Die entscheidende Phase der UEFA Champions League steht vor der Tür! Die letzten vier verbliebenen Teams sind nur noch zwei Spiele vom Einzug ins Endspiel in der Puskás Aréna in Budapest entfernt. Während sich am Dienstagabend die beiden wohl spielstärksten Mannschaften der Welt zum direkten Duell in Paris treffen, könnte sich das zweite Halbfinale zwischen Atlético Madrid und dem FC Arsenal zu einer umkämpften Defensivschlacht entwickeln. Wer nimmt den ersten Schritt auf dem Weg ins Finale?
Paris St.-Germain: Horrorbilanz gegen Bayern
“We call it a Klassiker”, Franz Beckenbauers legendäre Umschreibung der innigen Rivalität zwischen Deutschland und England lässt sich langsam aber sicher auch auf das Duell zwischen Paris St.-Germain und Bayern München anwenden. Bereits 15 Mal trafen die beiden Teams in der Champions League aufeinander, davon neunmal alleine in den letzten neun Spielzeiten. Seit der Saison 2017/18 gab es nur die Paarung zwischen Real Madrid und Manchester City häufiger (13).
Die Bayern dürften dabei gute Erinnerungen an die Duelle mit den Franzosen haben. Schließlich haben die Münchner jedes ihrer letzten fünf Spiele gegen Paris in der Königsklasse gewonnen, darunter ein 2:1-Auswärtserfolg in der Ligaphase der aktuellen Saison. Gegen keine andere Mannschaft sammelte PSG so viele Pleiten in Folge (5) und insgesamt (9) ein. 60 Prozent ihrer Partien gegen den deutschen Rekordmeister haben die Pariser verloren (9 Niederlagen in 15 Spielen, 6 Siege) – ihre höchste Niederlagenquote im Wettbewerb (mindestens drei Spiele).
Und auch die CL-Bilanz von Bayern-Trainer Vincent Kompany gegen PSG fällt positiv aus. Beide seiner Spiele gegen die von Luis Enrique trainierten Franzosen konnte er gewinnen (1:0 im November 2024, 2:1 im November 2025). Sollten die Münchner auch am Dienstagabend siegen, wäre Kompany der Coach mit den meisten Siegen gegen Luis Enrique (3). Der Spanier wiederum würde mit einem Erfolg zum schnellsten Trainer aufsteigen, der 50 Siege in der Geschichte der Königsklasse erreicht (derzeit 49 Siege in 76 Spielen). Zudem weiß der 55-Jährige auch durchaus, wie man den FC Bayern schlägt. Im Viertelfinale der Klub-WM im vergangenen Sommer besiegt er mit PSG die Münchner mit 2:0.
Vorweggenommenes Finale in Paris
Für viele Experten ist das Halbfinalduell zwischen Paris und Bayern das Aufeinandertreffen der derzeit besten Teams Europas und somit das vorweggenommene Endspiel. Die Offensivabteilungen beider Mannschaften gehören zur absoluten Crème de la Crème des Weltfußballs. Der FC Bayern und PSG erzielten bislang die meisten Tore im laufenden Wettbewerb (jeweils 38) und kommen zugleich auf die höchsten Torschnitte pro Partie (Bayern mit 3,2 – Paris mit 2,7). Beide Teams sind die pressingstärksten der Champions League und teilen sich den Spitzenplatz bei Treffern nach hohen Ballgewinnen (jeweils 6). Paris presst darüber hinaus im mittleren Drittel des Spielfeldes intensiver (bei 58 Prozent der gegnerischen Ballkontakte) als jede andere Mannschaft im Wettbewerb. Kein anderes Team schießt zudem häufiger auf den gegnerischen Kasten als PSG (102) und Bayern (99).

