Bayerns Kimmich und Vinicius Jr. von Real Madrid im Zweikampf

Champions League Viertelfinale: Lässt Bayern gegen Real Madrid endlich wieder die „Bestia Negra“ raus?

Im Viertelfinale der UEFA Champions League trifft die Creme de la Creme des europäischen Spitzenfußballs aufeinander, nahezu jede Paarung verspricht einen absoluten Kracher. Während Paris St. Germain in der Neuauflage des letztjährigen Achtelfinals gegen den FC Liverpool dem Titelverteidiger-Fluch trotzen will, ist Bayern München zu Gast bei Real Madrid und will den Mythos um „La Besta Negra“ wieder aufleben lassen. Kann der deutsche Rekordmeister den Rekordchampion der Königsklasse in dessen eigenem Wohnzimmer bezwingen?

Real empfängt Bayern zum Duell der Europapokalgiganten

Es ist wohl das prestigeträchtigste Pokalduell der Welt: Bereits 28 Mal trafen Real Madrid und Bayern München im Europapokal aufeinander, kein anderes Spiel wurde in der Geschichte der großen europäischen Vereinswettbewerbe häufiger ausgetragen. Ganze 26 Duelle dieser beiden europäischen Schwergewichte waren K.o.-Duelle und nicht wenige davon legendär. So etablierte sich beispielsweise zwischen 2000 und 2013 der Ruf der „Bestia Negra“, also der „schwarzen Bestie“, den der FC Bayern innehatte, nachdem die Münchner neun von 14 Spielen gegen Real gewannen. Diese Erfolgsquote gegen den CL-Rekordsieger (15 Titel) sorgte in Madrid und ganz Spanien für eine Menge Respekt.

Ein wenig dürfte dieser Respekt in den letzten Jahren gebröckelt haben. Nicht nur, weil die Königlichen allein seit 2014 genauso viele CL-Titel holten wie der FC Bayern in seiner ganzen Vereinshistorie (6), sondern auch, weil das direkte Aufeinandertreffen zuletzt ausschließlich für Jubel auf Seiten Reals und schmerzhafte Niederlagen der Münchner sorgte. Tatsächlich konnte der deutsche Rekordmeister kein einziges der letzten neun Duelle gegen Real Madrid gewinnen (7 Niederlagen, 2 Unentschieden). Der letzte große Erfolg gegen den spanischen Rivalen liegt 14 Jahre zurück, im Halbfinale 2012 setzten sich Bastian Schweinsteiger und Co. im Elfmeterschießen durch und erfüllten sich den Traum vom „Finale dahoam“. 2014, 2017, 2018 und 2024 setzte sich dagegen viermal in Folge der spanische Rekordmeister durch – und krönte sich anschließend jeweils auch zum Champions-League-Sieger.

Entsprechend heiß sind die Bayern auf die Chance, den Negativlauf im Duell der beiden besten CL-Teams der Geschichte zu stoppen. Mit 309 (Real) und 248 (Bayern) haben die beiden Kontrahenten die meisten Siege der Königsklassengeschichte, ihre Siegquoten sind dabei nahezu identisch und ebenfalls die besten des Wettbewerbs: Die Madrilenen gewannen 60,23 Prozent ihrer Spiele (309 von 513), die Münchner 60,19 Prozent (248 von 412). Kein Team stand häufiger im Viertelfinale der UEFA Champions League als Bayern (24) und Real (22). Allerdings mit einer völlig unterschiedlichen Erfolgsquote: Während kein Team öfter ins Halbfinale einzog als die Madrilenen (17), schied kein Verein häufiger im Viertelfinale aus als die Münchner (10).

Macht Bayerns Super-Offensive den Unterschied?

