Kane (Bayern) und Andrich (Leverkusen) im Zweikampf.

DFB-Pokal-Halbfinale: Die Bayern in Leverkusen und ein brisantes Südwest-Derby

Da waren es nur noch vier! Der DFB-Pokal geht in die entscheidende Phase der Saison und hat im Halbfinale zwei ganz besondere Fußball-Leckerbissen zu bieten. Am Mittwoch (20:45 Uhr) empfängt Bayer Leverkusen den FC Bayern München zum Duell der Deutschen Meister der vergangenen drei Jahre. Einen Tag später (20:45 Uhr) streiten sich der VfB Stuttgart und der SC Freiburg im Südwest-Derby um den zweiten Platz im Endspiel. Welche beiden Teams setzen sich durch und dürfen am 23. Mai um den Pokalsieg im Berliner Olympiastadion kämpfen?

Kann Leverkusen die Bayern-Offensive stoppen?

Für den FC Bayern dürfte die Begegnung gegen Bayer Leverkusen einen ganz besonderen Stellenwert haben. Schließlich warten die Münchner seit nunmehr fast sechs Jahren auf einen Finaleinzug im DFB-Pokal. Letztmals erreichten sie das Endspiel in Berlin am 4. Juli 2020. Der Gegner damals? Richtig, Bayer Leverkusen! Mit 4:2 setzt sich der Rekordmeister (35 Titel) und –Pokalsieger (20) gegen die damals noch von Peter Bosz trainierte Werkself durch. Es sollte der bislang letzte Pokal-Triumph der Bayern im Olympiastadion gewesen sein.

Geht es nach den FCB-Fans, soll diese Dürreperiode in dieser Saison endlich enden. Und die Chancen auf den Finaleinzug stehen durchaus gut. Dabei waren die Leverkusener vornehmlich unter dem ehemaligen Trainer Xabi Alonso bis vor Kurzem noch so etwas wie Bayerns Angstgegner. Mit dem Spanier an der Seitenlinie verlor man keines der fünf Bundesliga-Duelle gegen die Münchner (2 Siege, 3 Unentschieden) und eliminierte das Team von Trainer Vincent Kompany in der Vorsaison im Pokal-Achtelfinale (1:0).

In zwei Spielzeiten in Folge schied Bayern jedoch noch nie gegen den gleichen Verein im Pokal aus. Und auch drei der letzten vier direkten Duelle mit Bayer entschieden die Münchner zuletzt ohne Gegentor wieder für sich – im Champions-League-Achtelfinale der vergangenen Saison siegte der FCB mit 3:0 und 2:0 und gewann auch in der aktuellen Spielzeit in der BL-Hinrunde mit 3:0. Nur das Rückspiel Mitte März endete mit einem 1:1-Unentschieden.

Bayerns Offensive ist historisch stark in dieser Saison - 3,63 Tore pro Spiel!
Credit: Getty Images

Die Bayern zeigten sich gegen die Werkself zuletzt also durchaus in Torlaune (+8 Treffer in den letzten vier Spielen) – und die historisch starke Münchner Offensive dürfte Leverkusen auch im Pokal-Halbfinale zu schaffen machen. Erzielten die Süddeutschen im Pokal abgesehen vom Viertelfinalspiel gegen Leipzig (2:0) immer mindestens drei Tore, nehmen sie ihre Gegner in der Bundesliga reihenweise auseinander. 109 Tore (47 mehr als das zweitbeste Team), 91,4 xG, 0,16 xG pro Schuss, 583 Schüsse, 260 Torschüsse, 119 kreierte Großchancen, 1222 Touches im gegnerischen Strafraum, eine Chancenverwertung von 18,7 Prozent – der Rekordmeister führt die Liga in allen erdenklichen Offensiv-Statistiken meilenweit an.

