Fußballspieler in blauem Trikot mit geballten Fäusten vor rotem und weißem Hintergrund

„Spielstärkste Mannschaft der Liga“: TSV Hartberg-Kapitän Jürgen Heil lässt vor Rapid-Doppel aufhorchen – Exklusiv Interview!

Kapitän, Sprachrohr, Identifikationsfigur: Wenn einer den TSV Hartberg verkörpert, dann Jürgen Heil. Der 29-Jährige ist seit mittlerweile elf Jahren beim oststeirischen Klub unter Vertrag, erlebte den steilen Aufstieg über die Regionalliga und 2. Liga in die Bundesliga hautnah mit. Wie lange das Hartberger „Urgestein“ dem Verein noch erhalten bleibt, ist allerdings offen: Der Vertrag von Jürgen Heil läuft nämlich nur noch bis zum Ende dieser Saison. Eine Verlängerung des Arbeitspapiers gab es bis dato noch nicht.

ADMIRAL erreichte den gebürtigen Steirer am Dienstag vor dem Training und sprach mit ihm über seine Vertragssituation, das aberkannte Tor von Konstantin Schopp in Graz, seinen legendären Freibad-Sager und über das bevorstehende „Doppel“ in der ADMIRAL Bundesliga gegen den SK Rapid.

Unentschieden in Graz „gerecht“, weh hat es Jürgen Heil trotzdem getan…

ADMIRAL: Jürgen, lass uns auf das jüngste Bundesliga-Wochenende zurückblicken. Der TSV Hartberg hat beim 0:0 gegen den SK Sturm eine ordentliche Leistung gezeigt und wirkte vor allem in der Defensive erneut sehr stabil. Wie ordnest du den Punkt beim amtierenden Meister ein?

Jürgen Heil: Wenn man vor dem Spiel darüber nachgedacht hat, aus welcher Phase Sturm und wir ergebnistechnisch gekommen sind, dann hätten wir den Punkt sicher genommen. Wenn man das Spiel betrachtet, war das Unentschieden gerecht, es tut halt einfach weh, weil wir ein reguläres Tor geschossen haben, das aber nicht gegeben wurde. Wir hatten auch die eine oder andere bessere Torchance als Sturm. Daher hat man schon ein bisschen das Gefühl, etwas verloren zu haben, aber wir müssen jetzt so denken, dass wir mit solchen Leistungen weitere Punkte holen werden.

ADMIRAL: Kommen wir zum Aufreger dieses Spiels: Ein Treffer von Konstantin Schopp wurde wegen eines leichten Remplers nicht gegeben. Cheftrainer Manfred Schmid sprach von einem hundertprozentigen Tor. Wie hast du die Situation wahrgenommen? Der VAR hat in seinem Rückblick am Montag keinen Fehler des Schiedsrichters erkannt…

Jürgen Heil: Ich habe mir auch nichts anderes erwartet. Es ist ja oft so, dass es klare Fehlentscheidungen gibt und dann kommt die VAR-Aussendung, in der geschrieben wird, dass alles richtig entschieden wurde. Wir können das im Nachhinein sowieso nicht mehr beeinflussen, aber natürlich tut es weh. Irgendwo gehören ja Fehler von Schiedsrichtern auch dazu, das ist in unserem Sport halt so. Wenn aber sogar der gegnerische Trainer zugibt, dass sie in dieser Situation Glück gehabt haben, dann weiß man schon, wie die Situation abgelaufen ist.

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Hartberg-Kapitän lobt Gegner Rapid vor dem Doppel-Duell in der Liga

ADMIRAL: Der TSV ist Tabellensechster, nun wartet das „Doppel“ gegen den SK Rapid. Gegen die Hütteldorfer habt ihr in dieser Saison noch nicht gewonnen, Rapid präsentiert sich seit dem Trainerwechsel deutlich verbessert. Wie erwartest du diese beiden Spiele?

