In gut vier Monaten ist es endlich soweit: Die größte FIFA Fußball-Weltmeisterschaft aller Zeiten startet mit dem Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika im Aztekenstadion! 48 Mannschaften kämpfen in insgesamt 104 Spielen in 16 verschiedenen Stadien in den USA, Kanada und Mexiko um den begehrten, aus 18-karätigem Gold gefertigten WM-Pokal. Während sich eingefleischte Defensiv-Puristen immer wieder gerne an einem umkämpften 0:0 erfreuen können, wünscht sich der durchschnittliche Fußballfan vor allem eines: Tore – und das nicht zu knapp! Darum werfen wir einen detaillierten Blick auf die Gruppen, die bei der anstehenden WM die meisten Tore versprechen könnten.
Neuer Torerekord garantiert
Als Südafrika und Mexiko zuletzt eine WM eröffneten, am 11. Juni 2010, sahen die 64.100 Zuschauer im Cape Town Stadium neben dem legendären Treffer von Siphiwe Tshabalala nur noch ein weiteres Tor (1:1). Am Abend desselben Tages folgte bereits die erste Nullnummer des Turniers zwischen Uruguay und Frankreich. Insgesamt fielen bei der WM 2010 im gesamten Turnierverlauf 145 Treffer.
Zwischen der ersten WM auf afrikanischem Boden 2010 und dem folgenden Kontinentalturnier in Brasilien 2014 veränderte sich der Fußball jedoch in taktischer Hinsicht. Hohes Pressing, schnelles Umschaltspiel und mehr Risiko im Spiel nach vorne wurden zur Norm. Die Konsequenz: 171 Tore in 64 Spielen bei der WM 2014. Eine Anzahl, die auch über die nächsten beiden Turniere konstant bleiben sollte. 2018 fielen 169 Treffer, bei der Weltmeisterschaft 2022 waren es 172. Dass die WM 2026 einen neuen Torerekord aufstellen wird, steht derweil schon heute fest. Immerhin werden 16 zusätzliche Teams an den Start gehen und insgesamt 40 Partien mehr absolviert werden. Wird der Toreschnitt von 2,69 Treffer pro Partie der vergangenen WM erreicht, könnten die Fans in den USA, Kanada und Mexiko im Sommer etwa 280 (!) Tore zu sehen bekommen.

Doch in welchen Gruppen werden die meisten davon erzielt werden? Um diese Frage zu beantworten, nutzen wir das Opta Power Ranking, mithilfe dessen die Stärke jeder Gruppe datengestützt berechnet werden kann, als Orientierungshilfe.
Gruppe I bietet das größte Offensivpotenzial
Datenanbieter Opta berechnet die Gruppe I mit Frankreich, Norwegen und dem Senegal als die zweitstärkste aller Gruppen bei der WM 2026. Lediglich aufgrund des vierten Teilnehmers, der Sieger der interkontinentalen Playoff-Runde zwischen Bolivien, Irak und Suriname, wird die durchschnittliche Qualität der Gruppe etwas gemindert. Das größte Ausmaß an offensiver (Welt-)klasse bietet die Gruppe dennoch.

Denn wenngleich es die Franzosen in der WM-Qualifikation mit „nur“ 16 Toren in sechs Spielen offensiv verhältnismäßig ruhig angehen ließen, verfügt das Team von Trainer Didier Deschamps über die vielleicht größte Offensivpower im ganzen Turnier. Dabei zeigt sich derzeit kaum ein Spieler treffsicherer als Kylian Mbappé. Der Angreifer kommt in der laufenden Saison bereits auf 37 Tore in 30 Pflichtspielen für Real Madrid. Er führt die Torjägerliste der Champions League mit 13 Treffern (7,84 xG, ebenfalls Bestwert) in nur sieben Spielen an. Kein anderer Spieler kommt im wichtigsten Klub-Wettbewerb der Welt häufiger zum Abschluss (40) und zum Torschuss (22). Nur vier Treffer fehlen dem 27-Jährigen noch, um in der ewigen WM-Torschützenliste mit Miroslav Klose (16) gleichzuziehen.