Einen Shootout mit dem Team von Trainer Vincent Kompany dürfte Bayer somit wohl kaum gewinnen. Nicht einmal Real Madrid gelang dies vor einer Woche im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals, in dem die Königlichen dreimal in Führung gingen, am Ende aber doch mit 3:4 verloren. Doch ist Leverkusens Defensive stark genug, um Bayerns Angriff in Schach zu halten? In vier Pokalspielen blieb die Werkself zwar dreimal ohne Gegentreffer, in der Bundesliga kassiert sie jedoch 1,37 Tore (Bayern: 0,97), kommt auf einen Expected-Goals-Against-Wert von 1,24 pro Spiel und lässt pro Partie 11,9 Schüsse, 4,67 Torschüsse und 21,9 Touches im eigenen Sechzehner zu. Solide bis gute Statistiken im Ligavergleich, jedoch wohl nicht stark genug, um die Bayern, die auf nationaler Ebene auswärts seit 27 Spielen ungeschlagen sind (21 Siege, 6 Unentschieden), vom Finaleinzug abzuhalten.

Ausgeglichenes Südwest-Derby in Stuttgart

Während im ersten DFB-Pokal-Halbfinale vieles für den FC Bayern spricht, könnte das Duell zwischen dem VfB Stuttgart und dem SC Freiburg ein wahrer Nervenkrimi werden. In den vergangenen acht direkten Duellen dieser beiden Mannschaften gingen nämlich viermal die Schwaben und viermal die Breisgauer als Sieger vom Platz. Eine Punkteteilung gab es zuletzt vor über sieben Jahren im Februar 2019 (2:2).

Die direkten Duelle im Pokal sprechen wiederum eine deutlichere Sprache: Der VfB setzte sich in vier der fünf Partien gegen Freiburg durch, zuletzt in der 2. Runde 2020/21 mit 1:0 zu Hause (23. Dezember 2020). Während die Schwaben als vierfacher Pokalsieger und amtierender Titelträger in das Derby gehen, steht der SCF erst zum vierten Mal überhaupt in der Vorschlussrunde. Nur einmal schaffte man letztlich auch den Sprung ins Finale, in dem man denkbar knapp an RB Leipzig scheiterte (2021/22, 3:5 i.E.). Der VfB steht dagegen im zweiten Jahr in Folge im Halbfinale des DFB-Pokals und zum dritten Mal unter Trainer Sebastian Hoeneß (2023, 2025, 2026) – Vereinsbestwert seit Bundesliga-Gründung 1963. Auch die zehn Pokalrunden in Folge, die die Schwaben zuletzt erfolgreich überstanden, sind eingestellter Vereinsrekord!

19 Pokalpartien in Folge mindestens einen Treffer gelandet - Stuttgarter Vereinsrekord!
Credit: Getty Images

Am Donnerstagabend könnten dennoch Nuancen über den Ausgang des Spiels entscheiden, schließlich kam der SCF bei 13 seiner letzten 14 Auswärtspartien im DFB-Pokal weiter – nur 2024/25 setzte es im Achtelfinale bei Arminia Bielefeld eine 1:3-Niederlage. Das Hoeneß-Team wiederum gewann zuletzt auf nationaler Ebene fünf seiner sechs Heimspiele in der MHP Arena. Wer das Südwest-Derby also für sich entscheiden wird, lässt sich nur schwer vorhersagen. Dass wir aber womöglich ein torreiches Halbfinale zu sehen bekommen, ist durchaus wahrscheinlich. Die starke Stuttgarter Offensive hat in der Bundesliga bereits 62 Treffer (Platz 2) bei 182 Torschüssen (Platz 2) erzielt und dabei die viertmeisten Großchancen kreiert (71). Zudem trafen die Schwaben in jeder der vergangenen 19 Partien im DFB-Pokal. Und die Freiburger? Die Elf von Julian Schuster erzielte sogar in 20 aufeinanderfolgenden Pokalspielen immer mindestens einen Treffer – für beide Teams ist das jeweils laufender Vereinsrekord. Seit Beginn der Vorsaison erzielte der VfB zudem in zehn Pokalpartien 29 Tore – Bestwert aller Teams im Wettbewerb!