Es ist heiß, richtig heiß in ganz Österreich. Die Hitzewelle hatte unser Land auch in dieser Woche fest im Griff, Temperaturen um die 40 Grad lagen praktisch an der Tagesordnung. Den Griechenland-Urlaub könnte man sich da fast schon sparen, meint so mancher süffisant. Apropos Griechenland: Ein Rückkehrer in die ADMIRAL Bundesliga kennt sich mit der Hellenischen Republik bestens aus – Stefan Schwab.
Der gebürtige Salzburger kickte nach seiner Zeit beim SK Rapid ganze fünf Jahre für PAOK Saloniki, ehe es von 2025 bis 2026 für ein Jahr zu Holstein Kiel ging. Stefan Schwab ist damit sozusagen ein „Allwetter-Profi“, der sich nicht nur mit der griechischen Glut, sondern auch mit norddeutschem Wind- und Regenwetter arrangieren kann. „Das war eine gute Vorbereitung für Österreich, hier muss man auch Allwetter-geprüft sein“, hält Stefan Schwab im Interview mit ADMIRAL fest.
Ganz besonders heiß – aus fußballerischer Sicht – wird es für den Routinier am kommenden Sonntag, wenn er mit der SV Oberbank Ried auf „seinen“ SK Rapid trifft. Sechs Jahre lang kickte Stefan Schwab in Hütteldorf, absolvierte 241 Pflichtspiele (51 Tore, 51 Assists) und übernahm dann sogar die Kapitänsschleife von Legende Steffen Hofmann. Wie der Salzburger auf das spezielle Duell am Sonntag sowie auf seine Auslandszeit in Griechenland und Deutschland zurückblickt und welch lobende Worte er an seinen zweimaligen Ex-Trainer Didi Kühbauer richtet, gibt es im nachfolgenden Interview nachzulesen.
Stefan Schwab nach 17 Jahren erstmals „wirklich daheim“
ADMIRAL: Stefan, wie waren deine ersten Monate zurück in der Heimat, konntest du dich schnell wieder einleben?
Stefan Schwab: Es ist schon eine große Umstellung, weil ich war in Österreich auch nie wirklich daheim. Ich war im Laufe meiner Stationen in Vorarlberg und Wien auch immer weit von daheim weg. Jetzt bin ich aber wirklich daheim, weil ich in Salzburg lebe. Ich kann jetzt erstmals seit meinem 17. oder 18. Lebensjahr wieder in Salzburg wohnen und Fußballprofi sein. Diese Umstellung hat sich jetzt aber für die Familie super angeboten, weil sich das Gefühl der Heimat und Profifußball in Österreich super kombinieren lässt. Mein Großer startet jetzt mit der Schule, der Kleine ist im Kindergarten und für meine Frau ist es auch wunderschön, wieder zuhause zu sein.
ADMIRAL: Lass uns auch gleich über deinen aktuellen Verein sprechen. Bei der SV Ried gibt es seit dieser Saison einen neuen Trainer (Mario Despotovic), der als unbeschriebenes Blatt ins Innviertel geholt wurde. Wie hast du ihn bis jetzt kennengelernt und welcher Trainertyp ist er?
Stefan Schwab: Als er damals Trainer wurde, haben wir uns bereits über Facetime kennengelernt, nachdem sich für mich die Möglichkeit ergeben hatte, zur SV Ried zu gehen. Er hat mir in diesem Gespräch viele Eindrücke mitgegeben, was er als Trainer vorhat, wie er tickt, wie sein Zugang zum Fußball ist und das war schon auch ein Mitgrund, warum ich mich für die SV Ried entschieden habe. Ich persönliche fühle mich mit seiner Spielidee mit und gegen den Ball sehr wohl. Da kann ich mich zu 100% entfalten und das auch voll mittragen.
Die Eindrücke, die er mir am Telefon geschildert hat, das ist auch zu 100% eingetreten. Er setzt genau das um, was er vorhat, geht seinen Weg. Ich muss auch ein ganz großes Lob an Wolfgang Fiala, Lukas Brandl und die ganze Ried-Familie aussprechen, weil dieser Weg mit vollstem Vertrauen unterstützt wird. Das spürt der Trainer und wir Spieler. Ich kann zur „Max-Senft-Ära“ nicht viel sagen, aber was man von Erzählungen mitbekommt, spielen wir jetzt einen anderen Fußball. Der Zugang zum Fußball ist ein anderer und da ist es schön, dass er die volle Rückendeckung genießen kann. Im ersten Spiel hat man auch schon gute Ansätze gesehen, auf die wir aufbauen können.

Großes Lob an die Verantwortlichen in Ried, große Vorfreude auf das Duell mit Ex-Klub Rapid
ADMIRAL: Du hast jetzt kurz die erfolgreiche Saison der SV Ried erwähnt, habt ihr euch für diese Spielzeit ein Ziel gesetzt – wie etwa ein Überraschungsplatz in den Top Sechs?