Jürgen Heil: Spiele gegen Rapid sind immer etwas Besonderes. Als Hartberger haben wir in der Meistergruppe aber sowieso nur geile Spiele. Rapid hat sich seit dem Trainerwechsel vor allem fußballerisch gesteigert. Sie sind für mich die spielstärkste Mannschaft in der Liga – wie sie den Ball laufen lassen. In gewissen Teilen vielleicht noch nicht so konkret, wie sie es sich selbst vorstellen, aber es wird ein sehr schwieriges Spiel. Wir werden unser Spiel natürlich nicht komplett verändern und ins offene Messer laufen, werden im Spiel gegen den Ball wieder viel leiden müssen. Das sind wir in dieser Saison aber sowieso schon gewohnt, daher mach ich mir eigentlich wenig Sorgen, dass wir da nichts mitnehmen können.

Zwei Fußballspieler in Aktion auf dem Spielfeld, einer in rotem Trikot, der andere in blauem Trikot mit Ball am Fuß, im Hintergrund ein weiterer Spieler in blauem Trikot
Binnen vier Tagen bekommt es Jürgen Heil gleich zweimal mit dem SK Rapid und Petter Nosa Dahl zu tun. Foto: GEPA

Jürgen Heil kann über seinen legendären Freibad-Sager schon lachen

ADMIRAL: Blicken wir zurück in den Herbst – 9. Spieltag gegen den LASK: Ihr liegt bis zur 90. Minute mit 3:0 in Führung, am Ende seid ihr mit einem 3:3 nach Hartberg zurückgefahren. Vor der Rückreise im Bus gab es von dir eine Brandrede mit dem mittlerweile legendären „Freibad“-Sager. Im Endeffekt dürften deine Worte aber etwas bewirkt haben in der Mannschaft, denn seither wirkt die Mannschaft gefestigter und reifer.

Jürgen Heil: Nicht nur meine Worte haben da etwas bewirkt. In dieser Phase war es einfach so, dass wir gute Leistungen gezeigt, aber nicht immer die Punkte mitgenommen haben und dann ärgert man sich einfach extrem über solche Sachen. Da haben wir als Mannschaft extrem wachsen müssen. Wir haben sehr viele junge Spieler, die natürlich viel dazulernen mussten. Da muss man dann vielleicht auch mal bisschen härter durchgreifen und sich die Burschen rannehmen, dass jeder weiß, worum es in diesem Sport geht. Am Wochenende zählt dann auch nicht mehr, wie gut man unter der Woche trainiert hat, sondern wenn es soweit ist, dann muss ich meinen Mann stehen.

Man kann einmal ein Gegentor kriegen, man kann auch ein zweites bekommen, aber irgendwo muss es dann Leute geben, die Verantwortung übernehmen. Wir haben da genau zum richtigen Zeitpunkt diesen Dämpfer bekommen. Danach ist uns so etwas wie in Linz nicht mehr passiert, weil wir uns natürlich damit auseinandergesetzt haben.

ADMIRAL: War dir damals bewusst, dass dieses Interview so hohe Wellen schlagen wird und du damit in die Geschichte der lustigsten Fußballer-Interviews eingehen könntest?

Jürgen Heil: In dem Moment denkt man nicht darüber nach, man ist so emotional. Am liebsten würde man nicht beim Interview stehen, sondern wäre lieber in der Kabine und kann dort gleich seinen ganzen Frust rauslassen, das war halt leider nicht möglich. In dem Moment war mir das nicht bewusst, erst nach dem Match, wo mir dann schon einige das Video geschickt haben und zu mir gesagt haben, „ich hoffe, dass du irgendwann darüber lachen kannst“. Mittlerweile kann ich darüber lachen, aber sowas passiert einfach, das kann man gar nicht planen.

Nun steht ein „entscheidender Schritt“ in der Karriere bevor

ADMIRAL: Dein Kontrakt in Hartberg läuft nach dieser Saison aus. Bisher gab es noch keine Verlängerung. Werden wir dich auch in der kommenden Saison im Hartberger Dress sehen?

Jürgen Heil: Das ist eine gute Frage. Zurzeit würde ich das Trikot vom AMS tragen (lacht). Ich kann die Frage echt nicht beantworten, weil ich es selbst noch nicht weiß. Es gibt Gespräche mit Hartberg, es gibt auch Gespräche mit anderen Vereinen. Es ist eine Situation, die für mich selbst auch nicht einfach ist, weil jetzt ein entscheidender Schritt in meiner Karriere kommt.

