Nikolaus Wurmbrand vom SK Rapid im Zweikampf mit Lukas Spendlhofer vom TSV Hartberg.

„Glasklarer Elfmeter“: Nikolaus Wurmbrand im ADMIRAL-Interview zur Aufreger-Szene in Altach

Es wird eng für den SK Rapid im Kampf um die Meistergruppe in der ADMIRAL Bundesliga. Eine Runde vor der Punkteteilung liegen die Wiener zwar auf dem sechsten Tabellenplatz, am letzten Spieltag des Grunddurchgangs wartet mit dem FC Red Bull Salzburg aber eine denkbar schwierige Aufgabe auf die Grün-Weißen aus Hütteldorf. Zudem lauern mit Altach, Ried und der WSG Tirol drei Mannschaften hinter dem Rekordmeister, die bei einem Punkteverlust am SK Rapid vorbeiziehen könnten.

Mit einem Sieg in Altach am vergangenen Sonntag hätten sich die Hütteldorfer ein Finalspiel erspart. Zwar führten die Wiener bis zur 86. Minute mit 1:0, ehe die Vorarlberger mit ihrem Ausgleichstreffer wieder Hochspannung in die Tabelle brachten. Mittendrin im Geschehen aufseiten der Gäste war Nikolaus Wurmbrand. Der 20-jährige Offensivspieler war auch in jene Spielszene verwickelt, die im Nachgang für große Aufregung gesorgt hatte.

Altach-Keeper Dejan Stojanovic hatte den Rapid-Youngster in der ersten Halbzeit bei einem Eckball ohne Not im Schwitzkasten gepackt und zu Boden gerissen. Schiedsrichter Petru-Ciochirca ging nach Hinweis vom VAR zum Monitor an den Spielfeldrand und blieb – zur Verwunderung vieler – bei seiner Entscheidung, keinen Strafstoß zu geben. ADMIRAL fragte bei Nikolaus Wurmbrand nach, wie er die strittige Szene wahrgenommen hat. Weitere Themen waren das „Finalspiel“ um das Ticket für die Meistergruppe, Wurmbrands WM-Hoffnungen sowie der Umgang mit der Kritik, die auf die Grün-Weißen während der langen Negativphase eingeprasselt war.

Wurmbrands Rückblick auf das 1:1 in Altach

ADMIRAL: Durch das späte Gegentor in Altach zum 1:1 wurde euch das vorzeitige Erreichen der Meistergruppe doch noch genommen. Für dich im Rückblick ein unnötiger Verlust von zwei Punkten oder muss man aufgrund der starken Altacher Schlussphase sogar glücklich sein mit dem Punkt?

Nikolaus Wurmbrand: Man muss schon sagen, dass wir über weite Phasen des Spiels die bessere Mannschaft waren. Wir hätten auch schon früher das zweite Tor machen können, weil wir vorne durchaus gute Aktionen hatten. Wir haben mindestens bis zur 60. Minute ein gutes Spiel gemacht, hinten raus haben wir dann aber leider den Faden verloren. Dadurch hatten die Altacher am Schluss eine Druckphase mit ein paar gefährlichen Situationen. Durch den Ausschluss hatten sie dann noch mehr das Momentum auf ihrer Seite. Insgesamt hätten wir uns den Sieg aber verdient gehabt, deswegen war es schon ein bitterer Punkteverlust.

ADMIRAL: Lass uns kurz auf eine Szene in der ersten Halbzeit zurückblicken, in der du einer der Hauptprotagonisten warst: Altach-Tormann Stojanovic wirft dich bei einem Eckball in Manier eines Ringkämpfers um. Nach Videostudium gab es aber keinen Elfmeter. Für Trainer Johannes Hoff Thorup „der klarste Elfmeter“ in dieser Saison. Auch für dich?

Nikolaus Wurmbrand: Ich kann eigentlich auch nicht verstehen, wie man da nicht auf die Entscheidung Elfmeter kommen kann. Das war für mich ein glasklarer Elfer, ich habe auch nichts gemacht, bin dort nur gestanden. Er ringt mich um, nimmt mich in den Schwitzkasten und zieht mich zu Boden. Wie auch der Rückblick des VAR bestätigt hat, war es eine Fehlentscheidung, auch wenn der Ball weit und breit nicht in der Nähe war.

