Im Vordergrund jubeln drei Fußballspieler in weißen Trikots mit blauen Hosen auf einem Spielfeld. Der mittlere Spieler trägt eine Kapitänsbinde und ballt die Faust, während die beiden anderen mit ausgestreckten Armen auf ihn zulaufen. Im Hintergrund stehen zahlreiche Fans dicht gedrängt hinter einer Bande und feiern ausgelassen. Die Szene ist von intensiver Beleuchtung geprägt, und auf der Bande ist ein gut lesbares Sponsorenlogo zu sehen.

Englisches Kryptonit oder Argentiniens Halbfinal-Nimbus: Wer zieht ins WM-Finale ein?

Im zweiten Halbfinale der FIFA Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada stehen sich am Mittwochabend (21 Uhr MESZ) in Atlanta England und Argentinien gegenüber. Während die Three Lions in der Gruppenphase gegen Ghana einmal die Punkte teilen mussten (0:0), sind die Südamerikaner noch ohne Punktverlust und verzeichneten damit die längste Siegesserie ihrer WM-Geschichte (6 Siege). Diese wollen Lionel Messi und Co. um einen weiteren Erfolg verlängern und damit ihre perfekte WM-Halbfinal-Bilanz (5 Siege in 5 Spielen) ausbauen. Doch nun kommt ausgerechnet England, gegen das Argentinien eine negative Bilanz vorzuweisen hat. Ist das Team des deutschen Trainers Thomas Tuchel das Kryptonit des Titelverteidigers?

Scalonis perfekte Bilanz gegen Europäer

Fünfmal standen sich England und Argentinien bei Weltmeisterschaften schon gegenüber, nur gegen Deutschland musste die Albiceleste auf der größten Fußballbühne der Welt häufiger antreten. Und unter den Gegnern, auf die Argentinien bei Weltmeisterschaften dreimal oder öfter traf, ist die Siegquote nur gegen Italien (0%), Deutschland (14.3%) und die Niederlande (16.7%) niedriger als gegen England (20% – 1 Sieg, 2 Unentschieden, 2 Niederlagen). Kein Wunder also, dass Datenanbieter Opta die Engländer einen Hauch vorne sieht.

Insgesamt haben die Three Lions von 14 Länderspielen gegen die Südamerikaner nur zwei verloren (6 Siege, 6 Unentschieden), in den vergangenen fünf Duellen blieben die Engländer sogar ungeschlagen (2 Siege, 3 Unentschieden) und gewannen die letzten beiden Partien in Folge. Allerdings liegt das letzte Aufeinandertreffen auch schon fast 21 Jahre zurück (November 2005), sodass selbst Lionel Messi noch nie auf England getroffen ist. Und: Die letzte englische Niederlage gegen Argentinien gab es ausgerechnet bei einer Weltmeisterschaft! Bei der WM 1986 setzte sich die Albiceleste im Viertelfinale dank eines Doppelpacks von Diego Maradona mit 2:1 durch.

Das Team von Trainer Lionel Scaloni kann sich zudem die eigene WM-Halbfinal-Bilanz zur Motivation ausdrucken und in die Kabine hängen. Nicht nur gewannen Messi und Co. vor vier Jahren in Katar das Halbfinalduell gegen Kroatien klar mit 3:0, die Albiceleste verlor überhaupt noch nie in der Vorschlussrunde einer WM! Fünfmal standen die Gauchos in einem WM-Halbfinale, fünfmal zogen sie ins Endspiel ein (drei Titel) – kein anderes Land bestritt so viele WM-Halbfinals, ohne einmal auszuscheiden. Darüber hinaus hat Scaloni, der nach der WM 2018 von Jorge Sampaoli übernommen hatte, alle seine WM-Duelle gegen europäische Kontrahenten gewonnen. 2022 schaltete „La Scaloneta“ die Niederlande (Viertelfinale), Kroatien (Halbfinale) und Frankreich (Finale) aus, 2026 musste nun auch die Schweiz nach dem Viertelfinalduell mit den Südamerikanern die Segel streichen. Hinzu kommen Gruppensiege gegen Polen (2022) und Österreich (2026). Als erst siebter Trainer in der WM-Geschichte und zweiter Argentinier nach Carlos Salvador Bilardo (1986 und 1990) könnte Scaloni sein zweites WM-Finale erreichen.


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Messi gegen Kane und Bellingham: Gibt es den Offensivshowdown?

Der neutrale Zuschauer sollte sich in jedem Fall auf ein ausgeglichenes Duell zweier Top-Teams freuen dürfen – und nach dem bisherigen Turnierverlauf wohl auch auf Tore! Titelverteidiger Argentinien stellt bislang die Offensive mit den meisten Treffern (17) und dem zweithöchsten Expected-Goals-Wert (12,78), in jedem ihrer letzten vier Spiele erzielte die Albiceleste zudem drei Tore und könnte damit nach Frankreich (2022 bis 2026) erst die zweite Mannschaft in der WM-Geschichte werden, die in fünf aufeinanderfolgenden Spielen drei oder mehr Tore erzielt. England auf der anderen Seite schoss die viertmeisten Tore (13) bei 10,93 xG (Platz 5), keine Nation kreierte außerdem mehr Großchancen als die Three Lions (18, wie Brasilien – Argentinien 14). Auch bei den abgegebenen Schüssen und Torschüssen liegen Argentinien und England in den Top-5 der WM.

Dabei stechen vor allem drei Namen hervor: Lionel Messi, Harry Kane und Jude Bellingham. Argentinies Weltstar führt zusammen mit Kylian Mbappé die Torjägerliste an (beide 8 Tore) und schaffte wie der Franzose historisches: Mit seiner Vorlage gegen die Schweiz wurde Messi nach Mbappé zum zweiten Spieler seit Beginn der Opta–Datenerfassung (1966), der bei mehreren Weltmeisterschaften zehn oder mehr Torbeteiligungen verbuchte. Beide erreichten diesen Meilenstein sowohl beim Turnier 2022 als auch 2026.

Auf der anderen Seite trugen Kane (Doppelpack im Sechzehntelfinale gegen die DR Kongo) und Bellingham (Doppelpack sowohl im Achtelfinale gegen Mexiko als auch im Viertelfinale gegen Norwegen) England bislang quasi im Alleingang durch die K.o.-Runde und stehen nun jeweils bei sechs Toren bei dieser WM. Es ist das erste Mal in der WM-Geschichte, dass zwei Spieler einer Mannschaft im gleichen Turnier sechs oder mehr Tore erzielten.

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Während die Offensiven bei beiden Teams glänzen, gibt es auf der anderen Seite des Feldes aber noch Verbesserungspotential. Während Spanien (1 Gegentor, 5 Mal zu Null) und Frankreich (2/4) ihren Kasten bislang meist sauber hielten, sieht das bei England und Argentinien ganz anders aus. Beide schafften es nur in der Gruppenphase, eine Weiße Weste zu bewahren (je 2 Spiele), während es in allen K.o.-Duellen Gegentore gab. England kassierte gegen die DR Kongo (1:2), Mexiko (2:3) und Norwegen (1:2) vier Gegentore (insgesamt 6), Argentinien musste gegen Kap Verde (2:3), Ägypten (2:3) und die Schweiz (1:3) sogar fünf Mal den Ball aus dem eigenen Netz holen (insgesamt ebenfalls 6). Nicht unwahrscheinlich also, dass im zweiten Halbfinale die Anhänger beider Nationen mindestens einmal jubeln dürfen.