In der 30. Runde in La Liga ist Spitzenreiter Barcelona am Samstagabend (21:00 Uhr) zu Gast beim Tabellenvierten Atletico Madrid. Schon das reine Duell zwischen den Rojiblancos und den Blaugrana verdient sich den Titel „Spitzenspiel“, doch dieses Mal steckt nicht nur aufgrund der nationalen Rivalität und Tabellensituation eine Menge Brisanz im Aufeinandertreffen von Hansi Flicks und Diego Simeones Teams. Denn anschließend stehen sich beide auch im Champions-League-Viertelfinale gegenüber, insgesamt dreimal innerhalb von nur elf Tagen treffen Atletico und Barcelona somit aufeinander. Wer kann bei der Generalprobe eine erste Duftmarke setzen?
Drei Heimniederlagen in Serie: Angstgegner Barcelona?
Beide Teams standen sich in dieser Saison schon dreimal gegenüber – stets gewann das Heimteam. In der Hinrunde feierte Barca einen 3:1-Sieg im eigenen Stadion, Mitte Februar und Anfang März duellierte man sich dann im Halbfinale der Copa del Rey. Atletico legte die Grundlage für den Finaleinzug mit einem furiosen 4:0-Heimerfolg, dem höchsten Sieg im eigenen Stadion gegen Barca seit 1989. Doch den Blaugrana wäre beinahe das perfekte Comeback geglückt, sie verpassten die Überraschung im Rückspiel nur um ein Tor (3:0). Gibt es nun den vierten Heimsieg in diesem Duell in Folge?
Die Historie spricht nicht wirklich dafür. Denn: Die jüngsten drei LaLiga-Gastspiele im Riyadh Air Metropolitano konnte Barcelona allesamt für sich entscheiden. Die Katalanen sind damit überhaupt das einzige Team, das den Madrilenen in ihrem aktuellen Stadion drei Liga-Niederlagen in Folge zufügen konnte. Der letzte Heimsieg über die Blaugrana in La Liga liegt für Diego Simeones Team bereits viereinhalb Jahre zurück (2:0 am 2. Oktober 2021). Sollte Atletico den Negativlauf gegen den Titelverteidiger nun aber stoppen und die drei Punkte holen, würde man erst zum zweiten Mal in den letzten 45 Jahren beide Heimspiele gegen die größten nationalen Konkurrenten Barca und Real Madrid (5:2 in der Hinrunde) gewinnen.

Für die Colchoneros kam die Länderspielpause in jedem Fall wie gerufen. Von den vergangenen sechs Pflichtspielen konnten die Madrilenen nur drei gewinnen (3 Niederlagen), zuletzt setzte es zwei Pleiten in Folge, auch wenn das 2:3 in London im CL-Rückspiel gegen die Spurs letztlich ohne Konsequenzen blieb (außerdem 2:3 im Derbi madrileno gegen Real). Gegen Spitzenreiter Barcelona droht nun die dritte Niederlage in Folge – es wäre erst das dritte Mal seit Simeones Amtsbeginn (seit 2011), dass Atletico drei Pflichtspiele in Serie verliert. Das Team von Flick auf der anderen Seite ist in sehr guter Form, verlor von den letzten neun Ligaspielen nur eines und gewann seit dieser Niederlage (1:2 im katalanischen Derby beim FC Girona) alle fünf Partien in La Liga am Stück. Wettbewerbsübergreifend ist Barcelona seit acht Spielen ungeschlagen (7 Siege).
Barcas Poweroffensive stoppen: Atletico muss eigene Schwäche abstellen
Wenn es einen Gegner in der Simeone-Ära gibt, gegen den eine Niederlage äußerst wahrscheinlich ist, dann ist es ohnehin wohl der FC Barcelona. Lediglich elf Prozent seiner 28 Ligaspiele gegen die Katalanen konnte der argentinische Cheftrainer mit Atletico für sich entscheiden, den drei Siegen stehen ganze 18 Niederlagen gegenüber (7 Unentschieden). Gegen keinen Verein, gegen den er mindestens zwei Spiele in La Liga gecoached hat, hat Simeone eine niedrigere Siegquote. Und gegen kein anderes Team kassierte der heute 55-Jährige mehr Niederlagen (18) und Gegentore (46) als gegen die Blaugrana (Atletico erzielte selbst nur 23 Tore in den 28 Ligaduellen).

Auch in der aktuellen Phase ist die Defensive der Rojiblancos alles andere als sattelfest. In fünf der jüngsten sechs Pflichtspiele kassierte die Simeone-Truppe mindestens zwei Gegentreffer (insgesamt 13). Und nun kommt auch noch die beste Offensive der Liga ins Riyadh Air Metropolitano! Barcelona hat mit weitem Abstand die meisten Tore (78) und den höchsten Expected-Goals-Wert (72,85). Darüber hinaus geben die Blaugrana pro Spiel die meisten Schüsse (19,66) und die meisten Schüsse auf das gegnerische Tor (7,17) ab, verzeichnen die meisten Großchancen (132) und haben mit einer Chancenverwertung von 13,68 Prozent den zweitbesten Wert in Spaniens höchster Spielklasse (Villarreal 15,17 Prozent). Das Simeone-Team kann bei diesen Werten nicht mithalten, kommt selbst nur auf 49 Tore (Platz 4 im Ligavergleich), 45,09 xG (4), 13,66 Schüsse (5) und 5,55 Schüsse aufs Tor (3) pro Spiel, sowie 88 Großchancen (4) und eine Chancenverwertung von 12,37 Prozent (4).
Will Atletico, das mit 57 Punkten nach 29 Spielen den Anschluss zu Barca (73) und Real Madrid (69) bereits verloren hat und hinter Villarreal (58) sogar nur auf Platz 4 liegt, die drei Punkte im eigenen Stadion behalten, müssen sie also die Offensive der Blaugrana irgendwie in den Griff bekommen. Immerhin können die Colchoneros auf die drittbeste Abwehr der Liga bauen (28 Gegentore, 32,9 xGA, 97 Schüsse auf das eigene Tor zugelassen). Für einen Erfolg müssten die Rojiblancos allerdings noch eine ihrer Schwächen der aktuellen Saison abstellen: 19 Punkte haben die Madrilenen bereits nach Führung noch aus der Hand gegeben, nur Espanyol Barcelona (20) ließ noch einen Zähler mehr liegen (Real Oviedo ebenfalls 19). Ganz anders die Mannschaft von Hansi Flick: Barcelona holte nach Rückstand noch 18 Punkte – mehr als jedes andere Team in La Liga.