Am 25. Spieltag kommt es in der Premier League zur Neuauflage des Europa-League-Endspiels von 2025, doch die sportlichen Vorzeichen sind dieses Jahr ganz andere. Während Manchester United nach dem Trainerwechsel auf einer Erfolgswelle reitet, spielt Tottenham auf Platz 14 die nächste enttäuschende Runde. Zum Abschluss des Spieltags wartet zudem ein echter Kracher auf alle Fußballfans: Titelverteidiger Liverpool empfängt Manchester City, das sich im Titelrennen keinen Patzer mehr erlaufen darf.
Michael Carrick gibt Fans Hoffnung zurück
Ist Michael Carrick ganz offiziell eine Manchester United-Legende? Falls nicht, dann ist er dabei, eine zu werden. Denn der Interimschef und Ex-Spieler aus den ruhmreichen Zeiten unter Fergie hat die Red Devils zu einem noch bis vor kurzem unvorstellbaren Höhenflug verholfen. Seit der 44-jährige Engländer die Geschicke in Old Trafford übernommen hat, hat Manchester United alle drei Spiele gewonnen. Doch nicht gegen irgendwen: Erst im Derby gegen City (2:0), dann auswärts beim Tabellenführer Arsenal (3:2). Und zuletzt auch per Last-Minute-Treffer gegen den FC Fulham (3:2). Insgesamt ist der 20-malige englische Meister seit sieben Ligaspielen ungeschlagen (4 Siege) und steht plötzlich auf Rang 4.

Ganz anders die Spurs, die vor achteinhalb Monaten den größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte feierten, als sie im Finale der Europa League Manchester United mit 1:0 besiegten. Doch auch der erste Titel seit dem Ligapokal 2008 und der Trainerwechsel zu Thomas Frank brachten die Nordlondoner nicht zurück in die Erfolgsspur. In 24 Ligaspielen sammelte Tottenham nur 29 Punkte, seit sechs Spielen haben die Lillywhites nicht mehr in der Premier League gewonnen (2 Niederlagen, 4 Unentschieden). Immerhin: Zuletzt gelang ein Achtungserfolg beim 2:2 gegen Manchester City, zudem konnte man in der Champions League Selbstvertrauen tanken (je 2:0 gegen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt).
Dieses Selbstvertrauen werden die Spurs am Samstag (13:30 Uhr) gegen das Team der Stunde auch dringend benötigen, denn mit Manchester United kommt eine der potentesten Offensiven der Liga nach London. Die Red Devils haben mit 44 Toren aus 43,11 Expected Goals den drittbesten Angriff der Premier League, während Tottenham gerade mal 25,07 xG aufweisen kann – nur Sunderland und die beiden Tabellenschlusslichter Burnley und Wolverhampton haben weniger. Dabei führt United die Liga in Schüssen (385) und Schüssen auf das Tor (135) an und hat zudem mit 71 Großchancen die viertmeisten der Liga. Einzig in der Chancenverwertung hat Tottenhams Offensive Vorteile. Einen Mutmacher gibt es aber für die Nordlondoner: Die Red Devils haben in 21 der 24 Ligaspiele mindestens ein Gegentor (insgesamt 36 Gegentore) kassiert – nur West Ham (1) und Wolverhampton (2) haben seltener zu Null gespielt. Trotzdem scheint nun die Zeit gekommen, dass Manchester United nach acht Pflichtspielen in Serie ohne Sieg gegen die Spurs (5 Niederlagen) wieder einen Erfolg feiert.
Topspiel in Anfield: Verlieren verboten!
Unter gänzlich anderen Vorzeichen, aber nicht weniger heiß erwartet wird das zweite Topspiel des Spieltags, wenn Manchester City am Sonntag (17:30 Uhr) nach Liverpool reist. Das Hinspiel gewannen die Skyblues klar mit 3:0, doch erwischten sie die Reds damals in deren schwächster Phase. Das Team von Trainer Arne Slot verlor zwischen dem 6. und dem 12. Spieltag sechs seiner sieben Ligaspiele und rutschte auf Platz 12 ab. Doch längst hat sich Liverpool davon erholt, seit dem 0:3 am 12. Spieltag gegen Nottingham kam nur noch eine Niederlage hinzu (2:3 in Bournemouth) – kein Team hat in diesem Zeitraum weniger Ligaspiele verloren. Mit 39 Punkten steht der Titelverteidiger mittlerweile wieder auf dem 6. Rang, nur zwei Punkte hinter Manchester United.
Noch erfolgreicher verläuft die Saison der Citizens. Die Mannschaft von Pep Guardiola ist mit 47 Zählern erster Jäger von Spitzenreiter Arsenal. Auch die Skyblues haben nur eine der jüngsten zwölf Ligapartien verloren (0:2 gegen Manchester United) und weisen mit 49 Toren (43,64 xG) sowie 75 erspielten Großchancen die beste Offensive der Liga auf.
Sind Liverpools Comeback-Qualitäten wieder gefragt?
Die Anfield Road ist allerdings Kryptonit für Manchester City. Nur eines der vergangenen 22 Premier-League-Spiele in Liverpool konnten die Skyblues für sich entscheiden (14 Niederlagen, 7 Unentschieden), seit der Saison 1936/37 konnten die Citizens weder Hin- und Rückspiel in einer Saison gegen den LFC gewinnen noch zwei Ligasiege in Serie gegen die Reds feiern. Auch Erling Haaland tut sich in Liverpool ungewohnt schwer: Anfield ist das einzige Stadion der Premier League, in dem der Norweger mehr als zwei Spiele absolviert, aber nie getroffen hat (0 Tore in 3 Spielen). Da das Slot-Team die drittwenigsten gegnerischen Schüsse auf das Tor zulässt (86) und den zweitniedrigsten Expected-Goals-Against-Wert aufweist (26,87), erscheint es durchaus wahrscheinlich, dass Manchester City erneut Punkte liegen lässt im Titelrennen.

Dabei könnten die Comeback-Qualitäten der Reds entscheidend werden. Denn: Manchester City hat als einziges Team der Premier League im Kalenderjahr 2026 noch kein Gegentor in der ersten Halbzeit zugelassen, während sie selbst sechs Treffer erzielten. Die Reds auf der anderen Seite haben die viertmeisten Punkte der Liga nach Rückstand geholt (28) und bereits 41 Tore geschossen, nachdem sie das 0:1 kassiert hatten (nur Brighton mehr, 42). Gut möglich also, dass die Cityzens mit einer Führung in die Pause gehen, den Platz aber nicht als Sieger verlassen.
