Am kommenden Sonntag (17:30 Uhr) wird in England der erste Titel der Saison vergeben. Im Carabao-Cup-Finale trifft der FC Arsenal im Wembley-Stadion auf Manchester City. Dabei kommt es zu einem Novum. Denn: Zum ersten Mal in der Geschichte des Wettbewerbs treffen mit dem Tabellenführer der Premier League (Arsenal) und dem Zweitplatzierten (Manchester City) die beiden besten Teams des Landes aufeinander. Ein Gigantenduell, das seinem Namen somit auch statistisch gerecht wird. Während die Gunners jedoch noch in allen Wettbewerben realistische Siegchancen haben, geht es für Pep Guardiolas Mannschaft am Sonntag womöglich um den einzigen Titel der Saison.
Man City droht titellose Saison
Kein Team prägte den englischen Fußball in der vergangenen Dekade so sehr wie Manchester City. Alleine in den letzten acht Jahren gewannen die Cityzens sechs Mal die Premier League, vier Mal den Carabao Cup und zwei Mal den FA Cup. Nach einer (fast) titellosen vergangenen Saison – man gewann nur den Community Shield – droht dem Team von Guardiola in der Spielzeit 2025/26 ein noch härteres Schicksal – zum ersten Mal seit 2016/17 könnte man gänzlich ohne Titel aus einer Saison gehen. In der Premier League liegt man bei einem Spiel weniger bereits neun Zähler hinter Arsenal und in der Champions League musste man schon im Achtelfinale gegen Real Madrid die Segel streichen. Immerhin im FA Cup ist man noch vertreten und trifft dort im Viertelfinale auf den FC Liverpool.
Das Carabao-Cup-Finale könnte für City jedoch genau zur richtigen Zeit kommen. Schließlich konnte man bislang acht der neun Finals in diesem Wettbewerb gewinnen, nur Liverpool holte den Pokal öfter nach Hause (10). Zudem haben die Skyblues seit der Endspielpleite gegen Wolverhampton 1974 alle sieben folgenden Ligapokalfinals gewonnen. Auch das letzte direkte Finalduell mit den Gunners ging an das Guardiola-Team (2018, 3:0). Nur zwei andere Mannschaften konnten Arsenal zuvor in zwei großen Pokalfinals schlagen (Newcastle – FA Cup 1932 und 1952, Leeds – Ligapokal 1968, FA Cup 1972), Man City wäre das dritte Team.

Historie spricht für City, aktuelle Form für Arsenal
Überhaupt spricht die jüngere Vergangenheit im Ligapokal durchaus für die Skyblues. Die letzten vier Duelle mit den Gunners entschied man allesamt mit einem Gesamtergebnis von 11:1 für sich. Eine Niederlage setzte es letztmals in der 3. Runde der Saison 2004/05 (1:2). Zudem verlor Arsenal mehr Finals in diesem Wettbewerb als jede andere Mannschaft (6). Ein Erfolg am Sonntag würde den dritten Ligapokaltriumph der Gunners nach 1987 und 1993 bedeuten.
Und dennoch geht Arsenal als der Favorit in das Finale am Sonntag. Datenanbieter Opta errechnet für das Team von Trainer Mikel Arteta eine Siegeswahrscheinlichkeit von 50 Prozent (Man City: 26,1 Prozent). Denn während City seine letzten beiden großen Finals verlor (jeweils im FA Cup: 2024 gegen Manchester United, 2025 gegen Crystal Palace), sind die Gunners in den letzten sechs direkten Duellen mit den Skyblues wettbewerbsübergreifend unbesiegt (2 Siege, 4 Niederlagen). Im Wembley-Stadion verlor Arsenal zudem nur eines der fünf Spiele gegen Man City (3 Siege, 1 Unentschieden) und Coach Arteta ist in Wembley mit Arsenal sowohl als Spieler (3 Siege, 1 Unentschieden) als auch als Trainer (2 Siege, 2 Unentschieden) noch gänzlich ungeschlagen. Selbst bei allen drei Unentschieden errang er anschließend im Elfmeterschießen den Sieg.
Defense wins championships?
Auch wenn Manchester City alle seine fünf Ligapokalspiele in dieser Saison mit einem Vorsprung von mindestens zwei Toren gewann (teils gegen unterklassige Gegner), dürfte der Fokus beider Teams im Pokalfinale auf der eigenen Defensive liegen – ein weiterer Vorteil für die Gunners! Denn Arsenal brilliert unter Arteta seit Jahren ganz besonders am defensiven Ende und verteidigt in der aktuellen Spielzeit besser und erfolgreicher als jede andere Mannschaft in Europa.

In der Premier League kassierten sie in 31 Spielen die mit Abstand wenigsten Gegentore (22), verfügen über den besten Expected-Goals-Against-Wert (22,12), lassen die wenigsten Schüsse (242) und Torschüsse (72) zu und kassierten in 48,4 Prozent (15 von 31) ihrer Spiele kein Gegentor (Bestwert). Auch in der Champions League ließen sie in neun Spielen weniger Gegentore (5, 7,02 xGA) zu als jede andere Mannschaft.
Doch auch Man City ist defensiv (meist) über jeden Zweifel erhaben. In Englands höchster Spielklasse stellen sie nach Arsenal die zweitbeste Abwehr der Liga, kassieren im Schnitt nur 0,93 Gegentore pro Spiel (33,1 xGA, Platz 2) und lassen die zweitwenigsten Schüsse (293) und Torschüsse (103) zu. Keine Abwehrreihe begeht weniger Fehler, die zu einem Gegentor führen (3), und wird seltener überdribbelt (159) als jene der Skyblues. Trotz der Offensivpower beider Teams ist ein torreiches Endspiel am Sonntag somit nicht zu erwarten – zumal beim FC Arsenal in der aktuellen League-Cup-Saison noch kein Akteur mehr als einmal getroffen hat (acht verschiedene Torschützen) und Citys Torgarant Erling Haaland in seinen bislang sechs Einsätzen in Wembley noch keinen einzigen Treffer markieren konnte.