Vier Fußballspieler in roten Trikots mit schwarzen Ärmeln und weißen Rückennummern stehen auf einem Spielfeld und jubeln gemeinsam. Einer der Spieler trägt die Rückennummer 24 und hat den Namen 'WANNER' auf dem Rücken. Im Hintergrund ist ein Gebäude mit Fenstern und ein rot-weißes Banner zu sehen. Die Spieler berühren sich an den Schultern und wirken ausgelassen.

Historischer Vergleich: Was sich in 28 Jahren beim ÖFB verändert hat

Die Vorfreude wird langsam greifbar, keine zehn Tage mehr, dann steht Österreich erstmals seit der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich wieder bei einem WM-Spiel auf dem Platz. Im Levi‘s Stadium in Santa Clara wird das ÖFB-Team am frühen Mittwoch-Morgen (Anstoß 6:00 Uhr) gegen Algerien in sein größtes Abenteuer der letzten 28 Jahre starten. Doch was hat sich seit dem 1:2 im letzten Gruppenspiel gegen Italien beim ÖFB eigentlich verändert, wie sah das Team damals aus und warum wird sich mit dem Kader 2026 in den USA, Kanada und Mexiko das Vorrundenaus von 1998 nicht wiederholen?

1998: Erinnerungen an vergangene Tage

Fast drei Jahrzehnte liegt Österreichs letzte WM-Teilnahme zurück. Damals führte Teamchef Herbert Prohaska die Mannschaft erfolgreich durch die Qualifikation, der ÖFB ließ Schottland, Schweden, Lettland, Estland und Belarus in der Gruppe hinter sich und qualifizierte sich für das Turnier in Frankreich. Acht Siege in zehn Spielen lösten auch damals eine regelrechte Welle der Euphorie im Land aus, insbesondere die Erfolge gegen Favorit Schweden waren von elementarer Bedeutung.

Zweimal siegte der ÖFB mit 1:0 gegen die Skandinavier. Zweimal erzielte Andreas Herzog den goldenen Treffer. Am letzten Spieltag buchte Österreich durch einen 4:0-Heimsieg im Wiener Ernst-Happel-Stadion gegen Belarus das WM-Ticket. Toni Polster und Peter Stöger waren an dem Tag die gefeierten Helden, beide mit einem Doppelpack. Das Pendant zu Michael Gregoritsch, der mit seinem Tor gegen Bosnien (1:1) die ÖFB-Reise nach Nordamerika buchte.

Neben Knipser und Kapitän Polster sowie Mittelfeldlenker Herzog waren 1998 vor allem Torhüter Michael Konsel, Libero Wolfgang Feiersinger, die Sechser Roman Mählich und LASK-Meistertrainer Dietmar Kühbauer sowie Angreifer Ivica Vastic wichtige Eckpfeiler einer Mannschaft, deren Kern aus Spielern bestand, die überwiegend in Österreich (12 Spieler) oder Deutschland spielten (6), nur wenige Legionäre hatten den Weg nach Italien, Spanien, England oder Frankreich gewagt (je 1).


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Ebenso auffällig damals: Prohaska setzte überwiegend auf erfahrene Spieler, der Altersdurchschnitt der Mannschaft lag bei 29,2 Jahren. Speziell in der Defensive vertraute der Teamchef auf Erfahrung: Konsel (36 Jahre), Feiersinger (33), Peter Schöttel (31) und Anton Pfeffer (32) – alle vier spulten trotz ihres Alters die kompletten 270 WM-Minuten ab. Zum Erfolg führte die Kontinuität allerdings nicht.

In Gruppe B mit Kamerun, Chile und Italien geriet das Prohaska-Team dreimal in Rückstand und konnte kein Spiel gewinnen (1:1, 1:1, 1:2). Am Ende war Platz 3 hinter Italien und Chile zu wenig für den Aufstieg in die K.o.-Runde. Österreich mangelte es an Tempo und taktischer Flexibilität, aber auch an Kreativität und einer klaren Identität. Erfolgsmomente generierte das ÖFB-Team 1998 über die individuelle Klasse einiger weniger, oder über Standards.

2026: Moderner Fußballansatz und internationale Stars sorgen für neuen Glanz

Genau da hat das heutige Team wohl seinen größten Vorteil gegenüber der Mannschaft von vor 28 Jahren. Unter dem deutschen Teamchef Ralf Rangnick hat der ÖFB eine klare Spielidee entwickelt und war in der Qualifikation für das Turnier in Nordamerika das beste Pressingteam Europas! Österreich verzeichnete während der WM-Qualifikation die höchste Anzahl an Tacklings (144), die zweitmeisten Ballgewinne (357) und die meisten Balleroberungen im letzten Spieldrittel (56) aller Teams sowie den niedrigsten Passes-Per-Defensive-Action-Wert (7,14 gegnerische Pässe im Schnitt, bevor eine defensive Aktion erfolgte).

