Beitragsbild. Seiwald schaut sich die Statistiken an.

Stabilisator Seiwald, Allzweckwaffe Laimer, Torgarant Arnautovic! Die ÖFB-Schlüsselspieler im Datencheck

Nach den erfolgreichen Testspielen gegen Ghana (5:1) und Südkorea (1:0) richtet sich der Blick nun endgültig auf die anstehende FIFA Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada, wo es am 17. Juni 2026 um 6 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit in Santa Clara (San Francisco, Kalifornien) für das ÖFB-Team mit dem Spiel gegen Jordanien endlich los gehen wird. Gegen die Jordanier darf sich Österreich direkt im Auftaktspiel Hoffnungen auf die ersten WM-Punkte seit 28 Jahren machen, als man beim Turnier in Frankreich gegen Kamerun und Chile (je 1:1) zwei Zähler sammelte, aber bereits in der Vorrunde ausschied. 2026 will das ÖFB-Team nun besser abschneiden und die K.o.-Runde erreichen. Wir blicken auf die Schlüsselspieler, auf die es für ein erfolgreiches Turnier im Sommer ankommen wird.

Rangnicks Pressingmaschine stürmt nach Amerika

Das letzte Mal, als Österreich die Gruppenphase bei einer Weltmeisterschaft meisterte, mussten danach die Regeln geändert werden: Beim „Nichtangriffspakt von Gijon“ bei der WM 1982 in Spanien einigten sich die ÖFB-Spieler und Gegner Deutschland auf dem Platz auf einen 1:0-Sieg der DFB-Auswahl, der beiden Nationen den Aufstieg sicherte. Seitdem werden die letzten Gruppenspiele immer parallel ausgetragen, Österreich scheiterte im Anschluss in der Finalrunde in einer Dreiergruppe an Frankreich (0:1) und Nordirland (2:2).

44 Jahre später will es der ÖFB nun aus eigener Kraft über die Gruppenphase hinausschaffen – in der es wie schon 1982 gegen Algerien gehen wird, außerdem gegen WM-Neuling Jordanien und Titelverteidiger Argentinien. Dabei darf sich die Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick durchaus berechtigte Hoffnungen auf ein positives Abschneiden machen. Unter der Leitung des 67-jährigen deutschen „Fußballprofessors“ hat man sich zu einem unermüdlichen Pressingmonster entwickelt. Intensives, kompromissloses Anlaufen und schnelles, direktes Umschaltspiel zeichnen die Rangnick-Truppe aus. Einsatzbereitschaft und Gier auf die Jagd nach dem Ball sind die obersten Gebote. Wer nach einem Ballverlust abschaltet, hat in Rangnicks System keinen Platz!

In der WM-Qualifikation trug der injizierte „Red-Bull-Spielstil“ bereits Früchte: Keine Mannschaft setzte seine Gegner in der Gruppenphase der europäischen Qualifikation intensiver unter Druck als Rangnicks Elf. Österreich verzeichnete die höchste Anzahl an Tacklings (144), wovon sie 57 Prozent gewannen (82), und den niedrigsten Passes-Per-Defensive-Action-Wert (7,14 gegnerische Pässe im Schnitt bevor eine defensive Aktion erfolgte). Darüber hinaus kam man auf die zweitmeisten Ballgewinne (357) und die meisten Balleroberungen im letzten Spieldrittel (56) aller Teams. Nach Ballgewinn ging es anschließend schnell und direkt nach vorne – mit der erfolgreichen Qualifikation für die erste WM-Endrunde seit 1998.

Das Herzstück in Rangnicks System: Seiwald der Stabilisator

Rangnick setzt dabei auf ein klassisches 4-2-3-1-System, in dem einige Schlüsselrollen vor dem Sommerturnier bereits verteilt sein dürften. Eine davon fällt auf Nicolas Seiwald. Der 24-Jährige von RB Leipzig ist der einzige Spieler, der sowohl in allen acht WM-Qualifikations-Spielen als auch in beiden Playoff-Spielen der UEFA Nations League gegen Serbien in der Startelf stand und somit alle zehn Pflichtspiele seit 2025 von Beginn an bestritt. Im Test gegen Ghana absolvierte er zudem als einziger die volle Spielzeit und erzielte dabei sein erstes Tor in Rot-Weiß-Rot.

Seiwald agiert als Rangnicks Defensivstabilisator im Mittelfeld, der dafür sorgt, dass Österreich trotz aggressivem Pressing nie die Ordnung und Absicherung verliert. Im Rahmen der Qualifikation verzeichnete er die meisten Tacklings aller ÖFB-Spieler (16, wie Stefan Posch) und gewann 50 Prozent davon (8). Seine acht hohen Ballgewinne (wie Laimer) sind sogar ein Spitzenwert in der gesamten europäischen WM-Quali, nur Landsmann Romano Schmid schaffte mehr (9). Darüber hinaus spielte er von allen ÖFB-Spielern die zweitmeisten Pässe (454) und sorgte für die viertmeisten Zuspiele, die im letzten Spielfelddrittel endeten (108). Mit 226 erfolgreichen Pässen in der gegnerischen Hälfte spielte er nur einen weniger als Passkönig Marcel Sabitzer und glänzte dabei mit einer Passgenauigkeit von 92,78 Prozent. 18 Mal war Seiwald beteiligt, wenn ein geordneter Spielaufbau zu einem ÖFB-Torschuss führte – öfter als jeder Mitspieler.