Das jeweilige Metronom beider Klubs findet sich dabei im zentralen Mittelfeld wieder. Vitinha spielte in dieser CL-Saison bereits 1.370 erfolgreiche Pässe – schon vor Beginn des Halbfinals ist dies die höchste jemals verzeichnete Gesamtanzahl in einer Saison (seit Datenerfassung 2003/04). In acht verschiedenen Spielen verzeichnete er über 100 angekommene Zuspiele, dieser Wert wurde nur von Xavi Hernandez (9) in der Saison 2010/11 übertroffen. Bei den Bayern zieht wiederum Joshua Kimmich im Mittelfeld die Fäden und spielte in dieser CL-Saison die meisten linienbrechenden Pässe (19) aller Akteure.
Die genialen Momente von Vitinha, Kimmich und Co. werden anschließend in aller Regelmäßigkeit von Offensivkünstlern verwertet wie Khvicha Kvaratskhelia, der bereits an 13 Toren direkt beteiligt war (8 Tore, 5 Assists) und nur noch zwei Scorerpunkte von einem neuen PSG-Rekord (Ousmane Dembélé mit 14 in 2024/25) entfernt ist, oder Harry Kane, der in seinen letzten vier K.o.-Spielen immer netzte und bereits die meisten Tore (12) eines Engländers in einer Europapokal-Saison erzielte. Übrigens: Sollte Luis Díaz (6 Tore, 3 Assists) am Dienstag an einem Tor beteiligt sein, wäre es das erste Mal in der Bayern-Geschichte, dass drei Spieler in einer CL-Saison 10+ Scorer einsammeln (Kane mit 13 – Michael Olise mit 10).
Arsenal-Bollwerk zu Gast im Metropolitano
Weit weniger torreich könnte es im zweiten Halbfinale am Mittwochabend zugehen, schließlich reist der FC Arsenal mit der mit Abstand besten Defensive der Königsklasse zu Atlético Madrid ins Riyadh Air Metropolitano. Die Gunners kassierten in zwölf Spielen nur fünf Gegentore – kein anderes Team kommt in dieser Kategorie auf einen einstelligen Wert. Die zweitbeste noch im Wettbewerb verbliebene Abwehr stellt der FC Bayern mit 14 Gegentreffern. Arsenal führt die Champions League in nahezu allen Defensivstatistiken an – vom Expected-Goals-Against-Wert (8,54 xGA), über die zugelassenen Torschüsse (33) bis hin zu den Weißen Westen (8).
Dieser Fokus auf das eigene Ende des Spielfeldes geht jedoch teilweise zulasten der Offensivausbeute des Teams von Trainer Mikel Arteta. Im Viertelfinale erzielten die Gunners gegen Sporting nur einen Treffer in zwei Spielen und kommen im gesamten Wettbwerb „nur“ auf 2,25 Tore pro Spiel. Damit liegen sie teils deutlich hinter den anderen Halbfinalisten zurück (Bayern: 3,17 – PSG: 2,71 – Atletico: 2,43). In den vier K.o.-Spielen der Londoner fielen überhaupt nur fünf Treffer (4 erzielt, 1 kassiert), was einem Schnitt von 1,25 Toren pro Spiel entspricht. Für die Gunners jedoch eine erfolgsversprechende Formel, schließlich ist das Arteta-Team seit nunmehr 12 Partien in der Königsklasse ungeschlagen (10 Siege, 2 Niederlagen) – nur ein Spiel fehlt noch zur Einstellung ihrer längsten Serie ohne Niederlage im Europapokal (13 Spiele zwischen März 2005 und April 2006).

Atlético dürfte Arsenals Fokus auf eine sichere Abwehr durchaus recht sein. Das Team von Trainer Diego Simeone ist zwar für seine Defensivstärke berüchtigt, von dieser ist in der aktuellen CL-Saison aber nur wenig zu sehen. In den sechs K.o.-Spielen der Rojiblancos fielen 4,7 Treffer pro Partie, man kassierte elf und erzielte 17. Da man es aus dem laufenden Spiel im direkten Duell mit den Gunners in der Ligaphase (0:4) aber nur auf 0,32 xG brachte und lediglich einen Schuss auf das gegnerische Tor abgab, deutet vieles auf ein typisches, torarmes Arsenal-K.o.-Spiel hin.