In der deutschen Fußball-Bundesliga hat Rekordmeister Bayern München vor der Winterpause neue Maßstäbe gesetzt und sich zum Herbstmeister gekrönt, noch ist die Hinrunde aber nicht abgeschlossen. Am letzten Spieltag der ersten Halbserie treffen mit Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund sowie Bayer Leverkusen und dem VfB Stuttgart vier Verfolger direkt aufeinander. Kann vor allem der BVB den Druck auf den Titelverteidiger wieder etwas erhöhen oder wächst der Bayern-Vorsprung an der Spitze sogar?
Starke BVB-Hinserie trotz mangelnder Offensivpower
Mit 32 Punkten nach 15 Bundesliga-Spielen ist Borussia Dortmund nicht nur der erste Bayern-Verfolger vor Leverkusen und Leipzig (je 29 Punkte), sondern Schwarz-Gelb spielt auch seine beste Saison seit sieben Jahren (2018/19 waren es sogar 39 Punkte zu diesem Zeitpunkt). Seit der Länderspielpause im März 2025 verlor die Borussia von 23 Ligaspielen nur ein einziges (1:2 Mitte Oktober in München), aus Europas Top5-Ligen kassierte in diesem Zeitraum sonst nur der FC Bayern (0) weniger als drei Niederlagen. Ein weiteres Spiel mit mindestens einem Punkt würde zumindest vorübergehend den Abstand zu den Bayern verkürzen – die Münchner sind selbst erst am Sonntagabend (17:30 Uhr) gegen Wolfsburg im Einsatz.
An den ersten 15 Spieltagen dieser Saison haben die Dortmunder dabei immer mindestens einen eigenen Treffer erzielt – das war dem BVB in diesem Jahrtausend zuvor nur 2015/16 gelungen (damals sogar in den ersten 19 BL-Spielen). Allerdings kommt der Tabellenzweite in dieser Bundesliga-Spielzeit im Schnitt nur auf 11,9 Schüsse pro Spiel und liegt damit ligaweit nur auf Rang 14. Für die Borussia ist es der schwächste Wert innerhalb einer Ligasaison seit detaillierter Datenerfassung 2004/05.
BVB reist als Favorit nach Frankfurt
Die Grundlage für die starke Hinrunde legte das Team von Trainer Niko Kovac dafür in der Defensive. Mit erst zwölf Gegentoren stellt Dortmund die zweitbeste Defensive dieser Bundesliga-Saison nach dem FC Bayern (11), acht Weiße Westen nach 15 Ligapartien sind für den BVB eingestellter Vereinsrekord – nur in den Meisterjahren 1994/95 und 2001/02 waren es ebenso viele. Pro Spiel lassen nur die Münchner weniger gegnerische Schüsse zu (8,7) als Borussia Dortmund (11,0). Die Westfalen lagen in dieser Bundesliga-Saison außerdem erst 91 Minuten in Rückstand – in Europas Top5-Ligen unterbietet dies in der laufenden Spielzeit nur Atletico Madrid (70). Als einziges Team in Europas Top5-Ligen kassierte der BVB zudem erst zwei Gegentore in der ersten Halbzeit.
Eintracht Frankfurt (Platz 7) auf der anderen Seite lässt zwar auch nur 11,3 Schüsse pro Spiel zu (drittbester Wert), kassierte jedoch die zweitmeisten Gegentreffer der Liga (30) nach dem 1. FC Heidenheim (34) – und das, obwohl die SGE mit einem Expected-Goals-Against-Wert von 19,88 sogar den viertbesten Wert der Bundesliga aufweist (Dortmund: 14,79). Die Adler begingen allerdings schon acht individuelle Fehler vor Gegentoren – nur Freiburg kommt auf mehr (9).