Wenn ich in Hartberg verlängere, dann würde das bedeuten, dass ich vermutlich meine gesamte Karriere in Hartberg verbringen werde. Da würde ich dann schon schauen, dass ich mich an den Verein binde. Wenn ich etwas Neues probieren möchte, dann wäre das jetzt die letzte Chance. Deshalb ist es auch so, dass ich mir mit der Entscheidung auch Zeit lassen will. Ich glaube auch, dass mir die Verantwortlichen in Hartberg diese Zeit auch geben werden, weil sie auch genau wissen, was ich für diesen Verein geleistet habe und sie meine Situation auch verstehen.

ADMIRAL: Präsidentin Brigitte Annerl meinte nach dem Einzug in die Meistergruppe, du wärst „das Herz vom TSV Hartberg“ und „Jürgen Heil ohne Hartberg ein No-Go“…

Jürgen Heil: Die Gespräche mit der Brigitte sind zurzeit nicht so angenehm (lacht), weil wir ein sehr enges Verhältnis zueinander haben und da wirklich schon eine Freundschaft entstanden ist. Natürlich will sie unbedingt, dass ich in Hartberg weitermache. Da gab es auch schon Vier-Augen-Gespräche, wo wir sehr offen miteinander kommuniziert haben. Es spiegelt auch meinen Stellenwert wider, dass sie alles versucht, damit ich mich schnell entscheide. Aber ich habe ihr auch erklärt, dass ich mir Zeit lassen möchte. Mit der Brigitte ist es trotzdem immer sehr, sehr lustig, auch wenn es zurzeit vielleicht bisschen schwieriger ist mit der Kommunikation.

Zwei Personen umarmen sich, eine trägt ein blaues Trikot mit der Aufschrift 'Hochegger Bau HARTBERG' und der Nummer 28
Ein Herz und eine Seele: Brigitte Annerl würde Jürgen Heil nur zu gerne beim TSV halten. Foto: GEPA

„Wir müssen jetzt schauen, dass wir ein Spiel irgendwie auf unsere Seite ziehen“

ADMIRAL: Der Klassenerhalt war nach dem Erreichen der Meistergruppe sowieso bereits fix, doch mit welcher Platzierung könntest du am Schluss gut leben? In der Meistergruppe ist noch alles möglich.

Jürgen Heil: Nur nicht mit dem sechsten Platz, wenn ich ehrlich bin. Wenn man in die Meistergruppe schaut und man liest die Namen der Vereine, dann braucht man nicht darüber reden, wer damit rechnet, welchen Platz Hartberg am Ende der Saison einnehmen wird. Man muss aber sagen, dass es in dieser Saison speziell ist, weil die Liga so eng ist. Das hat man nach der Punkteteilung schon gesehen. Vom Ersten bis zum Zehnten war da ja auch nicht so viel Unterschied.

Wir haben es uns zwar verdient, aber wir waren am Ende die Glücklichen, die oben dabei sein dürfen. Man hat es jetzt schon in den ersten vier Spielen gesehen, dass wir in keiner dieser Partien die schlechtere Mannschaft waren. Wir müssen jetzt schauen, dass wir ein Spiel irgendwie auf unsere Seite ziehen. Wenn du eine bessere Platzierung haben willst, dann musst du Spiele gewinnen.

ADMIRAL: Im Sommer steht mit der WM in Nordamerika ein Großereignis an: Dein Teamkollege Elias Havel wurde immer genannt, wenn es um Alternativen im Sturm geht. Hätte er sich eine Nominierung deiner Meinung nach verdient?

Jürgen Heil: Ja, absolut. Ich denke, die Zahlen sprechen für sich in dieser Saison. Es gibt halt nicht so viele österreichische Stürmer, die regelmäßig spielen und treffen. Da ist er schon einer davon. Ich denke auch, dass er eine Komponente hat, die wenige Spieler in Österreich auf diesem Niveau haben – einen Speed, der unglaublich ist. Natürlich lebt er auch von seiner Athletik, das weiß er auch ganz genau. Für Umschaltmomente ist das eine Waffe. Hoffnungen wird er sich insgeheim schon bisschen machen, aber er ist keiner der sagt, das muss passieren, sonst bricht für mich eine Welt zusammen.