Stefan Schwab: Wir nehmen jetzt mal den Auswärtspunkt aus Lustenau mit. Wir hätten uns zwar mehr erhofft, es wäre auch mehr möglich gewesen, aber man muss es gut einschätzen können. Wir gehen einen neuen Weg, haben viele neue Spieler und haben auch schon gute Ansätze gezeigt. Wir haben natürlich auch noch Themen, an denen wir arbeiten müssen, ganz klar. Es hat in Lustenau vor allem mit dem Ball schon sehr gut ausgeschaut, wir waren auch in den Statistiken klar überlegen.
Das zeigt schon, dass wir die Dinge bereits gut umsetzen, die der Trainer gerne sehen möchte. Ich finde schon, dass es jetzt noch zu früh ist, um das Ziel „Top Sechs“ oder nur den Klassenerhalt auszurufen. Grundsätzlich haben die Verantwortlichen in Ried in den letzten Jahren super Arbeit geleistet, sind aufgestiegen und nur knapp nicht in die Top Sechs gekommen. Natürlich wollen wir daran anschließen. Der Verein entwickelt sich wirtschaftlich gut weiter und jetzt wollen wir das auch sportlich machen.
ADMIRAL: Die guten Ansätze wollt ihr freilich auch am Sonntag im Heimspiel gegen den SK Rapid auf den Platz bringen. Dass diese Partie für dich als ehemaliger Kapitän und langjähriger verdienstvoller Spieler der Hütteldorfer ganz besonders wird, brauchen wir nicht großartig thematisieren. Verspürst du schon eine Extramotivation für dieses Duell?
Stefan Schwab: Als ich damals frisch zu PAOK gekommen bin, wäre ein Duell mit Rapid schon sehr früh möglich gewesen (Rapid war ein möglicher Gegner von PAOK in der Europa-League-Qualifikation; Anm. d. Red.). Ich war schon froh, dass das damals nicht zustande gekommen ist. Jetzt ist es schon ein paar Jahre her, dass ich das Rapid-Trikot getragen habe. Jetzt mit der Rückkehr zu Ried war es eh klar, dass dieses Duell zustandekommen wird.
Natürlich freue ich mich auf das Spiel und es ist etwas ganz Besonderes gegen Rapid zu spielen. Noch emotionaler wird dann das Duell in Hütteldorf werden, wenn man bedenkt, wie lange ich in diesem Trikot gespielt habe. Mein Fokus liegt nun aber ganz klar auf der SV Ried. Wir werden auch in dieses Spiel alles reinhauen und schauen, dass wir die Punkte holen, die uns für den neu eingeschlagenen Weg auch weiterhelfen. Es ist für uns eine gute Gelegenheit zu zeigen, dass wir gut sind.
Schwab über Gespräche mit dem SK Rapid über eine mögliche Rückkehr
ADMIRAL: Die Frage liegt jetzt natürlich aufgrund deiner Rapid-Verbundenheit nahe. Gab es Gespräche mit Markus Katzer über eine mögliche Rückkehr zum Rekordmeister?
Stefan Schwab: Ich habe immer gesagt, dass Rapid – wenn eine Rückkehr nach Österreich im Raum steht – immer ein Thema und Gesprächspartner Nummer eins sein wird. Daher hat es nicht nur in diesem Sommer, sondern auch im letzten Sommer Gespräche gegeben. Es hat sich dann aber nicht so ergeben, dass es für beide Seiten gepasst hätte. Die Gründe, warum es dann nicht passiert ist, auf die muss man im Nachhinein jetzt auch nicht eingehen. Mit der SV Ried passt alles für mich jetzt optimal.
„Didi hat mich am meisten geprägt und inspiriert“
ADMIRAL: Du hattest bei Rapid eine wunderbare Zeit, warst drei Mal Vizemeister – u.a. unter Didi Kühbauer, der mittlerweile zum „Doublesieger-Trainer“ mit dem LASK wurde. Hast du noch Kontakt zu ihm, gab es eine Gratulation zum sensationellen Doppel-Erfolg in der Vorsaison und findest du, dass er mit seinen bisherigen Erfolgen als Trainer nie den Anklang gefunden haben, den er sich eigentlich verdient hätte?
Stefan Schwab: Ich durfte den Didi ja sogar zwei Mal als Trainer erleben – bei der Admira und bei Rapid. Er war sicher der Trainer in Österreich, der mich am meisten geprägt und inspiriert hat. Ich durfte wirklich sehr viel von ihm lernen und hatte auch sehr erfolgreiche Zeiten mit ihm: Der Aufstieg in die Bundesliga, meine ersten Bundesliga-Spiele unter ihm, mit Rapid ins Europa-League-Sechzehntelfinale gekommen, das Cup-Finale gespielt und die Vizemeisterschaft. Da sind schon sehr viele schöne Erinnerungen dabei.



Wir haben uns auf und neben dem Platz immer sehr gut verstanden und waren eigentlich auch während meiner Auslandsstationen immer in Kontakt. Ich habe mich mit ihm auch immer wieder mal über die Bundesliga und die Vereine ausgetauscht. Natürlich habe ich ihm nach dieser tollen Saison persönlich gratuliert und es freut mich natürlich für ihn als Trainer. Noch lieber wäre es mir natürlich gewesen, wenn er das mit Rapid geschafft hätte.
