Internationaler Spitzenfußball: Liverpool gastiert an der Stamford Bridge, Topspiel in der Serie A

Nachdem der FC Liverpool am vergangenen Wochenende die erste Niederlage in der Premier League hinnehmen musste, erwartet die Reds am Samstagabend das nächste schwierige Spiel. Das Team von Trainer Arne Slot reist zum FC Chelsea nach London. An der Stamford Bridge gab es für Liverpool zuletzt nur selten Grund zum Jubeln, doch die Blues haben derzeit mit einigen Problemen zu kämpfen. In der Serie A kommt es unterdessen zum Kräftemessen zweier Traditionsteams, die in der vergangenen Saison hinter ihren Möglichkeiten zurückblieben, in der aktuellen Spielzeit jedoch wieder zur italienischen Elite gehören. Am Sonntag empfängt Juventus Turin die AC Mailand zum Topspiel.

Liverpool brandgefährlich in der Schlussphase

In den vergangenen Wochen wurde der Ausdruck „Late Winner“ zum Synonym für den FC Liverpool. Die Reds erzielten den Führungs- oder Siegtreffer in ihren ersten vier Ligaspielen erst in der 83. Minute oder später –  zweimal sogar erst in der Nachspielzeit. Auch am 1. Spieltag der Champions League gelang der Siegtreffer durch Virgil van Dijk erst in 92. Spielminute (3:2 gegen Atletico).

Nach fünf Siegen in Folge zum Auftakt in die neue Premier-League-Saison musste Liverpool nun jedoch seine eigene Medizin schlucken. Ausgerechnet gegen Oliver Glasners Crystal Palace, das Anfang August bereits den Community Shield gegen die Reds gewann (3:2 i.E.), fing man sich in der 97. Minute den entscheidenden Gegentreffer und kassierte die erste Niederlage in der Premier League (1:2). Nichtsdestotrotz dürfte man im Nordwesten Englands zufrieden sein mit dem Start in die neue Spielzeit. Auch wenn das neuformierte Liverpooler Starensemble spielerisch bislang noch eher selten überzeugte und am Dienstag zudem eine Pleite in der Champions League (0:1 bei Galatasaray) einstecken musste, steht man in der Liga nach sechs Spieltagen an der Ligaspitze (5 Siege, 1 Niederlage).

Festung Stamford Bridge

Am Samstag reist das Slot-Team nun zum FC Chelsea an die Stamford Bridge und will dabei vermeiden, zum ersten Mal seit April 2023 zwei Premier-League-Spiele in Folge zu verlieren. Dies dürfte jedoch leichter gesagt als getan sein. Denn: Die Reds gingen bei ihren letzten drei Auftritten in London als Verlierer vom Platz – ihre schlechteste Serie in der englischen Hauptstadt seit Oktober 2009 bis November 2010 (damals 4 Niederlagen in Folge). Und auch die Stamford Bridge selbst dürfte derzeit nicht das Lieblingsauswärtsziel der Liverpooler sein. Schließlich blieb man in den letzten vier Premier-League-Spielen in Chelseas Stadion sieglos (3 Unentschieden, 1 Niederlage).

Die Blues dagegen könnten am Samstag nach dem 3:1-Sieg im Mai erstmals seit November 2014 (damals drei Siege in Folge) wieder zwei Ligaerfolge in Serie gegen Liverpool feiern. Einzig die aktuelle Form Chelseas spricht dagegen. Die Westlondoner haben ihre letzten drei Partien in der heimischen Liga nicht gewonnen, die letzten beiden Spiele bei Manchester United (1:2) und gegen Brighton & Hove Albion (1:3) gingen gar verloren. Erst zum dritten Mal hat Chelsea unter Trainer Enzo Maresca zwei Premier-League-Niederlagen in Folge kassiert. Drei Liga-Pleiten musste man zuletzt im April/Mai 2023 unter der Ägide von Frank Lampard hinnehmen (damals sogar 4 Niederlagen).