Unterstützt wird Mbappé bei diesem Ziel in der französischen Nationalmannschaft von Weltklassespielern wie Michael Olise, der in der aktuellen Saison bereits auf 36 Scorer (13 Tore, 23 Vorlagen) für den FC Bayern kommt, Manchester Citys Rayan Cherki (18 Scorer) oder Weltfußballer Ousmane Dembélé (14 Scorer) von Paris St.-Germain. Übrigens: Bei der vergangenen WM in Katar erzielte kein Team mehr Tore als Frankreich (16 in 7 Spielen, 13,97 xG) und auch bei der WM 2018 traf nur Belgien (16 in 7, 13,79 xG) häufiger als das Deschamps-Team (14 in 7, 11,22 xG). Während sich die Equipe tricolore 2018 in der Gruppenphase noch gezielt zurückhielt und nur drei Treffer erzielte, netzten sie vor vier Jahren alleine in den ersten beiden Gruppenspielen bereits sechs Mal (4:1 gegen Australien, 2:1 gegen Dänemark).
Schnappt sich Haaland die WM-Torjägerkanone?
Während die Franzosen zum erlesen Kreis der Topfavoriten auf den WM-Pokal gehören, gilt Norwegen für viele Experten als ein ernstzunehmender Geheimfavorit. Diesen Titel hat sich das Team von Trainer Stale Solbakken vor allem in der WM-Qualifikation erarbeitet. Mit 37 Toren in acht Spielen (4,63 pro Partie) avancierten die Norweger zu einem offensiven Powerhouse. Kein Team konnte auch nur annähernd mit dem Output des norwegischen Angriffs mithalten – weder in Europa (Belgien belegt mit 29 Treffern Platz 2) noch weltweit (Argentinien traf in der südamerikanischen Qualifikation mit 31 Toren am häufigsten – jedoch in 18 Spielen).
Das Solbakken-Team gewann nicht nur alle seine acht Begegnungen, es erspielte sich auch den zweitbesten xG-Wert (25,15) nach Kroatien (25,66), kreierte zusammen mit Spanien die meisten Großchancen (37) und brachte es auf die beste Chancenverwertung (23,87 Prozent) aller europäischen Teams. Selbst die sonst so defensivstarken Italiener wurden in der Qualifikation klar mit 3:0 und 4:1 besiegt.
Mit Antonio Nusa (RB Leipzig), Andreas Schjelderup (Benfica), Alexander Sørloth (Atletico) und Martin Ødegaard (FC Arsenal) verfügt der norwegische Angriff über jede Menge internationale Qualität, das Prunkstück der Offensive ist und bleibt aber natürlich Erling Haaland. Der 25-Jährige dominierte die Torschützenliste der WM-Qualifikation mit 16 Treffern (9,91 xG) in acht Spielen und verwies Marko Arnautović, Memphis Depay und Harry Kane (jeweils acht Tore) mit Leichtigkeit auf die Plätze. Sollten die Norweger ihrem Geheimfavoritenstatus gerecht werden und weit im Turnier kommen, ist Haaland ein heißer Kandidat auf die Torjägerkanone. In der aktuellen Klubsaison kommt der Angreifer auf bislang 27 Treffer (5 Vorlagen) in 34 Pflichtspielen für Manchester City.

Afrika-Cup-Sieger und überforderter Außenseiter?
Auch das dritte Team im Bunde, Senegal, verfügt über reichlich Offensivqualität rund um die Angreifer Sadio Mané (Al-Nassr), Nicolas Jackson (FC Bayern) und Ibrahim Mbaye (PSG). Das Team von Trainer Pape Thiaw gewann kürzlich nicht nur den Afrika-Cup, es gehörte beim Kontinentalturnier mit 13 Toren (Platz 2), 13,02 xG (Platz 2), 108 Schüssen (Platz 1), 54 Torschüssen (Platz 1) und 16 kreierten Großchancen (Platz 2) auch zu den offensivstärksten Mannschaften Afrikas.
Da die Defensive des letzten Qualifikanten dieser Gruppe (Bolivien, Irak oder Suriname) womöglich mit den Offensiv-Abteilungen der Franzosen, Norweger und Senegalesen heillos überfordert sein könnte, ist es nicht unwahrscheinlich, dass in dieser Gruppe letztlich mehr Tore fallen als in der torreichsten Vorrundenstaffel der vergangenen WM (22 Tore, Gruppe E mit Japan, Spanien, Deutschland und Costa Rica).
Gruppe E: Kann Deutschland die schwache Gruppe ausnutzen?
Laut Datenanbieter Opta gilt die Gruppe E mit Deutschland, Ecuador, der Elfenbeinküste und Curaçao als die zweitschwächste Gruppe bei der WM 2026. Dass ausgerechnet eine Staffel mit den defensivstarken Ecuadorianern – das Team von Trainer Sebastian Becaccece kassierte in der WM-Qualifikation nur fünf Gegentreffer in 18 Spielen (Platz 1), verfügte über den drittbesten xGA-Wert (13,35) und ließ die drittwenigsten Schüsse zu (172) – zu den torreichsten Gruppen zählen könnte, wirkt auf den ersten Blick überraschend. Jedoch ist die Gruppe E die einzige der fünf schwächsten Vorrundengruppen mit einem klaren Topteam Deutschland (Platz 8 im Opta Power Ranking), einem zweiten klaren Favoriten Ecuador (Platz 12) und zwei abgeschlagenen Außenseitern.