Nikolaus Wurmbrand vom SK Rapid und Dejan Stojanovic (SCR Altach) nach der Elfmeter-Szene in der Bundesliga.
Die Protagonisten im Ländle: Referee Ciochirca erklärt Wurmbrand und Stojanovic seine Entscheidung. Foto: GEPA

„Eine gute Mannschaft muss immer erst zusammenwachsen“

ADMIRAL: Ihr geht als Sechster ins „Finalspiel“ daheim gegen Red Bull Salzburg, habt das Ticket für die Meistergruppe in der eigenen Hand. Mit dem Tabellenführer wartet aber eine sehr schwierige Aufgabe und für die Absicherung der Top Sechs ist wohl ein Sieg vonnöten. Mit welchen Gefühlen blickst du auf Samstag und wie könnte man Salzburg aktuell knacken?

Nikolaus Wurmbrand: Red Bull Salzburg steht nicht ohne Grund auf dem ersten Platz. Sie sind aktuell wohl die beste und konstanteste Mannschaft in der Liga. Ich finde aber, dass wir schon im Hinspiel durchaus ein gutes Spiel gegen sie gemacht haben und ziemlich unglücklich verloren haben. Wenn wir wieder so eine Leistung an den Tag legen bzw. so spielen wie in den ersten 60 Minuten in Altach, dann haben wir durchaus Chancen, das Spiel zu gewinnen. So gehen wir natürlich auch rein. Ich glaube, es wird ein gutes und intensives Spiel werden.

Alle Infos zum spannenden Grunddurchgang-Finale gibt es auf Ligaportal.at

ADMIRAL: In der schwierigen Phase mit 12 Pflichtspielen in Folge ohne Sieg wurden immer wieder Stimmen laut, dass euer Kader nicht funktioniert, weil es zu viele Legionäre gibt, Sprachbarrieren bestehen sollen und sich manche Spieler nicht mit dem Verein identifizieren. Was entgegnest du diesen Aussagen der Kritiker?

Nikolaus Wurmbrand: Ich glaube nicht, dass es darauf ankommt, woher ein Spieler kommt oder ob wir zu viele Legionäre haben. Eine Mannschaft muss immer erst zusammenwachsen. Wir haben uns im letzten halben Jahr schwergetan, konstant Leistungen auf den Platz zu bringen. Da waren zu viele Leistungsschwankungen dabei. Ich glaube, dass wir eine richtig gute Mannschaft haben und wir jetzt einfach schauen müssen, dass wir konstant unsere Leistungen bringen, als Team zusammenwachsen. Dann können wir auch in dieser Saison noch zeigen, dass wir eine gute Mannschaft sind.

Wurmbrand über seine WM-Chancen und persönliche Zukunft

ADMIRAL: Im Oktober 2025 durftest du dein Teamdebüt feiern und hast dieses gleich mit einem Tor gekrönt. Gerade in der Offensive gilt das Nationalteam (zum jetzigen Stand) nicht als topbesetzt. Wie schätzt du deine Chancen ein, im WM-Kader dabei zu sein?

Nikolaus Wurmbrand: Aktuell konzentriere ich mich nur auf Rapid, wir haben jetzt eine wichtige Aufgabe vor uns, auch danach folgen noch sehr wichtige Spiele. Da werde ich versuchen, konstant meine Leistungen zu bringen. Die letzten Wochen waren zwar für uns als Mannschaft und auch für mich schwer, aber ich werde mein Bestes geben und dann werden wir schauen, ob es reicht. Natürlich ist es mein Ziel, aber jetzt liegt der Fokus auf Rapid.

Nikolaus Wurmbrand bei seinem Debüt für das Österreichische Nationalteam beim 10:0 gegen San Marino.
Nikolaus Wurmbrand durfte sich bei seinem Teamdebüt nicht nur über den ersten Treffer für Österreich freuen, sondern verhalf Marko Arnautovic mit einem Assist zum 10:0 gar zum alleinigen Nationalteam-Torrekord. Foto: GEPA

ADMIRAL: Im Winter gab es schon erste Spekulationen um deine Person, was einen Wechsel in die Deutsche Bundesliga anbelangt. Hast du dir schon ein konkretes Karriereziel gesetzt und denkst du, dass ein Engagement in Deutschland der richtige nächste Schritt in deiner Laufbahn wäre?

Nikolaus Wurmbrand: Auch hier muss ich sagen, dass mein Fokus voll und ganz auf den nächsten Spielen liegt. Wir müssen schauen, dass wir als Mannschaft gut performen. Im Fußball weiß man nie, was passiert, aber ich fühle mich hier auch richtig wohl.