Am 7. Spieltag der UEFA Champions League heißt es für die ersten Teams bereits „Siegen oder fliegen“. Bei nur noch zwei ausstehenden Partien haben vor allem die Vereine in der unteren Tabellenhälfte keine Punkte mehr zu verschenken, wollen sie das Ticket für die K.o.-Runde lösen. Doch auch vorne steht viel auf dem Spiel nach den Anpassungen des neuen Modus, es geht insbesondere um die Frage, welche Teams in den Viertel- und Halbfinals ihr Rückspiel zuhause austragen dürfen. Ein nicht unerheblicher Vorteil, den ab dieser Saison die besten vier Mannschaften der Ligaphase automatisch erhalten. Arsenal könnte sich diesen Bonus als erstes Team sichern – steht aber vor einer schwierigen Aufgabe in Mailand gegen Vorjahresfinalist Inter. Tottenham und Dortmund wollen sich dagegen einen Platz unter den besten acht Teams sichern und damit die Zwischenrunde vermeiden. In London kommt es zum richtungsweisenden direkten Duell.
Verlieren verboten für Inter Mailand
Schon in der vergangenen Saison trafen Inter Mailand und der FC Arsenal in der Ligaphase der Champions League im Giuseppe-Meazza-Stadion aufeinander, damals entschied Hakan Calhanoglu die Partie mit einem verwandelten Handelfmeter zugunsten des italienischen Vizemeisters (1:0). Es war eines von bislang erst drei Aufeinandertreffen zwischen den Nerazzurri und den Gunners, nachdem es vor über 22 Jahren in der Gruppenphasen zwei Auswärtssiege gab: Arsenal setzte sich 5:1 in Mailand durch und wurde Gruppensieger, Inter gewann mit 3:0 in London, schied aber als Gruppendritter dennoch aus.
Überhaupt wartet Arsenal in der Königsklasse seit 2008 auf einen Sieg auf italienischem Boden (1 Unentschieden, 4 Niederlagen). Ein gutes Omen für das Team von Trainer Cristian Chivu, das die drei Punkte dringend braucht, um die direkte Achtelfinal-Qualifikation in der eigenen Hand zu behalten? Zuletzt hatte Inter zweimal in der Königsklasse verloren (1:2 bei Atletico, 0:1 gegen Liverpool) und ist mit zwölf Punkten auf Rang 6 abgerutscht.
Beste Abwehrreihen im Duell
Arsenal dagegen steht mit der vollen Punkteausbeute auf Rang 1 und könnte mit einem weiteren Sieg einen neuen Vereinsrekord aufstellen: Noch nie haben die Gunners sieben Champions-League-Spiele in Serie gewonnen. Zudem wäre das Team von Trainer Mikel Arteta bei einem Sieg am Dienstagabend (21:00 Uhr) nicht mehr von einem der beiden ersten Plätze zu verdrängen, für die Top 4 reicht voraussichtlich schon ein Remis.

Der Knackpunkt wird dabei für beide Teams die Defensive sein. Denn: Es treffen die beiden defensivstärksten Mannschaften des laufenden Wettbewerbs aufeinander. Beide haben die wenigsten Gegentore und die wenigsten Expetected Goals Against kassiert und liegen auch bei zugelassenen Schüssen und zugelassenen Schüssen auf das eigene Tor im oberen Drittel. Beide haben zudem noch keinen Fehler gemacht, der direkt zu einem Gegentor führte, und die beiden besten Keeper des Wettbewerbs in ihren Reihen: Arsenals David Raya hat 93,75 Prozent der Schüsse auf seinen Kasten pariert, Yann Sommer immerhin 82,6 Prozent. Unter diesen Umstände scheint eine Wette auf eine torarme Partie am sichersten – wie schon in der Vorsaison (1:0).
Richtungsweisendes Duell in Nordlondon
Eine ähnlich spannende Ausgangslage hat auch das zur gleichen Zeit stattfindende Duell zwischen Tottenham Hotspur und Borussia Dortmund zu bieten. Beide haben im laufenden Wettbewerb erst eine Niederlage hinnehmen müssen (Dortmund 1:4 gegen Manchester City, Tottenham 3:5 gegen Paris) und stehen mit elf Punkten auf den Plätzen 10 und 11. Für beide Teams gilt: Wer im Februar eine Extrarunde vermeiden will, sollte das direkte Duell unbedingt für sich entscheiden.
Geht man nach dem direkten Vergleich, erscheint Tottenham als der wahrscheinlichere Sieger dieses Duells. Schließlich haben die Lillywhites alle vier bisherigen Aufeinandertreffen in der Champions League für sich entschieden und dabei in beiden Heimspielen jeweils drei Tore erzielt – 2017 in der Gruppenphase (3:1, 2:1) und 2019 im Achtelfinale (3:0, 1:0). Gegen kein anderes Team haben die Dortmunder in der Champions League mehr als 3 Spiele in Folge nicht gewonnen, überhaupt hat Schwarz-Gelb nur gegen Real Madrid mehr Niederlagen kassiert (8). Lediglich im Achtelfinale der Europa League 2016 konnte die Borussia die Londoner bezwingen (3:0, 2:1).
Tottenhams Heimstärke als Knackpunkt gegen effizienten BVB
Auch der Trackrekord der Dortmunder in England lässt zu wünschen übrig: Die Westfalen haben zehn ihrer 14 Spiele auf englischem Boden in der Champions League verloren (3 Siege), von den letzten acht Englandtrips flog man sieben Mal ohne Punkte nach Hause. Ob sich das im Tottenham Hotspur Stadium ändert? Unwahrscheinlich, schließlich sind die Spurs das einzige Team des laufenden Wettbewerbs, das alle drei Heimspiele ohne Gegentor gewonnen hat (1:0 gegen Villarreal, 4:0 Kopenhagen, 3:0 Prag)! Überhaupt sind die Spurs in europäischen Wettbewerben seit 23 Heimspielen ungeschlagen (19 Siege) und haben mehr als die Hälfte ihrer Heimspiele in der Königsklasse zu Null bestritten (7 von 13).

Wollen die Dortmunder diese Spurs-Serie beenden, müssen sie zwingend an ihrer eigenen Stärke festhalten: Mit 24 Prozent haben sie die beste Chancenverwertung aller CL-Teams und die größte Expected-Goals-Overperformance (+6,2). Doch Vorsicht: Auch die Spurs überperformen ihre erwarteten Tore (13 bei 10,73 xG) und haben mit 18,8 Prozent die drittbeste Chancenverwertung. Überhaupt fallen bei Spielen von Tottenham und der Borussia in dieser Saison viele Treffer: Während es bei den Londonern im Schnitt 3,3 sind, sehen Zuschauer in der Königsklasse sogar 5,3 Tore pro Spiel mit BVB-Beteiligung!