Opta Statistik wer bei Angriffssituationen am meisten involviert ist.

Österreichs Torgarant: Marko Arnautovic

Dass die Abschlüsse auch erfolgreich sind, dafür sind andere zuständig – allen voran Marko Arnautovic. Neunmal kam der 36-Jährige in der WM-Qualifikation und den Nations-League-Playoffs zum Einsatz (6 Mal Startelf), starke elf Scorer sammelte der Stürmer von Roter Stern Belgrad dabei (8 Tore, 3 Vorlagen) und damit die meisten aller ÖFB-Spieler. In ewiger Erinnerung bleibt vor allem sein Viererpack gegen San Marino, mit dem er Toni Polster als Rekordtorschütze Österreichs ablöste. Aktuell steht Arnautovic bei 47 Treffern in 132 Länderspielen.

Bei der WM in Nordamerika will der dann 37-Jährige sein Torekonto weiter aufstocken. Dafür muss er vor allem seine Effizienz aus der Qualifikation konservieren, jeder zweite Abschluss (16) von Arnautovic zappelte im Netz (8)! Kam ein Arnautovic-Schuss auf das Tor (11), landete der Ball zu 72,7 Prozent im gegnerischen Kasten. Unterstützung erhält Österreichs Torgarant dabei von Michael Gregoritsch (Augsburg/Bröndby), der in 72 Spielen im ÖFB-Dress immerhin 23 Treffer erzielte (4 in der WM-Quali, 1 gegen Serbien).

Während der Qualifikation teilte Rangnick die Startelfeinsätze zwischen Altstar Arnautovic und Gregoritsch (je 5) auf. Unabdingbar für den Teamerfolg: Beide werfen auch gegen den Ball alles rein! Während Arnautovic vier hohe Ballgewinne verzeichnete, führte Gregoritsch (3 hohe Ballgewinne) starke 52 Zweikämpfe (22 gewonnen).

Zwischen Pressing und Kreativität: Österreichs multifunktionale Offensive

Österreichs zweitbester Scorer in der Qualifikation war aber nicht etwa Gregoritsch, sondern Mittelfeldspieler Marcel Sabitzer (Borussia Dortmund). Der 32-Jährige steuerte drei Tore und drei Assists zum ÖFB-WM-Ticket bei und kreierte zudem die mit Abstand meisten Chancen seines Teams (13, davon 3 Großchancen). Der gebürtige Oberösterreicher war darüber hinaus mit den meisten angekommenen Pässen in der gegnerischen Hälfte (227, 83,3 Prozent Passgenauigkeit) und Pässen, die im letzten Spielfelddrittel endeten (198), Österreichs Passkönig, seine 24 Abschlüsse und 16 Schüsse auf das Tor waren ebenfalls ÖFB-Topwert. Zudem hatte auch Sabitzer mit fünf hohen Ballgewinnen (Platz 4 im ÖFB-Vergleich) großen Anteil an Österreichs erfolgreichem Offensivpressing. Als einziger Offensivspieler stand er in jedem Qualifikationsspiel in der Startelf und ist damit ein unverzichtbarer Schlüsselspieler für Rangnick.

Opta: Marcel Sabitzer Pass-Statistiken.

Komplettiert wurde die Offensive zumeist von zwei weiteren Bundesliga-Legionären: Christoph Baumgartner (26, RB Leipzig, 7 Startelfeinsätze in der Qualifikation) und Romano Schmid (26, Werder Bremen, 5 Startelfeinsätze + 3 Einwechslungen). Dabei zeigten beide sowohl wichtige Qualitäten im Offensivpressing als auch im Kreativspiel. Mit 96 (Baumgartner, 45 gewonnen) bzw. 87 (Schmid, 41) führten beide die meisten Zweikämpfe ihres Teams, besonders Schmid glänzte dabei mit neun hohen Ballgewinnen – den meisten in ganz Europa! Der Bremer spielte zudem die drittmeisten ÖFB-Pässe, die im letzten Drittel landeten (121) und kreierte acht Torchancen. Baumgartner kam zwar nur auf sechs kreierte Torchancen, verzeichnete aber selbst die viertmeisten Torschüsse (9, Schmid 4) und war einmal erfolgreich (wie Schmid).

Lienhart oder Alaba – Wer ist der ÖFB-Abwehrchef?

