Drei Fußballspieler in weißen Trikots mit roten Nummern und ein Torwart in gelbem Trikot stehen auf einem Fußballfeld. Einer der Feldspieler beugt sich nach vorne und hält sich das rechte Bein. Im Hintergrund sind Zuschauer auf den Tribünen zu sehen.

Spiel um Platz 3: Frankreich und England kämpfen um versöhnlichen Abschied

Bevor am Sonntagabend der Weltmeister 2026 im New York New Jersey Stadium in East Rutherford gekürt wird, kommt es einen Tag zuvor um 23 Uhr MESZ zum Spiel um Platz 3 zwischen Frankreich und England. Es ist das Duell der Enttäuschten, schließlich sind beide Teams mit Titelhoffnungen in die USA, nach Kanada und Mexiko gereist. Während die Franzosen ihr drittes WM-Finale in Folge erreichen wollten und Didier Deschamps seine Karriere als Trainer der Équipe Tricolore mit dem zweiten WM-Titel nach 2018 abzuschließen hoffte, ging es für England darum, den „60 years of hurt“ ein Ende zu setzen und nach dem WM-Triumph 1966 endlich wieder eine Trophäe ins Mutterland des Fußballs zu bringen. Auch wenn dieser Traum für beide Mannschaften nun ausgeträumt ist, gibt ihnen das 103. und vorletzte Spiel dieser Rekord-WM immerhin noch die Möglichkeit, das Turnier mit einem Positiverlebnis und der Bronzemedaille zu verlassen.

Frankreich Favorit bei Deschamps-Abschiedsvorstellung

Für viele Fans, Experten und auch den Datenanbieter Opta gehörten Frankreich und England vor Turnierstart zu den absoluten Topfavoriten. Der Opta Supercomputer errechnete für die Équipe Tricolore eine 13-prozentige (Platz 2) und die Three Lions eine 11,2-prozentige Chance (Platz 3) auf den Titelgewinn. Nur Spanien wurde mit 16,1 Prozent noch höher eingeschätzt. Ausgerechnet die Iberer beendeten auch alle Titelträume Frankreichs, indem sie der hochgelobter Offensive um Kylian Mbappé, Michael Olise und Ousmane Dembélé im Halbfinale (0:2) auf eindrucksvolle Art und Weise den Zahn zogen. Die Franzosen kamen gegen Spanien nur auf einen Expected-Goals-Wert von 0,31 xG – der niedrigste jemals erfasste Wert des Teams in einem WM-Spiel seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 1966!

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England wiederum hielt in seinem Halbfinale gegen Argentinien (1:2) deutlich besser dagegen, erzielte in der 55. Minute in Person von Anthony Gordon sogar den Führungstreffer. Anschließend fand das Team von Trainer Thomas Tuchel offensiv aber überhaupt nicht mehr statt und kam in den 30 Minuten, in denen sie in Führung lagen, lediglich auf zwölf Prozent Ballbesitz. Es war der niedrigste Wert eines Teams mit einer Führung in einer WM-Partie über einen Zeitraum von mindestens zehn Minuten in den vergangenen 60 Jahren.

Am Samstagabend duellieren sich die beiden frustrierten Teams nun im Spiel um Platz 3 im Hard Rock Stadium in Miami. Es wird das vierte Aufeinandertreffen zwischen den Frazosen und den Engländern bei einer Weltmeisterschaft sein. Die Three Lions gewannen die ersten beiden Duelle (2:0 bei der WM 1966 und 3:1 bei der WM 1982), ehe sich das Deschamps-Team vor vier Jahren im Viertelfinale mit 2:1 durchsetzte. Überhaupt spricht die jüngere Bilanz dieses Duells eine deutliche Sprache: Die Three Lions konnten lediglich eines ihrer letzten neun Spiele gegen Frankreich gewinnen (2 Unentschieden, 6 Niederlagen) – ein 2:0 in einem Freundschaftsspiel im November 2015. In Pflichtspielen wartet England seit dem 3:1 bei der WM 1982 auf einen Sieg, in den seither vier Duellen gab es zwei Unentschieden und zwei Niederlagen.

Zudem haben die Engländer bislang ihre beiden Spiele um Platz 3 bei Weltmeisterschaften verloren. 1990 unterlagen sie Italien mit 1:2, vor acht Jahren hatten sie gegen Belgien das Nachsehen (0:2). Nur Uruguay ging noch häufiger als Verlierer aus einem Spiel um Platz 3 (3 Niederlagen). Für die Franzosen ist es dagegen bereits das vierte „kleine Finale“, sie gewannen zwei ihrer bisherigen drei Partien – 1958 mit 6:3 gegen Deutschland und 1986 mit 4:2 n.V. gegen Belgien. Es war das einzige Spiel um Platz 3, das nicht in der regulären Spielzeit entschieden wurde.

Offensivspektakel in Miami?

Der große Traum vom Weltmeistertitel ist geplatzt, im Spiel um Platz 3 haben die Teilnehmer an dieser Partie somit nichts mehr zu verlieren. Das verdeutlichen auch die Ergebnisse der letzten zwölf Spiele dieser Kategorie. Seit dem 1:0-Sieg der Polen bei der WM 1974 fielen in elf von zwölf Fällen immer mindestens drei Treffer. Insgesamt waren es 46 Tore, was 3,83 Treffer pro Spiel entsprechen. Viele Tore sollten demnach auch am Samstag in Miami fast garantiert sein, verfügen die beiden Kontrahenten doch über äußerst potente Offensiven.

Die Franzosen erzielten bislang 16 Treffer, die zweitmeisten im Turnier nach Argentinien (19). Bei den Expected Goals (14,65 xG), den Schüssen (120, wie Spanien) und Torschüssen (50) führen Les Bleus das Teilnehmerfeld sogar an. Mit Mbappé, dem zusammen mit Lionel Messi Führenden der Torschützenliste (8 Tore, 3 Vorlagen), Dembélé (5 Tore, 2 Vorlagen) und Olise (5 Vorlagen) verfügt die Équipe Tricolore über mehr Offensivpower als jede andere Nation. Letztgenannter führt die Assist-Rangliste der WM an und bereitete alle fünf Treffer aus dem laufenden Spiel heraus vor. Zudem liegt Olise mit 2,46 Expected Assists (xA) auf Rang 2 (hinter Messi – 4,12). Seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 1966 hat bei einer WM-Endrunde lediglich Pelé mehr Assists geliefert (6 bei der WM 1970). Kein Spieler verbuchte in diesem Zeitraum jedoch sechs Vorlagen aus dem laufenden Spiel.

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Bei den Engländern wiederum stechen Harry Kane und Jude Bellingham hervor. Beide Offensivkräfte erzielten bislang je sechs Treffer und eine Vorlage. Noch nie traf ein englischer Spieler häufiger bei einer WM-Endrunde. Mit insgesamt 14 Treffern (Platz 3, wie Belgien), 42 Torschüssen (Platz 3, wie Spanien) und den meisten kreierten Großchancen des gesamten Turniers (19) gehört auch der englische Angriff zur Crème de la Crème des Weltfußballs. Wenngleich der sportliche Reiz fehlt, sollte es an Toren im Spiel um Platz 3 der WM 2026 ganz sicher nicht mangeln!