niederlage beendeten, und drei Vize-Meisterschaften in Folge endlich wieder den Premier-League-Titel feiern konnten. Dabei suchte die Defensive der Gunners in der vergangenen Saison ihresgleichen. Mit nur 27 Gegentoren, einem Expected-Goals-Against-Wert von 28,3 xGA, 310 zugelassenen Schüssen und 90 zugelassenen Torschüssen sowie insgesamt 19 Weißen Westen in 38 Spielen dominierte Arsenal in nahezu allen Defensiv-Statistiken die Liga.

Im Zusammenspiel mit ihrer überragenden Standard-Stärke an beiden Enden des Feldes – die Gunners erzielten 29 Tore nach ruhendem Ball und kassierten nur acht – entwickelte Arteta eine nahezu unschlagbare Siegesformel, die auch in der kommenden Saison zum Erfolg führen sollte. Zumal mit der festen Verpflichtung von Verteidiger Piero Hincapié (40 Millionen, Leverkusen) und den Transfers von Christos Tzolis (40 Millionen, Club Brügge) und Bruno Guimarães (87 Millionen, Newcastle) die Qualität im Kader weiter aufpoliert wurde. Letzterer dürfte das spielerische Niveau im Arsenal-Mittelfeld noch einmal anheben, spielte der Brasilianer in der vergangenen Saison doch mehr linienbrechende Pässe pro 90 Minuten in der Liga als jeder andere Newcastle-Akteur (16,2) und gehörte mit zwölf Pässen unter hohem Druck pro 90 Minuten zu den besten Spielern in Europas Top-5-Ligen.

Declan Rice in einer Standardsituation
Credit: Getty Images

Dementsprechend gilt Arsenal bei Datenanbieter Opta als Topfavorit auf den Titel in der Saison 2026/27. In 40,7 Prozent aller Simulationen landen die Nordlondoner erneut auf Platz 1. Es wäre das erste Mal seit 18 Jahren, dass ein Team, das nicht Manchester City heißt, seinen Titel verteidigt. Dieses Kunststück gelang zuletzt Manchester United in der Saison 2008/09. Am vergangenen Wochenende setzten die Gunners auch direkt ein erstes Ausrufezeichen, als sie die Citizens im Community Shield mit 3:0 besiegten.

Die weiteren Titelanwärter

Alle acht Premier-League-Titel zwischen 2018 und 2025 gingen entweder an Manchester City (6) oder den FC Liverpool (2). Die drei Übungsleiter, die sich für alle diese Titel verantwortlich zeigten, sind in der kommenden Saison jedoch nicht mehr in Amt und Würden. Vor allem bei den Skyblues stellt der Abgang von Trainerlegende Pep Guardiola eine Zäsur dar. Der Spanier leitete zehn Jahre lang die Geschicke in Manchester und gewann mit den Citizens sechsmal die Premier League, dreimal den FA Cup, fünfmal den League Cup und einmal die Champions League.

Ab sofort steht Enzo Maresca an der Seitenlinie im Etihad Stadium. Der Italiener leitete in der Vergangenheit bereits die U23 von City und fungierte in der historischen Triple-Saison 2022/23 des Klubs als Assistenztrainer Guardiolas. In Manchester hofft man darauf, dass Maresca mit City-Stallgeruch und einem ähnlichen Spielstil wie Guardiola mit Fokus auf viel Ballbesitz, einem kontrollierten Spielaufbau und intensivem Pressing nahtlos an dessen Erfolge anknüpfen kann. Mit seinem Ex-Team Chelsea gewann Maresca letztes Jahr die Conference League sowie die Klub-Weltmeisterschaft.

Obwohl es in der vergangenen Saison nur zu Platz 2 reichte, stellten die Skyblues die beste Offensive der Liga. Kein Team erzielte mehr Treffer (77), kam auf einen höheren Expected-Goals-Wert (71,01 xG), kreierte mehr Großchancen (94) und verfügte über einen höheren Ballbesitzanteil (60,68 Prozent) als die Citizens. Da man hinter Arsenal auch die zweitbeste Defensive der Liga stellte, hielt man sich auf dem Transfermarkt bislang eher zurück – abgesehen von der Verpflichtung des englischen Nationalspielers Elliot Anderson. Den WM-Teilnehmer ließen sich die Skyblues satte 135 Millionen Euro kosten – der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte! Damit die Citizens jedoch auch nach der Guardiola-Ära bestens für einen Angriff auf die Tabellenspitze gerüstet sind, werden sie diese Zurückhaltung bis zum Deadline Day wohl noch ablegen müssen. Schließlich droht man, mit Rodri einen der wichtigsten Spieler im Kader an den FC Barcelona zu verlieren.