Nicht nur aufgrund des bisherigen Saisonverlaufs reist Dortmund somit am Freitagabend (20:30 Uhr) als Favorit nach Frankfurt, auch die jüngste Historie des direkten Duells spricht für Schwarz-Gelb. Schließlich konnte die SGE nur eines der letzten neun Pflichtspiele zu Hause gegen Borussia Dortmund gewinnen (6 Unentschieden, 2 Niederlagen). In der 2. Runde des DFB-Pokals dieser Saison schied das Team von Trainer Dino Toppmöller mit 2:4 im Elfmeterschießen gegen den BVB aus (1:1 n. V.). Auch damals gelang den Frankfurtern im ersten Durchgang kein Treffer (0:1).
Einseitiges Verfolgerduell in der BayArena? Einen Tag später am Samstagabend (18:30 Uhr) kommt es in der BayArena zum nächsten Verfolgerduell zwischen Bayer Leverkusen (Platz 3) und dem VfB Stuttgart (Platz 6). Die Schwaben rangieren in der Bundesliga-Tabelle derzeit drei Zähler hinter Leverkusen, könnten mit einem Auswärtssieg also mit dem Team von Trainer Kasper Hjulmand gleichziehen. Seit der Däne in Leverkusen die Zügel in der Hand hält, läuft es jedoch bei der Werkself. In 13 Ligaspielen sammelte man starke 28 Punkte (9 Siege, 1 Unentschieden, 3 Niederlagen) ein. Nur der FC Bayern war in diesem Zeitraum erfolgreicher (35 Punkte).
Zudem ist der VfB Stuttgart ein gern gesehener Gast in der BayArena. Schließlich haben die Schwaben in den letzten 29 Pflichtspielen in allen Wettbewerben gegen Bayer nur einen Sieg eingefahren (9 Unentschieden, 19 Niederlagen) – der letzte Erfolg datiert aus dem April 2018 (1:0 in Leverkusen). Seit nunmehr 15 Pflichtspielen (12 Bundesliga-Partien) ist der VfB sieglos gegen die Werkself – die längste Negativserie des Teams gegen einen aktuellen Bundesligisten.

Spielstarke Teams mit unterschiedlichen Formkurven
Wenngleich die Stuttgarter aktuell ihre zweitbeste Bundesliga-Saison seit dem Meistertitel 2007 spielen – nur in der Saison 2023/24 holte man aus den ersten 15 Spielen mehr Zähler (31) –, konnte das Team von Trainer Sebastian Hoeneß zuletzt nur eines seiner letzten fünf Bundesliga-Spiele gewinnen (2 Unentschieden, 2 Niederlagen). Bayer wiederum ging in seinen letzten beiden Partien in der Bundesliga vor der Weihnachtspause als Sieger vom Platz (2:0 gegen Köln, 3:1 in Leipzig). Mit 33 Treffern stellt Leverkusen zudem die zweitbeste Offensive der gesamten Liga (27,03 xG, Platz 3) und verfügt über die viertbeste Chancenverwertung aller Teams (15,21 Prozent).
Da jedoch auch die Schwaben mit 25 Toren (Platz 7), einem Expected-Goals-Wert von 22,38 (Platz 7) und 233 Schüssen (Platz 3) über eine potente Offensive verfügen, dürfen die Fans in der BayArena ein offensivgeprägtes Spiel mit reichlich Toren erwarten. Schließlich fallen bei Spielen mit Leverkusener Beteiligung durchschnittlich 3,53 Tore pro Partie, bei den Schwaben sind es derer 3,13. Darüber hinaus gehören beide Teams auch zu den spielstärksten der Liga. Die Werkself belegt mit durchschnittlich 60 Prozent Ballbesitz sowie 620 Pässen pro Spiel in beiden Kategorien jeweils den 2. Rang in der Bundesliga, dicht gefolgt vom VfB, der mit 58 Prozent Ballbesitz und 522 Pässen pro Spiel jeweils auf Platz 3 landet. Nur der FC Bayern ist in beiden Kategorien stärker als die beiden Kontrahenten (68 Prozent Ballbesitz, 725 Pässe pro Spiel). Ob die Schwaben allerdings trotz ihrer spielerischen Klasse ausgerechnet auswärts bei Angstgegner Leverkusen punkten können, erscheint fraglich.
