Der FC Liverpool wird seinen Premier-League-Titel in 2026 nicht verteidigen können – so viel kann man wohl nach der Hinrunde schon prognostizieren. Zu gewaltig war die Formdelle im Herbst, als das Team von Trainer Arne Slot reihenweise Spiele und den Anschluss verlor. Zu groß ist der Vorsprung von Tabellenführer und Meisterfavorit FC Arsenal. Die Mannschaft von Coach Mikel Arteta marschiert scheinbar unaufhaltbar in Richtung 14. englische Meisterschaft. Es wäre der erste Meistertitel seit 2004. Schlagen die Gunners auf ihrem Weg auch den amtierenden Champion oder können die Reds dem Spitzenreiter noch einmal einen kleinen Dämpfer verpassen?
Arsenal enteilt während Liverpool abstürzt
Rund um das Hinspiel war die Welt in Liverpool noch in Ordnung. Der Titelverteidiger startete mit fünf Siegen aus den ersten fünf Ligaspielen in die neue Saison und schlug dabei auch einen der größten Konkurrenten, den FC Arsenal, mit 1:0. In einem ausgeglichenen Spitzenspiel war es ein Geniestreich von Ex-Salzburger Dominik Szoboszlai, der kurz vor Schluss (83. Minute) den Unterschied ausmachte.
Doch schon da trügten die Ergebnisse – oft durch späte Tore erzwungen – über die schwachen sportlichen Leistungen der im Sommer teuer zusammengekauften Reds. Und als die späten Tore ausblieben, hatte nur noch ein Team Grund zum Feiern, vor allem im Herbst hängten die Gunners den Rivalen gnadenlos ab.
Denn während Arsenal seit dem Spiel an der Anfield Road am 31. August nur noch ein einziges Mal in der Liga als Verlierer vom Platz ging (1:2 bei Aston Villa am 6. Dezember), kassierten die Reds zwischen dem 27. September und dem 22. November satte sechs Niederlagen in sieben Premier-League-Partien.
An die Titelverteidigung ist seitdem nicht mehr zu denken, absoluter Tiefpunkt war das 0:3 zu Hause gegen Kellerkind Nottingham Forest – wenige Tage später setzte es die nächste Klatsche im eigenen Stadion: 1:4 gegen die PSV Eindhoven in der Champions League. Auch hier läuft man den eigenen Erwartungen noch hinterher (Platz 9), auch hier thront Arsenal währenddessen an der Spitze (6 Siege in 6 Spielen).
Die Londoner können dabei vor allem auf ihre enorme Heimstärke bauen. Im Emirates Stadium sind die Gunners in der laufenden Premier-League-Saison noch ungeschlagen und holten bärenstarke 28 von 30 möglichen Punkten – kein Team in Englands höchster Spielklasse war erfolgreicher! Die vergangenen sieben Heimspiele in der Liga gewann das Team von Mikel Arteta allesamt, unter dem Spanier hatten die Nordlondoner erst einmal eine längere Serie (10 Siege in Folge 2022).
Liverpool dagegen holte im eigenen Stadion bislang immerhin 20 Zähler, tut sich auswärts aber deutlich schwerer. Nur 14 Punkte aus zehn Spielen ist die magere Ausbeute der Reds, die als Außenseiter nach London reisen. In den letzten beiden Jahren verlor hier auch schon Manchester City als Titelverteidiger, Liverpool könnte somit der dritte amtierende Meister in Folge werden, der mit leeren Händen aus dem Emirates Stadium heimfahren muss.

Reißt Liverpools Tor-Serie gegen Arsenals Abwehrbollwerk?
Und das, obwohl der Titelverteidiger eigentlich der Angstgegner der Gunners ist! Gegen kein anderes Team in der Premier League hat Arsenal häufiger verloren als gegen Liverpool (26, genau wie gegen Manchester United). Bereits zum achten Mal könnten die Reds in einer Saison beide Ligaspiele gegen die Nordlondoner gewinnen – kein anderer Kontrahent hat das mehr als sechs Mal geschafft.
Besonders spannend wird dabei am Donnerstagabend (21:00 Uhr), ob Arsenal seine größte Stärke wieder ausspielen kann: Die Gunners haben die mit Abstand beste Defensive der Liga, kassierten erst 14 Gegentore bei 15,05 Expected Goals Against, ließen dabei nur 158 Schüsse des Gegners zu (alles Bestwerte) und hielten bereits neun Mal ihre Weste weiß (wie ManCity).
Doch nun kommt Liverpool, das seit 20 Ligaduellen immer gegen Arsenal getroffen hat. Nur zwei Teams haben in der Premier-League-Historie eine längere Serie gegen die Gunners (Manchester United 30 Spiele zwischen 1953 und 1968 und Tottenham Hotspur 24 Spiele zwischen 1955 und 1967).

Diese Serie könnte nun allerdings reißen. Denn auch die Offensive gehört in dieser Saison zu den Sorgenkindern des Titelverteidigers. 32 Tore (Platz 6) bei 31,98 Expected Goals (Platz 7) sind vergleichsweise schwache Werte für den Tabellenvierten (Arsenal in beiden Kategorien auf Platz 2 hinter ManCity).
Ein Blick auf die Daten offenbart dabei, dass Liverpool aus Viel nur Wenig macht: Mit insgesamt 301 Abschlüssen (inkl. geblockter Schüsse) haben die Reds zwar die drittmeisten in der Premier League (Arsenal 304), doch die Torschussgenauigkeit von 41,38 Prozent ist die schwächste der ganzen Liga! Auch die Chancenverwertung ist bei 10,63 Prozent (Platz 14) ausbaufähig. Gegen die beste Abwehr der Liga könnte das zu wenig sein.
