Lautstarke Unterstützung: PSG Ultras zünden Bengalos und machen Krach.

Erstes Stadtderby nach 47 Jahren! PSG bereit für die Machtdemonstration

Frankreich hat endlich wieder ein Hauptstadt-Derby! Titelverteidiger Paris Saint -Germain ist der haushohe Favorit gegen den Nachbarn Paris FC. Der Liga-Neuling ist inzwischen wie das etablierte PSG stinkreich und hat große Ambitionen. Sportlich dürfte dieses Aufeinandertreffen dennoch zum Einbahnstraßenfußball werden. Beim Aufsteiger gibt es nämlich noch viel Luft nach oben.

Der steinige Weg des Paris FC

Auf eine lange Geschichte oder gar Tradition kann der Paris FC nicht zurückblicken. Gegründet wurde der Verein erst 1969 mit dem Ziel, Frankreichs Hauptstadt wieder prominent in der höchsten Spielklasse zu etablieren. Doch so richtig sollte das Vorhaben vom Start weg nicht funktionieren, im ersten Jahr konnte der PFC nicht einmal eine Mannschaft stellen. Es folgte eine Fusion mit Stade 1904 Saint-Germain-en-Laye, woraus sich später das heute wesentlich bekanntere Paris Saint-Germain neugründete. Und während PSG zu Beginn der 1980er Jahre mit dem zweifachen Gewinn des französischen Pokals sowie der Meisterschaft 1985/86 seine ersten sportlichen Erfolge feierte, spielte der Paris FC 1978/79 das letzte Mal erstklassig und kämpfte fortan sowohl um sportliche Relevanz als auch um eine eigene Identität – es folgten in den 80er und 90er Jahren noch weitere Fusionen, Neugründungen und Namensänderungen – und um ein festes Zuhause, nachdem der Verein im Prinzenpark nach dem Abstieg keine Spiele mehr austragen durfte. Zeitweise musste der PFC sogar ins 170 Kilometer entfernte Troyes ausweichen.

Einen ersten Grundstein für die erfolgreiche Gegenwart legte der Paris FC erst im Sommer 2017, als die Fusion mit dem Frauenfußballverein Juvisy FCF offiziell vollzogen wurde. In derselben Saison etablierte sich der PFC – auch dank des Lizenzentzugs des SC Bastia – in der zweitklassigen Ligue 2. Den wesentlich größeren Meilenstein setzte der Verein dann sieben Jahre später, als mit Bernard Arnault einer der reichsten Menschen der Welt 52 Prozent der Clubanteile erwarb und der österreichische Brausekonzern Red Bull weitere 11 Prozent übernahm – Geld und Beziehungen in der Fußballwelt waren plötzlich auf höchstem Level vorhanden, der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: 2024/25 stieg der Paris FC direkt in die Ligue 1 auf und kehrte damit nach 46 Jahren wieder in die Erstklassigkeit zurück. Zudem wurde mit dem Stade Jean-Bouin des Rugby-Union-Clubs Stade Francais auch ein neues Zuhause gefunden – wenige Meter vom Parc des Princes entfernt, wo es am Sonntag (20:45 Uhr) zum ersten Derby seit Dezember 1978 kommt.

Das letzte Pariser Derby fand 1978 statt. Bis heute gab es nur zwei davon!
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Red Bull Paris?

Mit der neuen Finanzkraft dank Arnault und den sportlichen Strukturen von Red Bull kommen auch gestiegene Ambitionen – und Bedenken. Denn während der Verein offiziell das Ziel ausgibt, durch den Fokus auf Nachwuchstalente unter der Leitung von Red Bull Head of Global Soccer Jürgen Klopp ein Team aufzubauen, welches nachhaltig in die Spitze des französischen Fußballs und die Herzen der Praiser vorstoßen soll, befinden sich die eigenen Anhänger im Zwiespalt und fürchten eine weitere Namensänderung zu „Red Bull Paris“ – ein Label, welches man strikt ablehnt, da es „unseren Werten einen enormen Schlag versetzen“ würde, wie die Ultra-Szene verlauten ließ. Noch aber überwiegt der Optimismus, zumindest solange Präsident Pierre Ferraccis Wort genug Kraft hat, müssten die Fans eine solche Namensänderung angeblich nicht befürchten.

Sichtbar wird die neue Vereinsausrichtung und vor allem die Finanzkraft bislang nur auf dem Transfermarkt. Knapp 60 Millionen Euro gab der Aufsteiger im Sommer aus, Einnahmen im Gegenzug? Fehlanzeige! Die prominentesten Neuzugänge des PFC waren der junge brasilianische Innenverteidiger Otavio (23, FC Porto) sowie die beiden Routiniers Pierre Lees-Melou (32, Stade Brest) und Ex-PSG-Keeper Kevin Trapp (35, Eintracht Frankfurt).

PSG im ersten Derby wohl noch eine Nummer zu groß

Das übergeordnete, kurzfristige Ziel des neureichen Clubs ist somit klar: sich schnellstmöglich in der Ligue 1 etablieren und anschließend ins obere Tabellendrittel hocharbeiten. Dass der Weg dahin steinig wird, dürfte allen im Verein klar sein. Vor dem Hinrundenabschluss im Prinzenpark stehen für den Paris FC aktuell 16 Punkte aus 16 Spielen zu Buche, Platz 14 in der Tabelle und immerhin fünf Zähler Vorsprung auf die direkten Abstiegsränge. Damit dürfte die Stimmung auf der Weihnachtsfeier des PFC sogar ausgelassener ausgefallen sein als beim Nachbar PSG, dessen sportliches Ziel wie in jedem Jahr nur die Meisterschaft ist, der aber aktuell „nur“ auf Platz 2 liegt. Einen Punkt hinter dem RC Lens.

PSG vs Paris FC-Vergleich in Zahlen. Fazit: Ein Sieg des Underdogs ist äußerst unwahrscheinlich.
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Dass der kleine Stadtrivale zu einem weiteren Stolperstein für den Titelverteidiger wird, ist allerdings extrem unwahrscheinlich, zu gewaltig ist der Größenunterschied zwischen dem amtierenden Champions-League-Sieger und dem Aufsteiger noch. Zudem zeigte die Formkurve des Teams von Trainer Luis Enrique zuletzt wieder stark nach oben, schließlich wurden fünf der sechs letzten Ligaspiele gewonnen – in sechs seiner sieben Heimspiele in der laufenden Ligue-1-Saison blieb man ohne Gegentreffer. Überhaupt stellt PSG mit 14 Gegentoren nach Lens (13) die zweitbeste Defensive der Liga. Bei den Expected Goals Against führt man die Liga mit einem Wert von 13,99 xGA sogar mit einigem Abstand an.

Der Aufsteiger auf der anderen Seite wartet seit zwei Spielen auf einen eigenen Treffer (0:0 in Le Havre, 0:3 gegen Toulouse), nur drei Teams schießen seltener aufs Tor als das Team von Trainer Stéphane Gilli (58). Mit einer Chancenverwertung von 10,6 Prozent gehört man zudem zu den schwächsten fünf Teams der Ligue 1. Dass die starke PSG-Defensive ausgerechnet gegen den Paris FC ins Schwimmen gerät, darf daher also bezweifelt werden.