Abgesehen vom direkten Duell zwischen dem Team von Trainer Julian Nagelsmann und den Südamerikanern sind demnach jede Menge Treffer zu erwarten. Zumal Gruppenfavorit Deutschland trotz Vorrundenaus bei der WM in Katar in der Gruppenphase die drittmeisten Tore hinter Spanien und England (je 9) erzielte (6, wie Frankreich und Portugal). Im Rahmen der WM-Qualifikation zeigte sich das DFB-Team ebenfalls treffsicher und schoss die viertmeisten Tore (16), kreierte die drittmeisten Großchancen (22) und wies die fünftbeste Chancenverwertung (15,53 Prozent) aller Teams mit sechs Qualifikationsspielen auf.
Zudem steht keine Nation in der WM-Geschichte so sehr für Tore wie das DFB-Team. Schließlich sind in 112 WM-Spielen mit deutscher Beteiligung schon 362 Treffer gefallen – bei keiner Nation sind es mehr. Dabei erzielten die Deutschen selbst 232 Tore, nur Brasilien hat mehr WM-Treffer (237, dazu 108 Gegentore) und WM-Spiele (114) auf dem Konto als der DFB. Dazu kommen 130 Gegentore, die meisten aller Nationen. Übrigens: Bereits dreimal kam der WM-Torschützenkönig aus Deutschland (zuletzt Thomas Müller 2010). Auch in dieser Kategorie ist nur Brasilien besser (4 Mal).
Spanien Favorit auf den Gruppensieg und den WM-Pokal
Der Topfavorit auf den WM-Titel ist laut Opta jedoch Spanien. Der Erstplatzierte der FIFA-Weltrangliste gab sich in der WM-Qualifikation keine Blöße, gewann fünf von sechs Spielen (1 Unentschieden) und erzielte dabei 21 Treffer (20,17 xG) – mehr als jedes andere Team mit nur sechs Spielen. La Roja kreierte dabei die meisten Großchancen pro Spiel (6,17) und schoss pro Partie häufiger auf das gegnerische Gehäuse (9,67) als jede andere Mannschaft. Schon bei der Weltmeisterschaft 2022 erzielten sie in der Gruppenphase die meisten Treffer (9, wie England). Trotz der laut Opta-Berechnungen viertschwierigsten Gruppe des Turniers wird das Team von Trainer Luis de la Fuente in jedes seiner Vorrundenspiele gegen Uruguay, Saudi-Arabien und Kap Verde als Favorit gehen.
Reichlich Tore sollten in dieser Gruppe aber auch in den Spielen ohne spanische Beteiligung garantiert sein. Denn selbst das für seine Defensivstärke und aggressives Spiel gefürchtete Uruguay stellte in der südamerikanischen WM-Qualifikation mit 22 Treffern (17,99 xG) die viertbeste Offensive (mit der zweitbesten Chancenverwertung von 11,64 Prozent) hinter Argentinien (31), Kolumbien (28) und Brasilien (24) und zeigte sich defensiv nicht immer sattelfest (12 Gegentore, 16,7 xGA). Bei Spielen mit saudi-arabischer Beteiligung fielen bei der vergangenen WM durchschnittlich 2,67 Tore pro Spiel und Neuling Kap Verde reist als krasser Außenseiter nach Nordamerika.

Nicht nur aufgrund der höheren Anzahl an Spielen verspricht die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko somit viel Offensivspektakel und reichlich Tore! Dies gilt womöglich jedoch nicht für die Gruppe J. Laut Opta wurde Österreich nämlich in die stärkste und ausgeglichenste aller Staffeln bei der anstehenden WM gelost. Es wäre also nicht verwunderlich, würden in der ÖFB-Gruppe die wenigsten Tore in der Vorrunde fallen. Jeder einzelne österreichische Treffer könnte allerdings für den Aufstieg goldwert sein.