Im Finale der UEFA Conference League 2026 trifft Oliver Glasner mit Crystal Palace auf Rayo Vallecano. Der Salzburger könnte am Mittwochabend (21:00 Uhr) mit den Londonern seinen dritten Titelgewinn nach dem FA Cup und FA Community Shield 2025 feiern – und den Eagles zum Abschied den ersten internationalen Triumph der Vereinsgeschichte bescheren, bevor er im Sommer eine neue Herausforderung annehmen möchte. Während Crystal Palace in der Premier League nach schwacher Saison dem Abstiegskampf nur knapp entkommen ist und für eine Rückkehr nach Europa das Endspiel zwingend gewinnen muss, wollen die Spanier den Rückenwind aus neun ungeschlagenen Pflichtspielen mit nach Leipzig nehmen.
Debütantenball in Leipzig
Es gleicht schon fast ein wenig einem Fußballmärchen: Mit dem überraschenden Titelgewinn im FA Cup 2025 gegen Top-Team Manchester City holte Glasner nicht nur den ersten großen Erfolg in den Selhurst Park, sondern sorgte zugleich als Pokalsieger auch für die erste Qualifikation der Eagles auf europäischer Bühne. Und direkt im ersten Anlauf gelang in der Conference League sogar der Durchmarsch bis ins Finale – Crystal Palace ist damit die erste Mannschaft seit Deportivo Alavés 2000/01 im UEFA Cup (4:5 gegen den FC Liverpool), die in ihrer Debütsaison ein großes europäisches Endspiel erreicht hat. Glasner und die Eagles sind nur noch einen Sieg davon entfernt, das erste Team seit dem KV Mechelen (1987/88 im Pokal der Pokalsieger) zu werden, das in seiner ersten Europapokalsaison direkt einen Titel holt.

Die Spanier auf der anderen Seite qualifizierten sich in der vergangenen Spielzeit über die Liga (Platz 8) für die Conference League und spielen selbst erst ihre zweite europäische Saison. Den ersten Anlauf auf internationaler Bühne nahmen die Franjirrojos (die „Rotgestreiften“) 2000/01 im UEFA Cup, wo sie erst im Viertelfinale gegen Deportivo Alavés unterlagen (2:4). Zusammen kommen das Team aus Vallecas und Glasners Eagles somit erst auf 38 europäische Spiele – die niedrigste Anzahl zweier Finalisten seit dem Endspiel zwischen West Ham United und dem TSV 1860 München (zusammen 19) im Pokal der Pokalsieger 1964/65.
Glasner auf den Spuren von Ernst Happel
Während Vallecano jedoch auch an der Seitenlinie mit viel Unerfahrenheit nach Leipzig reist – mit 38 Jahren und 129 Tagen ist Iñigo Pérez am Finaltag der jüngste spanische Trainer in einem europäischen Endspiel seit Pep Guardiola in der Champions League 2009 -, steht Glasner vor seinem zweiten großen europäischen Finale. 2022 führte der inzwischen 51-Jährige Eintracht Frankfurt zum Europa-League-Titel gegen die Rangers (5:4 i.E.) und schaltete auf dem Weg dorthin mit Real Betis (3:2 im Achtelfinale) und dem FC Barcelona (4:3 im Viertelfinale) zwei spanische Teams aus. Glasner ist nach Ernst Happel erst der zweite Österreicher, der in mehr als einem europäischen Finale als Trainer an der Seitenlinie steht. Happel erreichte insgesamt fünf Endspiele und gewann zwei davon.

Glasners Team ging in dieser Conference-League-Saison in acht seiner 14 Spiele als Sieger vom Platz, derart viele Erfolge feierte noch kein Team zuvor in seiner ersten großen Europapokalsaison. Zudem erzielten nur drei Mannschaften in ihrer Debütsaison mehr Tore als Palace (25): Deportivo Alavés 2000/01 (35), der FC Valencia 1961/62 (33) und die Queens Park Rangers 1976/77 (26). Die Offensive war über die Saison hinweg ohnehin ein wichtiger Faktor für die Eagles, immerhin erzielten sie nicht nur die meisten Treffer im Wettbewerb, sie kommen auch auf den höchsten Expected-Goals-Wert aller Teams (31,34 xG), die meisten Touches im gegnerischen Sechzehner (440), sie gaben die meisten Schüsse (219) und Torschüsse (77) ab und kreierten darüber hinaus die meisten Großchancen (48).
Defense wins Championships?
Obwohl auch Vallecano über eine durchaus potente Offensive verfügt, die Franjirrojos erzielten immerhin 22 Treffer im Wettbewerb und verfügen mit 1,83 sogar über den besseren Toreschnitt pro Spiel als Palace (1,79), dürfte in Leipzig ein defensiv geprägtes Endspiel wahrscheinlicher sein. Die Glasner-Elf (0,82) und Vallecano (0,98) gehören nämlich zu den fünf Teams im Wettbewerb, die im Schnitt weniger als 1,0 xG zulassen. Die Eagles gewähren ihrem Gegner die wenigsten Abschlüsse pro Partie (8,4) sowie die wenigsten Schüsse aufs Tor pro Spiel (2,6).

Die beiden Mannschaften spielen außerdem mit einer gewissen Härte und kommen mit 270 (Palace) und 240 Tacklings (Vallecano) auf die meisten aller Teams. Der Wert der Engländer ist dabei sogar der höchste, den jemals eine Mannschaft in einer Conference-League-Saison erreicht hat. Die Palace-Verteidiger Tyrick Mitchell (36) und Daniel Muñoz (33) setzen zu mehr Tacklings an als alle anderen Spieler in der Conference League. So verwundert es auch wenig, dass das Glasner-Team auf dem Weg ins Endspiel im Schnitt nur 0,86 Gegentore pro Spiel kassiert hat, bei Vallecano ist es ebenfalls nur eines pro Partie. Bei den Spaniern ragt defensiv dabei Florian Lejeune heraus, der 34-jährige Franzose führt in dieser Saison sowohl die Statistik der geklärten Bälle per Kopf (37) als auch jene der Interceptions (30) an. Zudem liegt er mit 66 Klärungsaktionen auf Rang zwei.
Palace und Vallecano hielten ihren Kasten in der Conference League je fünfmal sauber, nur vier anderen Teams gelang dies häufiger. Es spricht am Mittwochabend somit vieles dafür, dass sich am Ende die Mannschaft mit der stabileren Defensive durchsetzen wird.