Zwei Fußballspieler kämpfen im Strafraum um den Ball, während ein Torwart in blauer Kleidung mit ausgestrecktem Bein versucht, den Ball abzuwehren. Im Hintergrund ist das Tornetz zu sehen, dahinter Zuschauertribünen. Die Spieler tragen Trikots in den Farben Rot-Grün und Dunkelblau-Rot.

Frankreich gegen Marokko: Gibts die WM-Revanche der Nordafrikaner?

Im ersten Viertelfinale der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada kommt es zur Neuauflage des Halbfinals von 2022, wenn Frankreich und Marokko wieder aufeinandertreffen. Vor vier Jahren in Katar zogen Les Bleus ins Endspiel ein, musste sich dort aber Argentinien geschlagen geben. Kann Marokko dieses Mal den Spieß umdrehen und die Europäer aus dem Turnier kegeln oder steigt Frankreich zum dritten Mal in Folge ins WM-Halbfinale auf? Die Historie spricht für das Team von Trainer Didier Deschamps.

Stößt Frankreich in die Reihe der beiden besten WM-Nationen vor?

Sechs Mal standen sich Frankreich und Marokko auf dem Fußballfeld schon gegenüber – nie konnten die Afrikaner gewinnen (4 Niederlagen, 2 Unentschieden). Beim letzten Aufeinandertreffen im Halbfinale der WM 2022 schalteten Les Bleus die Marokkaner mit 2:0 aus, Theo Hernandez und Randal Kolo Muani 44 Sekunden nach seiner Einwechslung erzielten damals die Treffer. Trotzdem ist auch für die Franzosen Vorsicht geboten, denn: Die Hälfte ihrer WM-Niederlagen in diesem Jahrhundert kassierte die Équipe Tricolore gegen afrikanische Teams (3 von 6, Elfmeterschießen ausgenommen)!

Das Gefühl einer Niederlage kennt Frankreich dabei kaum noch. Von den jüngsten zwölf Pflichtspielen haben Les Bleus elf gewonnen, ein Unentschieden inklusive. Erstmals seit 2004 könnten die Franzosen nun sogar wieder acht Pflichtspiele in Serie gewinnen (damals sogar 14 Siege in Folge). Mit einem Sieg gegen Marokko würde der Weltmeister von 2018 zudem in eine Reihe mit Rekordweltmeister Brasilien und Deutschland aufsteigen: Es wäre Frankreichs dritte WM-Halbfinal-Teilnahme in Folge, nur Brasilien (1994 bis 2002) und Deutschland (1982 bis 1990 und sogar 4 in Folge 2002 bis 2014) schafften diesen Meilenstein bereits.

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Einen weiteren Meilenstein könnte Frankreichs Didier Deschamps erreichen. Gegen Marokko wird der 57-Jährige sein 25. WM-Spiel als Trainer bestreiten und könnte dabei als erster Coach überhaupt seinen 20. Sieg feiern. Seit 2012 ist Deschamps Cheftrainer der französischen Nationalmannschaft und war seitdem überaus erfolgreich: 2016 erreichte er bei der EM im eigenen Land das Finale (0:1 n.V. gegen Portugal), 2018 holte er den WM-Titel nach Frankreich und wurde als FIFA-Welttrainer des Jahres ausgezeichnet, 2021 gewann er die UEFA Nations League, ehe er 2022 erneut das WM-Finale erreichte. Bei der EM 2024 in Deutschland und der Nations League 2025 scheiterten Les Bleus zuletzt jeweils im Halbfinale an Spanien.

Torreiches Spiel erwartet

Im Achtelfinale tat sich Frankreich gegen Paraguay enorm schwer, brauchte einen Penalty, um die Südamerikaner zu knacken und schließlich 1:0 zu bezwingen. Allerdings hatte Paraguay mit seinem teils ekligen Auftritt gar kein Interesse daran, ein richtig temporeiches Fußballspiel aufkommen zu lassen, sondern war nur darauf bedacht, den großen Favorit in teils harte Zweikämpfe zu verstricken und irgendwie die Verlängerung zu erzwingen. Das dürfte gegen die spielfreudigen Marokkaner ganz anders aussehen, weshalb sich Fußballfans am Donnerstagabend (Anstoß 22:00 Uhr) wieder auf ein ereignisreiches Duell freuen dürften.

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Denn mit den Nordafrikanern und Les Bleus treffen zwei der offensivstärksten Teams des bisherigen Turniers aufeinander. Frankreich hat mit 14 bislang die meisten Tore der WM erzielt (Marokko 10) und den zweithöchsten Expected-Goals-Wert (10,65) nach Brasilien (12,03 – Marokko 8,32). Auch bei den Torschüssen gehören die Équipe Tricolore (39, Platz 1) und die Löwen vom Atlas (25, 9) zu den Top-10 des Turniers, ebenso in der Chancenverwertung, wo das Team von Trainer Mohamed Ouahbi (15,63 Prozent) sogar fast auf Augenhöhe mit Titelfavorit Frankreich (15,91 Prozent) liegt. Bei den kreierten Großchancen liegt Marokko (15) überraschenderweise sogar knapp vor der Deschamps-Truppe (14).

Sollte es zu einem offenen Schlagabtausch kommen, dürfte allerdings Frankreich im Vorteil sein. Denn besonders die Superstars Kylian Mbappé und Michael Olise sind in herausragender Form! Während Mbappé in den USA, Mexiko und Kanada bislang die meisten Tore (7), Torbeteiligungen (9) und herausgespielten Torchancen (12) vorweisen kann, hat nur Olise (9) mehr Pässe gespielt, welche die gegnerische Abwehrlinie durchbrochen haben, als der Stürmer von Real Madrid (8). Kein Spieler hat zudem mehr Torvorlagen als der Bayernstar (5), der als erster Spieler seit dem Brasilianer Zico (1978) bei seiner Debüt-WM mindestens zehn erfolgreiche Dribblings (11), zehn Torchancen im offenen Spiel (10) und zehn Steilpässe (11) verbuchen konnte. Komplettiert wird das Offensiv-Trio von Weltfußballer Ousmane Dembele, der ebenfalls bereits auf sechs Scorer (4 Tore, 2 Assists) kommt. Bei Marokko dagegen droht der beste Angreifer des Turniers, Ismael Saibari (3 Tore), verletzt auszufallen.