Eine weitere Konstante in Rangnicks Qualifikationskader war Philipp Lienhart. Der 29-jährige Innenverteidiger vom SC Freiburg begann in der WM-Quali sieben Mal und startete auch beide Playoffspiele gegen Serbien – damit kam er auf die zweitmeisten Startelfeinsätze im ÖFB-Team nach Seiwald (9, wie Laimer). Nur beim 10:0-Erfolg über San Marino erhielt er eine Pause.

Lienhart bewies sich in Rangnicks Team einerseits als starker Zweikämpfer. 38 Duelle führte der 29-Jährige, 28 Mal ging er als Sieger hervor. Mit einer erfolgreichen Zweikampfquote von 73,68 Prozent liegt er im europäischen Vergleich aller Spieler, die mindestens vier Einsätze in der Qualifikation hatten und dabei mindestens zehn Zweikämpfe führten auf Rang 10! Auch in der Luft gewann Lienhart zwölf seiner 17 Duelle (70,59 Prozent). Mit fünf Blocks und 44 klärenden Aktionen hatte der Freiburger zudem die meisten im Team. Darüber hinaus war Lienhart vor allem im Spielaufbau unverzichtbar für Rangnick. Mit 504 Pässen (464 angekommen) spielte der Innenverteidiger die meisten aller ÖFB-Akteure, überhaupt spielten in Europa nur 20 Spieler mehr Pässe als der Niederösterreicher.

Opta: Philipp Lienharts Duell-Statistiken

Gut möglich, dass Lienhart bei der WM im Sommer der heimliche Abwehrchef ist – und nicht der wesentlich erfahrenere David Alaba, der bei Real Madrid im Verein keine große Rolle mehr spielt und in den letzten Jahren oftmals verletzungsgeplagt war. In der Qualifikation kam der 33-jährige Wiener nur auf vier Startelfeinsätze und zeigte sich dabei gewohnt ballsicher (247 von 283 Pässe angekommen, 73 Pässe ins letzte Drittel, 5 Chancen kreiert), offenbarte defensiv aber Schwächen (nur 5 von 14 Zweikämpfe gewonnen, 0 von 2 Tacklings erfolgreich, aber 8 klärende Aktionen). Auch in den Testspielen musste Alaba seinen Kontrahenten Marco Friedl und Kevin Danso den Vortritt lassen und spielte lediglich 30 Minuten (Einwechslung gegen Südkorea).

Österreichs Allzweckwaffe: Konrad Laimer

Zu einer weiteren Stütze entwickelte sich dafür Stefan Posch (Como/Mainz 05). Der 28-Jährige, der unter Rangnick ausschließlich als Rechtsverteidiger zum Einsatz kommt, führte in den Qualifikationsspielen mit 62 Zweikämpfen die viertmeisten beim ÖFB – obwohl er nur viermal von Beginn an auf dem Platz stand (3 Einwechslungen) – und gewann mehr als die Hälfte davon (35; 56,45 Prozent). Seine 16 Tacklings (10 gewonnen) waren die meisten beim ÖFB (wie Seiwald). Poschs Einsatzchancen bei der WM hängen aber vor allem von Konrad Laimers Rolle ab.

Der 28-Jährige hat sich beim FC Bayern München unter Vincent Kompany zu einem absoluten Starspieler entwickelt, seine Trainer schätzen dabei vor allem seine Vielseitigkeit und seinen unermüdlichen Einsatz. Laimer kann als Rechtsverteidiger ebenso spielen wie auf der linken Abwehrseite oder im zentralen Mittelfeld – und gibt immer 110 Prozent. Unter Rangnick stand der Salzburger in allen acht Qualifikationsspielen von Beginn an auf dem Platz, je nach Bedarf als Außenverteidiger oder neben Seiwald.

Opta Heatmap von Konrad Laimers Ballberührungen.

Zeugnis seiner Einsatzbereitschaft waren in der WM-Quali unter anderem 70 Zweikämpfe, auch wenn er davon nur 24 gewann, ebenso wie seine 14 Tacklings (5 erfolgreiche) – jeweils der dritthöchste Wert im Team. Hinzukommen 37 Ballrückeroberungen (nur Seiwald mehr, 43), acht hohe Ballgewinne und 13 klärende Aktionen, sowie 341 Pässe, von denen 299 beim Mitspieler ankamen und starke 141 im letzten Drittel endeten (zweitbester Wert nach Sabitzer). Neun Torchancen bereitete Laimer vor, der mit vier kreierten Großchancen (Bestwert im Team) sogar Spielmacherqualitäten offenbarte.

Von Torjäger Arnautovic über die multifunktionalen Offensivspieler rund um Passkönig Sabitzer sowie Stabilisator Seiwald auf der Sechs bis hin zu Allzweckwaffe Laimer und Abwehrchef Lienhart – im österreichischen Team schlummert sehr viel Qualität, auf die Rangnicks Matchplan optimal zugeschnitten ist. Angeführt von seinen Schlüsselspielern darf der ÖFB somit voller Zuversicht auf die anstehende Weltmeisterschaft blicken.