Predicted Final League Position for the Premier League

In Liverpool dachte man, dass man den Generationenwechsel auf der Trainerposition bereits vor zwei Jahren erfolgreich durchgeführt hätte. Im Sommer 2024 ersetzte Arne Slot Jürgen Klopp (1 Premier-League-Titel) an der Seitenlinie und gewann direkt in seiner ersten Saison die Liga. Anschließend investierten die Reds im Transfersommer 2025 fast eine halbe Milliarde Euro in den Kader, um sich dauerhaft an die Spitze der Premier League zu setzen. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch gewaltig. Liverpool beendete die vergangene Saison nur auf Platz 5. Nur dank des starken Abschneidens der englischen Teams in den internationalen Wettbewerben qualifizierte man sich überhaupt für die Champions League.

Trainer Slot musste am Saisonende dennoch seine Koffer packen und wurde durch Andoni Iraola ersetzt. Der Spanier kann auf eine erfolgreiche Zeit beim AFC Bournemouth zurückblicken und soll den LFC wieder in den Meisterschaftskampf zurückführen. Die beiden ablösefreien Abgänge von Klublegende Mo Salah (Trabzonspor) und Innenverteidiger Ibrahima Konaté (Real Madrid) sollen dabei durch Jérémy Jacquet (64 Millionen, Stade Rennes), Ronald Araujo (Leihe, Barcelona) und Víctor Muñoz (40 Millionen, Osasuna) aufgefangen werden. In Anfield hofft man nun darauf, dass die teils neu formierte Defensive neben Abwehrchef Virgil van Dijk mehr Stabilität liefert als vergangenes Jahr (53 Gegentore, 12 Niederlagen) und die kostspieligen Superstars Florian Wirtz und Alexander Isak mit einem Jahr Verspätung doch noch einschlagen. Zudem scheint der Transfer von Flügelflitzer Bradley Barcola (Paris St.-Germain) an die Anfield Road nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Der Opta Supercomputer errechnet für Liverpool hinter Arsenal und City (18,6 Prozent) die drittgrößten Titelchancen (9,3 Prozent).

Womöglich wird Manchester in der kommenden Saison neben den Skyblues tatsächlich noch einen weiteren Titelanwärter stellen. Denn: United befindet sich nach Jahren im Mittelmaß wieder auf dem Weg nach oben. Als Michael Carrick den Job des Trainers im Januar von Ruben Amorim bzw. Interimstrainer Darren Fletcher übernahm, rangierten die Red Devils mit nur acht Siegen auf Platz 7. Unter Carrick gewann Manchester anschließend aber nicht nur die meisten Spiele (12 von 17), holte die meisten Punkte (39) und erzielte die meisten Tore (33), manlandete am Ende auch noch auf Platz 3. Die beste Platzierung des Teams seit der Saison 2022/23. Vor allem offensiv zeigte sich United in der vergangenen Spielzeit stark verbessert. Man erzielte nicht nur 25 Tore mehr (insgesamt 69, Platz 3) als in der Vorsaison (44), man gab auch mehr Schüsse (596) und Torschüsse (216) als jedes andere Team ab. Mit den Verpflichtungen von Andrey Santos (56 Millionen, Chelsea) und Youri Tielemans (41 Millionen, Aston Villa) will man sich endgültig wieder in der Spitzengruppe der Premier League festsetzen. Die Chancen auf eine erneute Champions-League-Qualifikation stehen dementsprechend nicht schlecht (33,8 Prozent).

Kampf um die europäischen Plätze

Eine Saison zum Vergessen erlebten zuletzt dagegen der FC Chelsea und die Tottenham Hotspur. Die Blues schlossen die vergangene Spielzeit trotz des zweitbesten xG-Werts der Liga (66,53) nur auf Platz 10 ab und verpassten zum erst zweiten Mal in den letzten zehn Jahren das internationale Geschäft. Unter Neu-Trainer Xabi Alonso soll nun alles besser werden. Mit unter anderem Morgan Rogers (138 Millionen, Aston Villa), Maxence Lacroix (60 Millionen, Crystal Palace), Marco Palestra (57 Millionen, Atalanta) und den Routiniers Jordan Henderson (ablösefrei, Brentford) und Danny Welbeck (6 Millionen, Brighton) griffen die Blues tief in die Tasche, um die internationalen Plätze wieder anzugreifen. Ein Platz in den Top 5 und somit die sichere Europapokal-Qualifikation ist zwar kein Selbstläufer, aber durchaus realistisch (30,6 Prozent).