Dass die Niederlagenserie der Blues in der Liga – in der Champions League konnte man zuletzt immerhin Benfica mit 1:0 besiegen – am Samstag ihre Fortsetzung findet, ist jedoch durchaus wahrscheinlich. Schließlich trifft man mit dem FC Liverpool nicht nur auf den aktuellen Tabellenführer, mit dem rotgesperrten Trevoh Chalobah sowie den verletzten Cole Palmer, Wesley Fofana, Tosin Adarabioyo, Liam Delap und Levi Colwill hat Trainer Maresca auch noch mit einem großen personellen Aderlass zu kämpfen. Folgerichtig liegt die Siegeswahrscheinlichkeit der Gäste aus Liverpool laut Datenanbieter Opta bei 45,6 Prozent (Remis: 24,7 Prozent).

Topspiel in der Serie A

Einen Tag später, am Sonntagabend, steht auch in der Serie A ein Kräftemessen der besonderen Art an. Tabellenführer AC Mailand (12 Punkte) empfängt Juventus, das derzeit mit elf Zählern auf Platz 4 rangiert. Während beide Teams in der vergangenen Saison ihren Erwartungen hinterherhinkten – die Alte Dame aus Turin schaffte es gerade noch so als Tabellenvierter in die Champions League, die Rossoneri verpassten das internationale Geschäft komplett (Platz 8) -, gehören sie in dieser Spielzeit wieder zu den Topteams im italienischen Oberhaus.

Milan reist dabei mit besonders großem Selbstvertrauen nach Turin. Schließlich hat das Team von Trainer Massimiliano Allegri zuletzt fünf Partien in Folge gewonnen, nur am 1. Spieltag patzte man überraschend gegen Aufsteiger US Cremonese (1:2). Überhaupt ging man in sechs der sieben Pflichtspiele in dieser Saison bislang als Sieger vom Platz. Gegner Juventus hat in der Liga dagegen noch überhaupt kein Spiel verloren (3 Siege, 2 Unentschieden) und ist saisonübergreifend seit zehn Serie-A-Spielen ungeschlagen, zuletzt teilte man jedoch zweimal die Punkte (1:1 bei Hellas Verona, 1:1 gegen Atalanta Bergamo).

Direkter Vergleich spricht für die Alte Dame

Blickt man auf den historischen Direktvergleich beider Mannschaften, so hat Juventus die Nase vorne. Die Bianconeri gewannen bislang 69 der 180 direkten Aufeinandertreffen in der Serie A (58 Remis, 53 Niederlagen). In der vergangenen Saison setzten sich die Turiner zu Hause mit 2:0 durch, in Mailand trennte man sich torlos. Zwei der letzten vier Serie-A-Duelle gewannen die Bianconeri.

Laut Datenanbieter Opta geht Juventus mit einer Siegeswahrscheinlichkeit von 37,6 Prozent demnach leicht favorisiert in die Begegnung. Milans Chance auf einen Dreier liegt jedoch nur knapp dahinter (34,3 Prozent). Überhaupt dürfen die Fans beider Teams ein enges und torarmes Spiel erwarten. In den letzten sieben direkten Ligaduellen fielen insgesamt nur sechs Treffer, drei Aufeinandertreffen endeten mit einem torlosen Remis, zwei mit nur einem erzielten Tor.

Ein ähnliches Bild könnte uns demnach auch am Sonntag erwarten. Schließlich kassierte Milan bislang erst drei Gegentreffer (nur die Roma ist mit einem Gegentor besser) und stellt auch  hinsichtlich ihres Expected-Goals-Against-Werts von 3,97 xGA die zweitbeste Defensive der Liga. Juventus liegt in dieser Wertung auf Platz 4 (4,40 xGA). Offensiv gehören beide Teams mit je neun Toren zwar zur erweiterten Spitzengruppe, die Expected-Goals-Werte von 6,94 xG (Milan) und 6,12 xG (Juventus) lassen aber darauf schließen, dass die Angriffsabteilungen beider Teams bislang überperformt haben.

Fotos: Getty Images