Kurzum: Der Gegner wird möglichst früh gestört und aggressiv unter Druck gesetzt, Bälle sollen schnell gewonnen und anschließend sofort vertikal nach vorne gespielt werden. Österreich kam in der Qualifikation schnell in die Offensive, spielte aber dennoch kontrolliert. Die Grundordnung wechselt dabei fließend zwischen einem 4-2-3-1 und einem 4-4-2 gegen den Ball, die hohe Intensität der österreichischen Mannschaft ist auch gegen stärkere Gegner eine große Waffe.


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Auch was die Spieler selbst angeht, hat der ÖFB eine positive Entwicklung verzeichnet. Der Kern der aktuellen Erfolgsmannschaft besteht mittlerweile aus international erfahrenen Stars, nur noch drei Spieler aus Rangnicks WM-Aufgebot spielen in Österreich. Allzweckwaffe Konrad Laimer erlebte beim FC Bayern gerade seine persönlich erfolgreichste Saison in der deutschen Bundesliga, auch Kreativposten Marcel Sabitzer (Borussia Dortmund) und Mittelfeldmotor Nicolas Seiwald (RB Leipzig) verdienen dort, wie viele andere (insgesamt 14 Spieler), ihr Geld. Zudem kann Rangnick auf die Erfahrung von Abwehrass David Alaba bauen. Wenn auch im Herbst seiner Karriere von vielen Verletzungen ausgebremst, verbrachte Alaba seine Profikarriere in München und Madrid und ist wohl international der erfolgreichste österreichische Spieler.

In der Offensive kann Österreich auch dieses Mal auf seinen Rekordtorjäger setzen, Marko Arnautovic (47) zog während der WM-Quali mit seinem Viererpack gegen San Marino an Polster (44) vorbei. Allgemein ist die Kadertiefe, also die Qualität in der Breite, wesentlich höher als damals in Frankreich, der Altersdurchschnitt ist mit 28,5 Jahren minimal niedriger als 1998. Für Arnautovic und Sabitzer wird es bereits das vierte große Turnier im ÖFB-Dress nach den Europameisterschaften 2016, 2021 und 2024. Insgesamt standen ganze 15 Spieler schon bei der EURO 2024 im Kader.

Auch die Gruppenkonstellation ist gut vergleichbar mit der vor 28 Jahren. Titelverteidiger Argentinien ist der klare Favorit in Gruppe J, gegen Jordanien und Algerien darf sich der ÖFB aber etwas ausrechnen. Dabei wird die Rangnick-Truppe auch ihre taktische Variabilität unter Beweis stellen und zeigen müssen, dass sie auch gegen tiefstehende Gegner, die ohne geordneten Spielaufbau weniger anfällig für Österreichs Pressing sind, kreative und vor allem effektive Lösungen findet.

Warum der ÖFB 2026 besser ist: Der direkte Vergleich der Defensive

Das ÖFB-Tor hütete vor 28 Jahren Michael Konsel. Der „Panther von Hütteldorf“ brachte viel Erfahrung mit nach Frankreich und leistete sich keine nennenswerten Patzer, musste jedoch jeden dritten Torschuss des Gegners passieren lassen (4 von 12, 8 Paraden).

In der Qualifikation kassierte das österreichische Team damals 4 Gegentore – ebenso wie nun unter Rangnick, der vor allem auf Patrick Pentz (3 Spiele, 4 Paraden, starke 80 Prozent gehaltene Bälle) und Alexander Schlager (5/7/70 Prozent) setzte. Bei den Testspielen zuletzt gegen Ghana (5:1), Südkorea (1:0) und Tunesien (1:0) hielten Schlager und Pentz sogar jeden Schuss, der auf ihren Kasten kam – beim einzigen Gegentor gegen Ghana stand Österreichs Nummer 3, Florian Wiegele, zwischen den Pfosten. Vorteil: Team Rangnick.

Abwehrchef der 98er-Truppe war Libero Wolfgang Feiersinger, der in Frankreich 38 Zweikämpfe führte und davon mehr als die Hälfte gewann (55,26 Prozent). Dabei stach vor allem seine Qualität in Tacklings hervor, 8 seiner 9 Versuche waren erfolgreich. Insgesamt kam Feiersinger auf 24 gewonnene Bälle – mehr als jeder andere Österreicher.

Neben ihm warf sich vor allem Anton Pfeffer in jeden Zweikampf (47, 53,19 Prozent gewonnen, dazu 6 von 12 Tacklings erfolgreich), während Peter Schöttel mit 8 Interceptions und 20 Ballgewinnen für Stabilität sorgte. Mit Ball agierte die Generation um Feiersinger (7,67 angekommene Pässe im letzten Spielfelddrittel), Pfeffer (3,67) und Schöttel (4,33) aber deutlich konservativer und hatte weniger Kontrolle über das Spiel.


