Die Achtelfinals der UEFA Champions League gehen in die Rückrunde und in einigen Duellen scheint eine Entscheidung bereits gefallen. Können Atalanta (1:6 gegen Bayern), Chelsea (2:5 gegen Paris St.-Germain) oder Manchester City (0:3 gegen Real Madrid) ihre Rückstände nochmal umbiegen? Äußerst unwahrscheinlich, die höchste Chance gibt der Opta Supercomputer den Cityzens (16 Prozent für den Aufstieg ins Viertelfinale; Chelsea 7 Prozent, Atalanta unter 1 Prozent). Doch andernorts ist noch richtig Spannung garantiert: Barcelona baut im Camp Nou gegen Newcastle nur auf ein 1:1, Liverpool muss im eigenen Stadien ein 0:1 gegen Galatasaray biegen. Tottenham dagegen braucht ein Wunder – doch die Heimbilanz lässt Träume zu.
Barca: Im eigenen Stadion unüberwindbar
Den Auftakt am Mittwoch (Anstoß 18:45 Uhr) macht Newcastle United zu Gast beim FC Barcelona. Das Hinspiel war lange Zeit ein Duell auf Augenhöhe ohne große Highlights, bis die Engländer im zweiten Durchgang die Schlagzahl etwas erhöhten und den späten wie verdienten Führungstreffer erzielten. Eine Unachtsamkeit im eigenen Strafraum schenkte den Spaniern allerdings mit der letzten Aktion noch einen Strafstoß – Ausgleich Lamine Yamal, Vorteil Barcelona! Es war das zwölfte Mal, dass ein englisches Team es nicht schaffte, die Katalanen im Hinspiel zu bezwingen, nur dreimal gelang im Rückspiel noch die Wende. Auch die Magpies werden wohl eher die Segel streichen müssen.

Denn im Camp Nou sind die Blaugrana in der Königsklasse kaum zu überwinden. Wenn sie im Hinspiel auswärts ungeschlagen blieben, gelang in jeder ihrer letzten zehn K.o.-Runden-Duelle auch der Aufstieg. Letzmals nicht für die nächste Runde qualifizieren konnte sich Barcelona in der Saison 2002/03 im Viertelfinale gegen Juventus Turin (1:1 auswärts, 1:2 zu Hause). In jedem der jüngsten 16 Heimspiele in der Champions League hat das Team von Trainer Hansi Flick zudem getroffen und dabei insgesamt 50 Tore erzielt (3,1 pro Spiel). Die letzten drei Heimspiele wurden sogar mit einem Gesamtergebnis von 12:3 gewonnen.
Profitiert Liverpool von Galatasarays Auswärtsschwäche?
Zweimal trafen Galatasaray und der FC Liverpool in der aktuellen CL-Saison bereits aufeinander – beide Spiele fanden in Istanbul statt und beide Spiele wurden von den Türken jeweils mit 1:0 gewonnen. Avanciert Galatasaray somit zum Angstgegner der Reds, zumal die Löwen nunmehr die letzten drei direkten Duelle mit Liverpool allesamt für sich entschieden?
Wohl eher nicht, sind diese Erfolge doch vielmehr Nachweis über die Heimstärke der Türken. Drei der fünf Heimspiele in der laufenden CL-Saison hat Galatasaray gewonnen (1 Unentschieden, 1 Niederlage). Zuletzt legte man auch in den Playoffs mit einem 5:2-Heimsieg gegen Juventus den Grundstein für den Einzug ins Achtelfinale. Die Heimstärke erzählt jedoch nur die halbe Wahrheit. Schließlich verspielte man anschließend in Turin nach einem zwischenzeitlichen 0:3-Rückstand den Aufstieg fast noch und benötigte sogar die Verlängerung (2:3 n.V.), obwohl man ab der 49. Minute in Überzahl agierte.
20 seiner letzten 25 CL-Auswärtsspiele hat Galatasaray verloren (2 Siege, 3 Unentschieden) und vier der insgesamt fünf Auswärtspartien in der K.o.-Phase – der bislang einzige Erfolg in der Fremde gelang vor 13 Jahren im März 2013 gegen den FC Schalke (3:2). Auf englischem Boden gewannen die Löwen wettbewerbsübergreifend gerade einmal eine ihrer zwölf Partien (3 Unentschieden, 8 Niederlagen).
Wenngleich Liverpool seine PS in der aktuellen Saison noch nicht so richtig auf die Straße bringt, konnten sie in der aktuellen CL-Saison immerhin drei ihrer vier Heimspiele gewinnen (1 Niederlage) und erzielten in Anfield insgesamt elf Tore (2,75 pro Spiel). Es ist somit äußerst fraglich, ob den Türken der knappe Vorsprung aus dem Hinspiel zum Einzug ins Viertelfinale reichen wird.
Gelingt den Krisen-Spurs dank der Heimstärke das Wunder?
Etwas mehr als 300 Kilometer südöstlich von Liverpool benötigt Tottenham Hotspur im Heimspiel gegen Atletico Madrid eine noch viel furiosere Aufholjagd als die Reds. Schließlich müssen die Lilywhites einen 2:5-Rückstand aufholen, nachdem ihr Torwart Antonin Kinsky im Hinspiel einen denkwürdigen Abend inklusive Auswechslung nach 17 Minuten erlebte. Der Opta Supercomputer gibt den Engländern nur noch eine dreiprozentige Chance auf den Aufstieg. Zyniker würden den Spurs-Fans wohl raten, am Mittwochabend (21:00 Uhr) lieber eine Wiederholung des Endspiels des Europapokals der Pokalsieger 1962/63 zu schauen. Damals feierten sie einen 5:1-Sieg gegen Atletico und gewannen als erste britische Mannschaft einen europäischen Vereinswettbewerb. Ein Ergebnis, das auch dieses Mal für großen Jubel in Nordlondon sorgen würde.

Doch lohnt es sich denn zu träumen als Fan der krisengebeutelten Spurs (nur Platz 16 in der Premier League, einen Punkt vor den Abstiegsrängen)? Durchaus! Denn wenn es eine Sache gibt, die Tottenham in der laufenden Spielzeit bereits nachgewiesen hat, dann dass sie in der Königsklasse im eigenen Stadion für magische Nächste sorgen können. Alle vier Heimspiele in der Ligaphase haben die Londoner für sich entschieden und dabei kein einziges Gegentor zugelassen (10:0 Tore). Sollten die Lilywhites mit Stammkeeper Guglielmo Vicario ihren Schnitt beibehalten (2,5 Tore pro Heimspiel, kein Gegentor), könnte das Wunder tatsächlich möglich sein! Vor allem, da Atletico auf der Insel ein gern gesehener Gegner ist – die Madrilenen haben fünf ihrer letzten sechs Gastspiele in England verloren (1 Sieg).