Am Samstag, den 18. April 2026, richtet sich der Blick des spanischen Fußballs nach Sevilla, wenn um 21 Uhr im Estadio de La Cartuja das Copa-del-Rey-Finale angepfiffen wird. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr kommt es dieses Mal jedoch nicht zum El Clasico zwischen den spanischen Fußballgroßmächten FC Barcelona und Real Madrid (3:2 n.V.), sondern zum Aufeinandertreffen des Stadtrivalen der Königlichen, Atlético Madrid, und Real Sociedad San Sebastián. Das Endspiel 2026 dürfte jedoch nicht minder spannend werden, treffen doch zwei Mannschaften aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Auf der einen Seite die Rojiblancos aus der Hauptstadt, die ihren Fokus auf eine stabile Defensive und effizienten Konterfußball legen, und auf der anderen die auf Ballbesitz und Pressing setzenden Basken.
Atlético geht als Favorit ins Endspiel
Es kommt somit zur Neuauflage des Copa-del-Rey-Finals aus der Saison 1986/87. Im bislang einzigen Pokalendspiel dieser beiden Teams setzte sich Real Sociedad in einem umkämpften und unwahrscheinlich nervenaufreibenden Spiel vor 37.000 Zuschauern in Saragossa mit 4:2 im Elfmeterschießen durch. Ähnlich spannend sollte auch die Partie am Samstagabend werden, schließlich endete jedes dritte direkte Duell dieser beiden Mannschaften in den letzten fünf Jahren in einem Unentschieden (4 von 12 Spielen) und in fünf der verbleibenden acht Partien gewann der Sieger jeweils nur mit einem Tor Vorsprung. Die beiden LaLiga-Duelle in 2026 endeten in einem Remis (1:1) und einem 3:2-Erfolg für Atlético.
Trotz der zumeist engen direkten Duelle gehen die Rojiblancos als Favorit in das Finale. Schließlich hat das Team von Trainer Diego Simeone seit der 0:2-Pleite im Copa-del-Rey-Achtelfinale im Januar 2022 nicht mehr gegen die Basken verloren (6 Siege, 3 Unentschieden). Datenanbieter Opta errechnet demnach eine Siegeswahrscheinlichkeit von 58 Prozent für Atleti, das Team von Trainer Pellegrino Matarazzo kommt auf einen Prozentsatz von 21. Dieser Eindruck bestätigt sich auch bei einem Blick auf die nationale Liga. Während Atleti die Champions-League-Qualifikation kaum noch zu nehmen ist (Platz 4, 57 Zähler), beträgt der Rückstand der Basken auf die Rojiblancos bereits 15 Punkte. Das Matarazzo-Team droht als Tabellensiebter das internationale Geschäft komplett zu verpassen.

Nichtsdestotrotz stellte sich der Wechsel an der Seitenlinie der Basken von Sergio Francisco zu Matarazzo als voller Erfolg heraus. Unter dem US-Amerikaner verlor San Sebastian nur eines seiner ersten 13 Pflichtspiele (8 Siege, 4 Unentschieden). Wenngleich von den letzten fünf LaLiga-Spielen (1 Unentschieden) nur noch zwei gewonnen (jeweils zu Hause gegen Osasuna und Levante) und die beiden Partien gegen die besser platzierten Teams Atlético und Villarreal auswärts verloren wurden, macht die baskische Offensive seit Matarazzos Übernahme richtig Spaß. In allen 17 Pflichtspielen erzielten die Txuri-urdin immer mindestens einen Treffer und kommen in der Liga (14 Spiele) seither auf die drittbeste Torausbeute (28), den drittbesten Expected-Goals-Wert (21,81) und die beste Chancenverwertung (16,67 Prozent). Demnach erscheint es unwahrscheinlich, dass die Matarazzo-Truppe im Finale ohne eigenen Treffer bleiben wird.
Torreiches Finale in Sevilla?
Dürfen die gut 55.000 Zuschauer im Estadio de La Cartuja am späten Samstagabend somit gar ein kleines Torfestival erwarten? Unwahrscheinlich ist dies nicht! Denn auch wenn sich der Spielstil Atléticos in dieser Saison nicht wirklich verändert hat und unter Simeone einer stabilen Defensive weiterhin eine hohe Priorität beigemessen wird, so sind Spiele mit Beteiligung der Rojiblancos in dieser Spielzeit meist durchaus torreich.
Auf dem Weg ins Finale der Copa del Rey fielen in vier von fünf Atleti-Spielen mindestens drei Treffer, zweimal sogar deren fünf (3:2 gegen Atlético Baleares, 5:0 gegen Real Betis). Die Highlights stellten dabei unweigerlich die beiden Halbfinalbegegnungen gegen den FC Barcelona dar. Während man die Blaugrana im Hinspiel vor heimischem Publikum mit 4:0 überrumpelte, verspielte man in Barcelona diesen Vorsprung fast noch (0:3). Und auch in der Liga und Champions League fallen bei Spielen des Simeone-Teams insgesamt durchschnittlich 3,18 Tore pro Partie, bei Real Sociedad sind es in La Liga derer 3,13.

Im Copa del Rey überzeugte Real Sociedad wiederum ein ums andere Mal mit einer starken Defensive. In vier von sieben Pokalspielen blieben die Txuri-urdin ohne Gegentreffer. Vor allem im rein baskischen Halbfinale konnte sich das Matarazzo-Team auf seine Abwehr verlassen und den Nachbarn Athletic Club zweimal mit 1:0 besiegen. Eine Qualität, welche die Basken in der nationalen Liga eher selten auf den Rasen bringen. Schließlich kassierten sie in LaLiga bislang die drittmeisten Gegentore (48), lassen die siebtmeisten Schüsse (408) zu und werden im Schnitt pro Spiel 8,23-mal von ihrem Gegner überdribbelt. Nur sechs Teams sind in dieser Statistik schlechter. Da Atleti zudem eine durchaus kompetente Offensive auf das Feld schicken wird, die in der Liga in den Kategorien Tore (51), Expected-Goals (46,85), Torschüsse (165) und der Chancenverwertung (12,29 Prozent) jeweils zu den Top-4-Teams gehört, ist ein torreiches Endspiel durchaus nicht unwahrscheinlich.