Nur 24 Tage nach dem Finale der FIFA Weltmeisterschaft geht es um den nächsten großen Titel: den UEFA Supercup! Europa League Gewinner Aston Villa fordert dabei den Champions-League-Sieger Paris St.-Germain um die Krone der europäischen Champions heraus. Die Bilanz spricht dabei allerdings klar für den Königsklassen-Gewinner, auch das Duell der Trainer geht nach Paris – die zudem auch den einzigen bisherigen Vergleich gewonnen haben. Die Favoritenrolle für Mittwochabend (ab 21:00 Uhr) scheint also klar verteilt. Doch es gibt Hoffnung für Unai Emery und seine Villans.
PSG will den nächsten internationalen Titel verteidigen
Zumindest macht das einzige Aufeinandertreffen zwischen PSG und Aston Villa Hoffnung, dass es eine spannende, ausgeglichene Partie wird. Vor zwei Jahren standen sich die beiden Teams im Viertelfinale der UEFA Champions League gegenüber und feierten beide jeweils einen Heimsieg. Die Franzosen behielten im Prinzenpark mit 3:1 die Oberhand, die Engländer hätten den Rückstand beim 3:2 im Villa Park aber beinahe noch egalisiert. Am Ende zog PSG ins Halbfinale ein und holte später auch den Titel 2025. Vor zehn Wochen gelang dem Team von Trainer Luis Enrique dann sogar die Titelverteidigung in der Königsklasse. Ob dies auch im UEFA Supercup klappt?

Paris könnte nach Ajax Amsterdam (1973, 1974), der AC Mailand (1989, 1990) und Real Madrid (2016, 2017) erst die vierte Mannschaft werden, die den Supercup zweimal hintereinander holt. Bereits im Vorjahr trafen die Franzosen dabei auf ein Team aus der Premier League – und taten sich extrem schwer. Tottenham Hotspur führte bis zur 85. Minute mit 2:0, ehe Kang-In Lee und Goncalo Ramos den Königsklassen-Champion noch ins Elfmeterschießen retteten. Dort schnappte sich das Enrique-Team dann den Titel (4:3). Dieses Jahr müssen es andere richten: Die beiden Torschützen wechselten im Verlauf des Sommers zu Atletico Madrid (Lee) bzw. der AC Mailand (Ramos).
Insgesamt ist es die dritte Teilnahme von Paris Saint-Germain am UEFA Supercup: 1997 verlor der Klub nach Hin- und Rückspiel mit 2:9 gegen Juventus (1:6, 1:3), bevor im vergangenen Jahr der Erfolg im Elfmeterschießen gegen die Spurs erstmals die Trophäe nach Paris führte. Auch Trainer Luis Enrique spielt zum dritten Mal um den begehrten Pokal, seine beiden bisherigen Teilnahmen hat er jeweils gewonnen. Dem Triumph mit PSG aus dem Vorjahr ging der Titel mit dem FC Barcelona 2015 voraus. Damals bezwang sein Team den FC Sevilla im torreichsten Spiel in der Geschichte des UEFA Supercups mit 5:4. Trainer auf der anderen Seite: Unai Emery. Seitdem stand in fünf von zehn Supercups immer mindestens ein englisches Team auf dem Platz. Und immer erzielten beide Mannschaften einen Treffer. Diese Serie könnte sich auch dieses Jahr fortsetzen, denn sowohl Aston Villa (31) als auch Paris (45) erzielten jeweils die meisten Tore in ihrem Wettbewerb.
Kann Unai Emery sein Supercup Trauma überwinden?
Während Luis Enrique mit dem Supercup also eine Erfolgsgeschichte verbindet, beißt sich Unai Emery an diesem Titel bislang in seiner Trainerkarriere die Zähne aus. Ganze dreimal stand der Spanier mit seinen Mannschaften schon in diesem Endspiel, nie konnte er die Trophäe erringen. Mit dem FC Sevilla unterlag er sowohl 2014 gegen Real Madrid (0:2) als auch ein Jahr später gegen den FC Barcelona. Auch 2021 hatte er keinen Erfolg, verlor mit dem FC Villarreal im Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea (1:1, 5:6).

Dabei wurde dem Basken vor allem der Qualitätsunterschied seiner Teams immer zum Verhängnis. Denn: Der 54-Jährige stand – wie auch in diesem Jahr – immer auf der Seite des Europa-League-Gewinners. Und dessen Bilanz im Supercup ist gelinde gesagt mau. Der amtierende Sieger der Europa League hat den Titel in nur einer der letzten 13 Spielzeiten gewonnen: 2018, als Atlético Madrid den Stadtrivalen Real mit 4:2 besiegte. In den anderen zwölf Duellen setzte sich immer die Klasse des Champions-League-Siegers durch.
Vielleicht kann Emery den Kreislauf ja mit Aston Villa endlich durchbrechen. Immerhin hat der Verein aus Birmingham bei seiner bislang einzigen Chance auf den Supercup-Titel direkt zugepackt. Als Sieger des Europapokals der Landesmeister besiegte der Klub 1983 den FC Barcelona nach Hin- und Rückspiel mit 3:1 (0:1, 3:0). Gegen PSG dürfte es allerdings eine echte Herkulesaufgabe werden, denn die Franzosen sind aktuell nicht nur das wohl stärkste Team der Welt, sondern auch offensiv kaum zu bremsen. Seit der 0:1-Niederlage im Liga-Derby gegen den Paris FC im Januar haben Ousmane Dembélé und Co. immer getroffen, stolze 28 Pflichtspiele hält diese Serie nun bereits an. Es ist die längste PSG-Serie mit mindestens einem eigenen Tor seit einer Phase von 36 Spielen zwischen September 2019 und Juli 2020.

Die Chance der Engländer könnte stattdessen im Elfmeterschießen liegen. Denn: Fünf der letzten sechs UEFA-Supercup-Spiele mit Beteiligung einer englischen Mannschaft wurden vom Punkt entschieden, darunter sogar die letzten vier in Folge. Während Tottenham vor einem Jahr gegen PSG den Kürzeren zog, holten Manchester City (2023), der FC Chelsea (2021) und der FC Liverpool (2019, gegen Chelsea) so den Titel. Vielleicht kann sich Aston Villa dort einreihen. Und Unai Emery endlich den Supercup gewinnen.