Wollen die Bayern am Dienstagabend (Anstoß 21:00 Uhr) den Mythos von „La Bestia Negra“ wieder aufleben lassen und Madrid das Fürchten neu lehren, so wird es vor allem auf das Duell der Offensivreihen ankommen. Die Münchner haben bereits 32 Tore in 10 Spielen erzielt und damit schon jetzt mehr Treffer als in der Vorsaison (31 in 14). Nur 2019/20 (3,9) und 1972/73 (3,7) erzielten die Deutschen mehr Tore pro Partie. Einzig Paris St.-Germain hat im laufenden Wettbewerb mehr Treffer (34), doch der Titelverteidiger benötigte dafür zwei Spiele mehr.

Statistik-Vergleich zwischen Real Madrid und Bayern München.
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In nahezu allen Offensiv-Kategorien der Champions League ist der FC Bayern ganz vorne dabei: Sie haben den höchsten Expected-Goals-Wert (28,59), geben die drittmeisten Schüsse pro Spiel (18,9) ab, schießen am zweithäufigsten auf das Tor (8,2 pro Spiel), haben eine der besten Chancenverwertungsquoten (16,93 Prozent) und kreierten die meisten Großchancen (56) aller Teams. Doch auch Reals Offensive läuft wie geschmiert – sogar, wenn Top-Stürmer Kylian Mbappe fehlt. Der Franzose steuert 13 der insgesamt 29 Madrider Tore bei, konnte verletzungsbedingt an den letzten drei Spieltagen aber nur 21 Minuten absolvieren. Mit einem xG-Wert von 26,62 (Platz 3), 17,67 Schüssen pro Spiel (5), 6,92 Schüssen pro Spiel auf das Tor (6) und vier Großchancen pro 90 Minuten (4) gehört der Angriff der Königlichen dennoch ebenfalls zum obersten Regal.

Wirft PSG die nächsten Engländer raus?

Einen Tag später (21:00 Uhr) kommt es zur Neuauflage des Duells zwischen Paris St.-Germain und dem FC Liverpool. Die Franzosen setzten sich im Vorjahr im Achtelfinale im Elfmeterschießen durch, nachdem zuvor beide Teams einen 1:0-Auswärtssieg einfahren konnten. Für die Reds war Endstation, für PSG noch lange nicht genug – zum Leid aller Engländer. Denn auf dem Weg zum Titel 2025 fegten die Pariser auch noch über Aston Villa und den FC Arsenal hinweg. Doch auch damit war noch nicht Schluss! In der diesjährigen Zwischenrunde warf das Team von Trainer Luis Enrique mit dem FC Chelsea gleich den nächsten englischen Konkurrenten aus dem Wettbewerb. Viermal in Folge ging das Duell England gegen Paris somit an die Franzosen, die seit sechs CL-Spielen nicht gegen ein Premier-League-Team verloren haben (5 Siege, 1 Unentschieden) – ob es auf der Insel schon den Mythos vom „Black Beast“ gibt?

Titelverteidiger-Fluch in der Champions League?
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Auch hier ist ein torreiches Duell zu erwarten. PSG erzielte in den acht Spielen der Ligaphase bereits 21 Tore und legte in der K.o.-Runde gegen die AS Monaco (5:4) und Chelsea (8:2) nochmal 13 Treffer nach – ihre 34 erzielten Tore sind der Topwert des laufenden Wettbewerbs! Obwohl die Pariser (xG: 25,21) die meisten Treffer verzeichneten und zwei Spiele mehr absolvierten, hat Liverpool (24 Tore) aber den höheren xG-Wert (27,67 – Platz 2). Kein Team in der Königsklasse feuerte häufiger auf den Kasen als Liverpool (20,6 Schüsse, 8,5 auf das Tor)  und PSG (20,08 Schüsse pro Spiel, 7,5 auf das Tor). Ganze 5,5 Großchancen pro 90 Minuten kreierten die Reds und damit insgesamt nur eine weniger (55) als Bayern (Paris 3,9 pro Spiel). Gut möglich also, dass nun Ende ist für das „Black Beast“ und auch die Pariser der Titelverteidiger-Fluch ereilt: Vier der letzten fünf CL-Sieger schieden im Jahr darauf im Viertelfinale aus.