Bayern Luis Diaz durchbricht Dortmunds Phalanx.

Spitzentreffen in der Bundesliga: Kann die Gelbe Wand der Bayerischen Dampfwalze standhalten?

Am 24. Spieltag kommt es beim sogenannten „Klassiker“ zwischen Borussia Dortmund und Bayern München nicht nur zum größten und prestigeträchtigsten Duell in der deutschen Bundesliga, sondern auch zu einem womöglich vorentscheidenden Aufeinandertreffen im Meisterschaftskampf. Nur, wenn der BVB die drei Punkte im Signal Iduna Park behalten kann, kommt noch einmal Spannung an der Tabellenspitze auf. Andernfalls wäre der FCB bei mindestens acht Punkten Vorsprung dann wohl uneinholbar enteilt. Kann Schwarz-Gelb trotz der schlechten Vorzeichen noch einmal neue Hoffnung schöpfen?

Dortmund unter Druck, Bayern vor Titelverteidigung

Zum 139. Mal seit Bundesliga-Gründung kommt es am Samstagabend (18:30 Uhr) zum Duell zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern, keine andere Partie wurde im deutschen Profifußball so häufig ausgetragen. Und immerhin ein gutes Omen gibt es für die Borussia: Gegen kein anderes Team kassierten die Münchner so viele Niederlagen im Profifußball wie gegen den BVB (33)! Doch dann kommt schon das Aber: Auswärts in Dortmund blieb der FCB zuletzt sieben Pflichtspiele in Folge unbesiegt (5 Siege, 2 Unentschieden), bei einem achten „Klassiker“ in Serie ohne Dortmunder Heimsieg würde der Rückstand von Schwarz-Gelb bei mindestens acht Punkten bleiben, bei einem Auswärtssieg könnte Bayern wohl schon den Sekt kalt stellen.

Allerdings wird auch für die Bayern ein Erfolg in Dortmund ein hartes Stück Arbeit. Schließlich ist der BVB als einziger Verein in dieser Bundesliga-Saison zu Hause noch unbesiegt (9 Siege, 2 Unentschieden). Überhaupt erlebt die Borussia mit 52 Punkten nach 23 Partien ihre beste Spielzeit seit 2018/19, als es sogar 54 Zähler zum Vergleichszeitpunkt waren. Seit 16 Ligaspielen ist Dortmund aktuell ungeschlagen (11 Siege, 5 Unentschieden), die längste laufende Serie in den Top-5-Ligen Europas! Nur eins der letzten 31 Ligaspiele (22 Siege, 8 Unentschieden) verlor der BVB – mit 1:2 beim FC Bayern München in der Hinrunde. Ein schlechtes Omen?

Rekordverdächtiger Harry Kane - 28 Tore in 23 Spieltagen!
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In jedem Fall sind der Rekordmeister und sein diesjähriger Herausforderer die einzigen beiden Teams in den Top-5-Ligen Europas, die in 2025/26 erst eine einzige Liga-Niederlage kassiert haben. Und: Sowohl Dortmund als auch der FC Bayern trafen bislang in jedem Ligaspiel der laufenden Saison mindestens einmal ins gegnerische Netz – das gelang in den Top-5-Ligen Europas sonst nur dem FC Barcelona. Für den BVB ist dies sogar eingestellter Vereinsrekord: Nur 1995/96 erzielten die Westfalen ebenfalls in jedem der ersten 23 Bundesliga-Saisonspiele mindestens ein Tor. Ehe ein 0:1 gegen den FC Bayern die Serie beendete …

Kontrollierte Offensive gegen müde Beine? Bayern im doppelten Vorteil

Ob die Torserie der Dortmunder auch dieses Mal gegen die Bayern reißt? Die Münchner spielen ihrerseits ebenfalls eine ihrer besten Bundesliga-Runden, holten 60 Punkte in den ersten 23 Ligaspielen dieser Saison – nur 2013/14 (65) und 2015/16 (62) hatten sie zum Vergleichszeitpunkt noch mehr Punkte auf dem Konto. Auswärts ist der deutsche Rekordmeister saisonübergreifend seit 20 Ligaspielen ohne Niederlage (15 Siege, 5 Unentschieden) – nur von 1985 bis 1987 (26 Spiele) und von 2012 bis 2014 (33) hatten die Münchner auf fremden Plätzen längere Ungeschlagen-Serien in der Bundesliga.

Dazu stellt der Titelverteidiger mit 21 Gegentoren die beste Defensive in dieser Bundesliga-Saison, auch die 23,74 Expected Goals Against kann kein anderer Bundesligist unterbieten. Das Team von Trainer Vincent Kompany ließ in dieser Saison zudem die wenigsten gegnerischen Schüsse (9,8) und Schüsse auf das Tor (2,5) pro Ligaspiel zu und hielt seine Weste am zweithäufigsten sauber (9) – nur der BVB (11) absolvierte mehr Ligaspiele ohne Gegentor. Mit 22 Gegentoren weist Schwarz-Gelb immerhin die zweitwenigsten der Liga auf (25,85 xGA, Platz 3 hinter Bayer Leverkusen) und ließ die zweitwenigsten gegnerischen Schüsse (10,8) und Torschüsse (3,5) pro Ligaspiel zu. Nicht unwahrscheinlich also, dass die Fans im Signal Iduna Park eine torarme Partie erwartet, obwohl mit Bayern (85 Tore, 68,72 xG) und Dortmund (49/41,06) auch die beiden besten Angriffsreihen der Bundesliga aufeinandertreffen.

Opta Vergleich: Dortmund hat noch kein Heimspiel verloren und die Bayern haben die beste Defensive der Liga.
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Doch gerade beim Team von Trainer Niko Kovac stehen die Vorzeichen nicht gerade auf Offensivspektakel. Die Westfalen kommen aus der zweiten Englischen Woche in Folge (während Bayern zweimal unter der Woche spielfrei hatte), hatten zuletzt zwei anstrengende Auswärtsreisen (2:2 nach 0:2 in Leipzig und das CL-Playoff-Rückspiel in Bergamo am Mittwochabend) und müssen im Spitzenspiel ausgerechnet auf den gelbgesperrten Julian Ryerson verzichten. Der Norweger verzeichnete in dieser Saison bereits 11 Assists und 15 aufgelegte Großchancen in der Bundesliga – Top-Werte, die einzig von Bayern Münchens Michael Olise (16 Assists und 22 Großchancen) überboten werden. Der FCB dagegen kommt ausgeruht und mit dem wiedergenesenen Konrad Laimer in den Signal Iduna Park und kann dort aufgrund der beruhigenden Tabellenführung auf kontrollierte Offensive setzen. Schaffen sie es so, eigene Fehler wie zuletzt beim zweiten Gegentor gegen Eintracht Frankfurt (3:2) abzustellen, die bereits zu acht Gegentreffern führten, wird es für die Borussia umso schwieriger.