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Die Passqualität der Verteidiger ist in Rangnicks Team nun deutlich höher. Abwehrchef Philipp Lienhart kommt auf 77,54 Pässe pro 90 Minuten und bringt davon 71,38 beim Mitspieler an, ist aber etwas weniger auffällig im Spiel nach vorne (nur 8,62 angekommene Pässe ins letzte Drittel pro Spiel). Vor allem Kevin Danso (85,79 angekommene Pässe pro 90 Minuten, 13,65 im letzten Drittel) und Marco Friedl (87,79 pro 90 Minuten, 16,97 im letzten Drittel) agierten während der Qualifikation im Passspiel auffallend progressiv, auch David Alaba hat hier seine Qualitäten (73,86 / 15,25).

Gegen den Ball führte Lienhart den ÖFB an, der 29-Jährige gewann bärenstarke 73,68 Prozent seiner Zweikämpfe und verzeichnete 4,15 Ballgewinne pro Spiel. Auch Danso überzeugte mit starker Zweikampfquote (61,76 Prozent gewonnen von 34), ebenso erwiesen sich Stefan Posch (mit 62 Zweikämpfen die meisten aller ÖFB-Verteidiger; 56,45 Prozent gewonnen) und Philipp Mwene (mit 63,64 Prozent erfolgreichen Tacklings Bestwert aller ÖFB-Verteidiger mit mindestens 4 Quali-Einsätzen) als zweikampfstark auf den Außenbahnen. Sowohl mit als auch gegen den Ball profitiert die aktuelle Mannschaft dabei vom intensiven Spielstil unter Rangnick, der aber auch Risiken birgt.

Der direkte Vergleich der Offensive

Im Mittelfeld machte sich im Team von Prohaska vor allem die Zehenverletzung von Andreas Herzog bemerkbar, der zwar in allen drei Gruppenspielen zum Einsatz kam, gegen Chile und Italien allerdings nur als Joker Impulse liefern konnte. Erinnerungen dürften in Österreich vor einer Woche geweckt worden sein, als die Oberschenkelverletzung und damit einhergehend das WM-Aus von Christoph Baumgartner bekannt wurde.

Der ÖFB muss wieder ohne einen seiner zentralen Spielmacher zum Turnier reisen! Allerdings dürfte der Ausfall des Leipziger Offensivspielers dieses Mal besser zu kompensieren sein, schließlich war Baumgartner von allen ÖFB-Mittelfeldspielern am wenigsten ins Passspiel eingebunden und konnte trotz seiner hohen Beteiligung an Österreichs Offensivaktionen (23, viertbester Wert) nur ein Tor zum WM-Ticket beisteuern.

Die Kreativrollen beim Turnier in Nordamerika dürften nun vor allem auf Marcel Sabitzer und Romano Schmid fallen. Sabitzer, der in der Nationalelf über die linke Seite kommt, kreierte während der Qualifikation mit 13 Chancen (3 Großchancen) die meisten seines Teams und nahm sich mit 24 Abschlüssen sogar mehr als die beiden Stürmer Marko Arnautovic (16) und Michael Gregoritsch (14). Mit 6 Scorerpunkten (3 Tore, 3 Assists) hatte der Dortmunder die zweitmeisten Österreichs, auch bei den Testspielen glänzte er mit 5 Scorern (3+2).

Neben dem 32-Jährigen sorgte vor allem Schmid für offensive Akzente, der Bremer spielte mit 92 erfolgreichen Pässen ins letzte Spielfelddrittel die drittmeisten, kreierte 8 Chancen und steuerte 2 Vorlagen und 1 Tor bei. Zielspieler wird in der Regel Rekordtorjäger Arnautovic sein, der in der Qualifikation starke 8 Tore erzielte und dabei jede zweite Torchance verwertete. Zudem bereitete der 37-Jährige 8 weitere Chancen vor (1 Assist).

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Eine solche Breite an Kreativspielern fehlte dem Team von 1998. Ohne Herzog, der immer wieder den Pass nach vorne suchte und 6 Chancen kreierte, mussten vor allem die Sechser Roman Mählich und Heimo Pfeifenberger das Spiel mit dem Ball ankurbeln, vor allem über die rechte Außenbahn von Harald Cerny (0 Chancen kreiert, 1 Abschluss, kaum ins Passspiel eingebunden) mangelte es an Durchschlagskraft.

So konnte auch Torjäger Toni Polster nur selten in Szene gesetzt werden (9 Abschlüsse, 4 auf das Tor, 1 Tor). Die Kreativität von Sabitzer und Co., aber auch die Variabilität im Angriffsspiel, gibt dem Rangnick-Team einen klaren Vorteil. Kein Wunder also, dass die Erwartungen an die Mannschaft 2026 immens höher sind als vor 28 Jahren. Ein erneutes Vorrundenaus wäre eine extreme Enttäuschung für den ÖFB, der mit seinem aktuellen Kader für größeres geschaffen scheint.