Baidoo von Red Bull Salzburg im Zweikampf mit Bednarek vom FC Porto in der Europa League.

Europa League: Salzburg droht Fehlstart, Sturm favorisiert

Die Ernüchterung war groß in der vergangenen Woche – sowohl bei Meister Sturm Graz als auch bei den Roten Bullen aus Salzburg! Die beiden österreichischen Vertreter kassierten zum Europa-League-Auftakt jeweils eine Niederlage, keines der beiden Teams konnte einen Treffer erzielen. Auf eine Chance zur Wiedergutmachung müssen die Grazer und Salzburger aber nicht lange warten, denn schon in dieser Woche steht der 2. Spieltag auf der internationalen Bühne an. Während Red Bull Salzburg es nach dem FC Porto direkt wieder mit einem europäischen Schwergewicht zu tun bekommt, trifft Sturm auf einen großen Namen, der jedoch in einer handfesten sportlichen Krise steckt.

Schwere Auswärtsreise für die Roten Bullen

„Was da in der letzten Minute passiert ist, tut einfach weh. Wir sind extrem enttäuscht über das Ergebnis, auf der anderen Seite haben wir eine leidenschaftliche Leistung hingelegt als Mannschaft“, fasste Salzburg-Trainer Thomas Letsch die bittere 0:1-Heimniederlage gegen Porto zusammen. Vor knapp 10.000 Zuschauern zeigte sein Team in der Red Bull Arena eine engagierte Leistung, hätte einen Punkt verdient gehabt. In der 93. Minute schockte William Gomes die Roten Bullen jedoch und sorgte für die Auftaktniederlage der Salzburger.

Nun steht die erste Auswärtsreise der Europa-League-Saison für die Mozartstädter an – und die hat es in sich! Am späten Donnerstagabend trifft man im Groupama Stadium auf Olympique Lyon. Während Salzburg nach vier sieglosen Spielen zuletzt am Sonntag wieder ein Erfolgserlebnis feiern konnte (2:1-Sieg bei der WSG Tirol), verlief der Saisonstart der Franzosen nach Maß. In der heimischen Ligue 1 konnte man fünf der ersten sechs Spiele gewinnen (1 Niederlage) und steht mit 15 Zählern auf Platz 2 (punktgleich mit Tabellenführer Paris Saint-Germain). Auch in der Europa League glückte der Auftakt mit einem 1:0-Erfolg beim FC Utrecht.

Heimstärke spricht klar für Lyon

Laut Datenanbieter Opta geht Lyon als klarer Favorit in die Begegnung mit den Roten Bullen. Die Siegeswahrscheinlichkeit der Franzosen liegt bei 66,1 Prozent, die Salzburger Chancen auf einen Dreier belaufen sich auf 15,5 Prozent. Dies liegt unter anderen an der Heimstärke von Olympique. Seit Dezember 2016 hat man nur drei seiner 29 Heimspiele in Europa verloren (14 Siege, 12 Unentschieden), pro Partie erzielten die Franzosen 2,1 Treffer.

Die Roten Bullen haben dagegen ihre letzten fünf Europa-League-Spiele in der Fremde verloren und bei jeder dieser Niederlagen mindestens zwei Gegentore kassiert. Und auch wenn die Mozartstädter am Donnerstag erstmals überhaupt in einem Pflichtspiel auf Lyon treffen, dürfte die Tatsache, dass die letzten drei Europapokalspiele gegen französische Mannschaften allesamt verloren gingen, den RB-Anhängern nur wenig Mut auf einen Auswärtssieg machen.

Sturm wittert Chance in der Merkur Arena

Auch Sturm Graz erwischte am vergangenen Mittwoch einen gebrauchten Abend. Mit 0:2 verloren die Schwarzen ihr Auftaktspiel in der Europa League beim FC Midtjylland. Der Pechvogel des Spiels war dabei Keeper Oliver Christensen, der nicht nur den frühen Rückstand per Eigentor (7. Minute) selbst besorgte, sondern auch beim zweiten Gegentreffer (89.) patzte. Der Auswärtsfluch auf internationalem Boden hält somit an: Seit Beginn der letzten Saison hat Sturm alle sechs Auswärtsspiele auf internationalem Terrain (inklusive Qualifikation) verloren – die letzten drei Spiele gar mit einem Torverhältnis von 0:12!

