Wenige Monate vor dem Beginn der FIFA Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko sind noch sechs Startplätze für das Turnier zu vergeben. In Europa streiten sich dabei 16 Teams um die letzten vier Tickets nach Nordamerika. Um sich zu qualifizieren, sind zwei Siege in zwei Spielen (Halbfinale und Finale) nötig. Während Italien die dritte WM in Folge verpassen könnte, kämpft die irische Nationalmannschaft gegen ihren Playoff-Fluch an. In Wales ruhen die Hoffnungen auf Harry Wilson.
Italien droht der Supergau
Das letzte Spiel bei einer Weltmeisterschaft absolvierte die Fußballgroßmacht Italien am 26. Juni 2014. Vor fast zwölf Jahren unterlag man Uruguay mit 0:1 und schied bereits in der Vorrunde aus. Auch bei der WM 2010 war für die Squadra Azzurra schon nach der Gruppenphase Endstation. Ein K.o.-Spiel bei einer WM-Endrunde bestritt der vierfache Titelträger zuletzt im Finale 2006 gegen Frankreich (5:3 i.E.). Und die Weltmeisterschaften 2018 und 2022? Für beide Turniere konnte sich die Squadra Azzurra gar nicht erst qualifizieren. Drei verpasste Weltmeisterschaften in Folge kämen einem historischen Supergau für die stolze Fußballnation gleich.
Auch für die WM 2026 konnte sich Italien nicht direkt qualifizieren. Die Gruppe I schloss man nur auf Platz 2 (6 Siege, 2 Niederlagen), sechs Punkte hinter Norwegen ab. Beide Spiele gegen die Skandinavier gingen klar verloren (0:3, 1:4). Im Halbfinale der Playoffs trifft das Team von Gennaro Gattuso nun auf Nordirland – ein potenziell unangenehmer Gegner.
Die Green-and-White-Army, die in ihrer Qualifikationsgruppe hinter Deutschland und der Slowakei zwar nur Dritter (3 Siege, 3 Niederlagen) wurde, sich aber über die UEFA Nations League für die Playoffs qualifizierte, reist mit einer stabilen und hartnäckigen Defensive nach Bergamo. Bei den drei Siegen in der Qualifikation kassierte das Team von Trainer Michael O‘Neill nur einen Gegentreffer und in insgesamt sechs Spielen nur derer sechs (6,86 xGA). Nur elf Teams waren in dieser Kategorie besser (Italien: 12 Gegentore in 8 Spielen). Die Nordiren ließen überhaupt nur 18 Schüsse auf das eigene Tor zu (Platz 10) und kamen auf die zweitbeste Zweikampfquote (67,57 Prozent) aller Teams. Nur bei der 1:3-Niederlage in Deutschland ließ das O’Neill-Team mehr als ein Gegentor zu (2 Weiße Westen).

Nichtdestotrotz geht Italien vor heimischem Publikum als Favorit in die Begegnung. Schließlich verlor Nordirland bislang alle sieben Auswärtsspiele gegen Italien und blieb in sechs dieser Partien sogar ohne eigenen Treffer. Datenanbieter Opta errechnet eine Siegeswahrscheinlichkeit von 72,1 Prozent für das Gattuso-Team. Eine Geduldsprobe könnte den Italienern aber allemal drohen. Denn wenngleich man in der Qualifikation 21 Treffer erzielte, überperformte der Angriff der Squadra Azzurra leicht (17,97 xG) und benötigte 174 Schüsse (Platz 3) und 56 Torschüsse (Platz 7) für diese Ausbeute. Mit einer Chancenverwertung von 12,07 Prozent findet man sich nur im Mittelmaß wieder – auf einem Niveau mit Irland (12,16 Prozent), Gibraltar (11,54 Prozent) oder Bulgarien (11,11 Prozent). Ein italienischer Kantersieg darf am Donnerstag demnach wohl kaum erwartet werden.
Toralarm in Cardiff?
Deutlich torreicher könnte dagegen das Playoff-Match zwischen Wales und Bosnien-Herzegowina werden. Schließlich fielen in der Qualifikation bei Spielen mit walisischer Beteiligung durchschnittlich vier Treffer und auch bei den Bosniern, die in der Gruppe H Platz 2 hinter Österreich belegten, waren es derer drei pro Partie. Die Waliser gewannen fünf ihrer letzten sechs Pflichtspiele vor heimischem Publikum und erzielten dabei 20 Tore. In jedem ihrer letzten fünf Heimspiele trafen sie mindestens zwei Mal. Bosnien wiederum kassierte in den ersten acht Partien unter Trainer Sergej Barbarez 21 Gegentore, gewann jedoch sechs der folgenden zehn Spiele und ist seit der 1:2-Niederlage gegen Österreich im vergangenen September seit vier Spielen ungeschlagen (2 Siege, 2 Unentschieden, 5 Gegentore).
Am Donnerstagabend wird sich das Barbarez-Team jedoch besonders vor Harry Wilson in Acht nehmen müssen. Der walisische Angreifer war in seinen letzten 20 Länderspielen an 17 Toren direkt beteiligt (11 Treffer, 6 Assists), darunter 12 in seinen letzten 12 Einsätzen (9 Tore, 3 Assists). Trifft der 29-Jährige, der in der aktuellen Premier-League-Saison für den FC Fulham bereits auf 10 Tore und 6 Assists kommt, auch gegen Bosnien wieder?

Schlägt Irlands Playoff-Fluch wieder zu?
Bereits zum sechsten Mal in ihrer Geschichte versucht sich die irische Nationalmannschaft über die Playoffs für eine Weltmeisterschaft zu qualifizieren – vier Mal ging das schief (1966, 1998, 2010, 2018), nur 2002 schafften sie den Aufstieg dank eines Playoffsiegs gegen den Iran. Gelingt dies auch 24 Jahre später oder schlägt der irische Playoff-Fluch wieder zu? Seine Qualifikationsgruppe beendete das Team von Trainer Heimir Hallgrímsson hinter Portugal auf Platz 2. Erst dank eines dramatischen 3:2-Auswärtssiegs am letzten Spieltag in Budapest schnappten sie sich im direkten Duell mit Ungarn den begehrten Playoffplatz – durchaus überraschend, verloren sie doch ihre beiden anderen Auswärtspartien gegen Armenien (1:2) und Portugal (0:1).
Und nun muss man im Halbfinale wieder auswärts ran, ausgerechnet gegen das besonders heimstarke Tschechien. Seit 17 EM- oder WM-Qualifikationsspielen haben die Tschechen auf heimischem Boden nicht mehr verloren (13 Siege, 4 Unentschieden), die letzte Heimpleite datiert aus dem September 2017 (1:2 gegen Deutschland). Die Iren selbst gewannen nur eines von neun Auswärtsspielen in Tschechien bzw. der Tschechoslowakei (1 Unentschieden, 7 Niederlagen) – in der EM-Qualifikation 1967 mit 2:1. Seither unterlagen sie Rot-Weiß-Blau in allen ihren fünf Auswärtsspielen. Da das Team von Trainer Miroslav Koubek auch in der aktuellen Qualifikationsrunde drei seiner vier Heimspiele gewann (1 Unentschieden), spricht am Donnerstag viel dafür, dass der irische Playoff-Fluch wieder zuschlagen könnte.