Rekordtransfers der Premier League
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Ähnlich aggressiv agierten die Spurs auf dem Transfermarkt und investierten mal eben 267 Millionen Euro in drei Spieler – Sandro Tonali kam für 108 Millionen von Newcastle, Mateus Fernandes für 99 Millionen von West Ham und Paul van Hecke für 60 Millionen von Brighton. Dringend benötigte Verstärkungen, entging Tottenham doch zuletzt nur mit Müh und Not dem Abstieg in die Championship. Erst am letzten Spieltag konnte das Team von Trainer Roberto De Zerbi, der erst Ende März für Thomas Frank bzw. Interimstrainer Igor Tudor übernahm, den Klassenerhalt sichern. Laut Opta Supercomputer sollten die intensiven Transferbemühungen die „neuen“ Spurs wieder in Schlagdistanz zu den internationalen Plätzen hieven (Platz 8).

Aston Villa spielte dagegen eine herausragende Saison 2025/26 und wurde am Ende nicht nur Tabellenvierter in der Premier League mit der vierbesten Chancenverwertung aller Teams (11,59 Prozent), sie gewannen obendrein auch die Europa League im Finale gegen den SC Freiburg (3:0) und gehen in der kommenden Spielzeit erst zum zweiten Mal seit den 80er-Jahren wieder in der Champions League an den Start. Ob Aston Villa jedoch eine ähnlich starke Saison wie zuletzt spielen kann, ist nicht gesichert. Denn: Mit Rogers (Chelsea) und Tielemans (Manchester United) verließen zwei Leistungsträger den Verein. Johan Manzambi (60 Millionen, Freiburg), João Gomes (40 Millionen, Wolverhampton) und Alejandro Garnacho (Leihe, Chelsea)sollen diesen Qualitätsverlust auffangen. Der Opta Supercomputer sieht das Team von Trainer Unai Emery dennoch unter den besten fünf Teams der Liga. Neben den Villans, Chelsea und Tottenham rechnen sich auch Newcastle (Platz 7), Brighton (Platz 9) und Bournemouth (Platz 10) Chancen auf einen internationalen Startplatz aus.

Die Abstiegskandidaten

Erst dreimal in der Geschichte der Premier League stiegen die drei Aufsteiger am Ende der Saison direkt wieder ab (zuletzt in den Saisons 2023/24 und 2024/25) – und nur viermal hielten alle drei Aufsteigerdie Klasse. Es ist also durchaus wahrscheinlich, dass eines oder mehrere Teams aus der Aufsteigergruppe mit Hull City, Coventry City und Ipswich Town in der kommenden Saison wieder in der Championship spielen werden – zumal in den letzten drei Spielzeiten sieben von neun Aufsteigern sofort wieder abgestiegen sind.

Nach den Berechnungen des Opta Supercomputers könnte es erneut alle drei Aufsteiger treffen: Hull kommt auf eine Abstiegswahrscheinlichkeit von 41,2 Prozent, Ipswich liegt bei 30,9 Prozent und Coventry bei 27,8 Prozent. Auch für den AFC Sunderland, das Überraschungsteam der Vorsaison, könnte es eng werden (Abstiegswahrscheinlichkeit: 26 Prozent). Trotz Platz 7 in der Abschlusstabelle kamen nur Burnley (30,9 xG) und die Wolverhampton Wanderers (31,6 xG) in der vergangenen Saison auf einen niedrigeren Expected-Goals-Wert aus dem laufenden Spiel heraus als die Black Cats (35,0 xG). Gleichzeitig ließ man jedoch die drittmeisten Schüsse (537) und die viertmeisten Schüsse aufs Tor (166) zu und investierte auf dem Transfermarkt bislang noch keinen Penny. Ob das für den Klassenerhalt reicht? Oder ist das zweite Jahr in der höchsten Spielklasse Englands wie so oft das schwierigere?