Ich bin auch völlig bei dir und finde auch, dass seine Leistungen viel zu wenig Anklang gefunden haben. Man kann schon sagen, dass er jetzt fast schon im zweiten Jahrzehnt als Trainer sicher der erfolgreichste und konstanteste Trainer ist, der in Österreich durchgehend arbeitet. In Österreich gibt es keinen anderen, der in der Bundesliga mit so vielen verschiedenen Vereinen Erfolge gehabt hat. Die Leute wissen das auch, aber vielleicht wollen es nicht alle wahrhaben.
ADMIRAL: Würdest du ihm wünschen, dass er sich auch im Ausland als Trainer etablieren kann?
Stefan Schwab: Ja natürlich, er wird da sicher auch einen Plan haben. Er wünscht sich ja auch, etwas zu erreichen. Das hat er jetzt mit dem Double eindrucksvoll gemacht. Das waren ja neben der Admira seine ersten Titel in Österreich. Er weiß auch, wie es im Ausland abläuft, weil er es als Spieler auch selbst erlebt hat. Man strebt als Spieler und als Trainer immer nach dem Höchsten. Er ist sicher mehr als reif für eine hohe und große Aufgabe im Ausland. Die hätte er sich auf jeden Fall verdient und ich würde es ihm wünschen.
Schwab verrät: Deshalb sind die Griechen international wieder erfolgreich
ADMIRAL: Kommen wir nochmal zurück zu deiner Zeit in Griechenland. Wie schätzt du die Qualität der Liga im Vergleich zu jener in Österreich ein?
Stefan Schwab: Die ganze Sache hat sich ein bisschen geändert. Als ich Österreich verlassen habe, waren wir in der Fünfjahreswertung ganz klar vor Griechenland, aber die Griechen haben in den letzten Jahren einen super Job gemacht. Was die Liga betrifft, da muss man ganz ehrlich sagen, dass in Griechenland viel mehr Geld im Spiel ist. Die ganzen Klub-Präsidenten sehen das auch als Prestige, die agieren oft als Vereinsinhaber und investieren ihr Geld in den Klub.
Sie wollen erfolgreich sein und in Europa „was reißen“, da gehts auch gar nicht um die großen Millionengewinne. Die wollen Meister, Cupsieger werden und da nimmt man dann auch oft in Kauf, dass es am Ende kein Transferplus erwirtschaftet wurde. Da konnten die Griechen in den letzten Jahren gewaltig aufholen – Olympiacos wurde Conference-League-Sieger, wir konnten mit PAOK auch internationale Erfolge feiern. Es sind auch namhafte Spieler in der griechischen Liga, während wir die jungen Spieler pushen und mehr eine Ausbildungsliga sind.
„In Kiel war nicht alles so schlecht“
ADMIRAL: Mehr Geld als in Österreich ist auch in der 2. Deutschen Bundesliga im Umlauf. Dort hast du ein Jahr für Holstein Kiel gespielt. Wie würdest du diese Zeit zusammenfassen und was nimmst du hier für die Zukunft mit?
Stefan Schwab: Es war schon eine große Umstellung vom Süden in den Norden zu gehen. Am schwierigsten war für mich dann sogar die Umstellung auf die frühen Anstoßzeiten in Deutschland, wo du am Samstag und Sonntag um 13 Uhr spielst. Das habe ich wirklich ein bisschen unterschätzt. Der Biorhythmus war dann doch noch andere Anstoßzeiten gewohnt von den letzten Jahren. Wir hatten keinen leichten Saisonstart, hatten als Absteiger aus der Bundesliga aber schon irgendwie die Hoffnung, dass man vorne mitspielen kann. Es ist halt dann leider in die andere Richtung gegangen. Im Umfeld ist es dann schnell unruhig geworden und dann hat man sich ein paar Schuldige gesucht. Da hat man dann mich als „Transfercoup“, wobei ich ablösefrei hingekommen bin, ohne die Liga zu kennen, ausgesucht. Das Gesamtpaket hat dann für beide Seiten nicht mehr gepasst.
Dennoch habe ich meine Einsätze bekommen und konnte der Mannschaft helfen. Was trotzdem zu kurz kommt, war der Einzug ins Pokal-Viertelfinale. Da habe ich meine Einsätze bekommen – auch gegen Hamburg und Wolfsburg, die wir beide ausschalten konnten. Dann sind wir leider gegen den späteren Finalisten Stuttgart ausgeschieden. Das sind dann die schönen Erinnerungen, die ich mitnehme. Deshalb war nicht alles so schlecht und schauen wir mal, wann Kiel wieder im Pokal-Viertelfinale stehen wird. Ich möchte den Schritt nicht missen, ich habe den deutschen Fußball und die zweite Liga kennengelernt, das ist für die Karriere danach schon auch interessant.
ADMIRAL: Vielen Dank für deine Zeit, Stefan! Alles Gute und vor allem eine verletzungsfreie Saison!