Umso besser also, dass das nächste Europa-League-Spiel wieder in Graz ausgetragen wird. Immerhin hat Sturm seine letzten drei Heimspiele in Europa allesamt gewonnen – die längste Siegesserie seit dem Jahr 2000 (5 Erfolge). Vor heimischem Publikum hat man zudem jüngst den TSV Hartberg mit 1:0 besiegt und dadurch den ersten Heimsieg in der ADMIRAL Bundesliga eingefahren (nach 2 Niederlagen gegen Rapid und Austria). Am Donnerstag geht es in der Merkur Arena nun gegen die Rangers aus Glasgow. Ein großer Name, das Team von Trainer Russell Martin steckt jedoch in einer handfesten sportlichen Krise.

Rangers mit großen Problemen in der Offensive

In der schottischen Premiership blieben die Rangers fünf Spieltage lang ohne Sieg, erst am Sonntag platzte der Knoten (2:1-Erfolg bei Aufsteiger Livingston). Der Dreier katapultierte das Team immerhin vom vorletzten auf den 8. Platz (7 Punkte). Der Rückstand auf Tabellenführer Heart of Midlothian beträgt dennoch bereits neun Zähler. Und auch der Europa-League-Auftakt in der vergangenen Woche missglückte. Im heimischen Ibrox Stadium unterlag man dem KRC Genk mit 0:1. Dabei flog Mohammed Diomande bereits in der ersten Halbzeit vom Platz und wird den Schotten demnach auch in Graz fehlen.

Auch wenn die Rangers nur zwei ihrer letzten neun Auswärtsspiele auf europäischer Bühne verloren (4 Siege, 3 Unentschieden) und bei jedem ihrer Siege in diesem Zeitraum mindestens zwei Treffer erzielten, geht Sturm laut Datenanbieter Opta dennoch als Favorit in die Partie (Siegeswahrscheinlichkeit 43,9 Prozent, 26,8 Prozent Chance auf ein Remis). Denn: Vor allem in der Offensive läuft bei den Schotten derzeit nicht viel zusammen. Nur der FC Aberdeen (0) erzielte in der Premiership bislang weniger Tore als die Rangers (5), mit einem Expected-Goals-Wert von 7,9 xG gehört man maximal zum Mittelfeld der Liga und mit einer schwachen  Schussverwertungsquote von nur 6,17 Prozent liegt man weit hinten am Tabellende (nur Aberdeen ist schlechter).

Direkter Vergleich wenig aussagekräftig

Die Chancen von Sturm auf den ersten Dreier in dieser Europa-League-Saison stehen demnach gut, zumal man selbst in der ADMIRAL Bundesliga zusammen mit Altach die stärkste Defensive stellt (4 Gegentore) und sich auch offensiv bislang nur Salzburg (17 Tore) und der Wolfsberger AC (13) treffsicherer zeigten als die Steirer (12).

Der historische direkte Vergleich zwischen Sturm und den Rangers liefert übrigens wenig Aussagekraft für das Spiel am Donnerstag. Die einzigen beiden Aufeinandertreffen stammen aus der Champions-League-Saison 2000/01. Das Heimspiel gewann Sturm damals mit 2:0, in Glasgow kam man mit 0:5 unter die Räder. Die Schotten konnten bislang jedoch fünf ihrer sieben Europapokalspiele gegen österreichische Teams gewinnen (2 Niederlagen), wobei vier dieser Erfolge zu Hause errungen wurden. In der Merkur Arena wiederum spricht am Donnerstag viel für Sturm!

Fotos: Getty Images