Die letzten vier europäischen Tickets für die FIFA Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko werden am Dienstagabend (Anpfiff 20:45 Uhr) vergeben. Während Italien auf das Ende seiner WM-Durststrecke hofft, benötigt Polen einen historischen Auswärtserfolg. Dänemark wiederum reist zu einem der aktuell stärksten Heimteams und die Türkei geht als Favorit in das alles entscheidende Playoff-Finale.
Endet Italiens WM-Durststrecke in Bosnien?
Der erste Schritt ist getan: In der vergangenen Woche besiegte Italien nach einer schwachen ersten Halbzeit Nordirland mit 2:0. Nur ein Sieg fehlt der Squadra Azzurra noch, um ihre Durststrecke zu beenden und sich erstmals seit 2014 wieder für eine Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Um dieses Ziel zu erreichen, benötigt das Team von Trainer Gennaro Gattuso einen Erfolg im Stadion Bilino Polje in Zenica. Gegner Bosnien-Herzegowina, das in der Qualifikationsgruppe H hinter Österreich Platz 2 belegte, setzte sich in einem dramatischen Playoff-Halbfinale gegen Wales im Elfmeterschießen (4:2 i.E.) durch.
Wenngleich Italien als Favorit nach Zenica reist – Datenanbieter Opta errechnet eine Siegeswahrscheinlichkeit von 59,6 Prozent für das Gattuso-Team -, könnte ein erneutes Geduldsspiel auf die Squadra Azzurra warten. Immerhin gewannen die Bosnier abgesehen von der 1:2-Niederlage gegen Österreich ihre restlichen drei Heimspiele in der Qualifikation, sind seit fünf Pflichtspielen ungeschlagen und kassierten in ihren letzten vier Partien nie mehr als einen Gegentreffer.

Ließen die Italiener in ihrer Qualifikationsgruppe untypischerweise in acht Spielen gleich zwölf Gegentore zu, scheinen sie jedoch zur richtigen Zeit ihre Defensivstärke wiedergefunden zu haben. Nordirland hielten sie am Donnerstag bei einem Expected-Goals-Wert von 0,51, sie erlaubten ihrem Gegner lediglich einen Torschuss und nur 12 Touches im Strafraum. Überhaupt behielt die Squadra Azzurra in fünf ihrer letzten neun Spiele eine Weiße Weste. Da man zudem in den letzten acht Qualifikationsspielen selbst immer traf – Italiens längste Serie im Wettbewerb seit Oktober 2008 bis Juni 2017 (13 Spiele) -, spricht am Dienstagabend vieles dafür, dass die italienische WM-Durststrecke endlich ein Ende finden wird.
Schießt Gyökeres Schweden nach Nordamerika?
Es war die große Viktor-Gyökeres-Show am Donnerstagabend! Der schwedische Angreifer traf beim 3:1-Sieg gegen die Ukraine in Valencia dreifach und brachte sein Team bereits in der 6. Minute mit dem schnellen Führungstreffer auf die Siegerstraße. Wenngleich die Ukrainer das Spiel vor allem im ersten Durchgang bestimmten (73 Prozent Ballbesitz), wurden sie von den Schweden geschickt vom Tor ferngehalten. Die Tre Kronor gewährten den Ukrainern lediglich vier Torschüsse und einen Expected-Goals-Wert von 0,76. Offensiv erledigte dann Gyökeres auf unnachahmlich effiziente Art und Weise den Rest. Für seine drei Treffer benötigte der Arsenal-Stürmer nur drei Torschüsse und fünf Touches in der gegnerischen Box (1,83 xG).

Kann Gyökeres diese Vorstellung auch im Playoff-Finale gegen Polen wiederholen? Die polnischen Adler taten sich in ihrem Halbfinale gegen Albanien lange schwer, drehten aber einen 0:1-Rückstand in der letzten halben Stunde des Spiel und machten somit den Einzug in das Playoff-Finale doch noch perfekt (2:1). Um sich nun auch für die WM zu qualifizieren, benötigen die Polen jedoch einen historischen Sieg. Immerhin hat man seit 1930 (!) nicht mehr in Schweden gewonnen, die letzten vier Spiele bei den Skandinaviern gingen allesamt verloren. Aber: In den Playoffs zur WM 2022 siegte Polen mit 2:0 gegen die Tre Kronor und qualifizierte sich für die WM. Damals trafen übrigens Robert Lewandowski und Piotr Zielinski für die Biało-czerwoni, die beiden Offensivakteure zeichneten sich zuletzt auch für die beiden polnischen Treffer am Donnerstagabend gegen Albanien verantwortlich. Treffen sie nun auch im Finale gegen Schweden oder hält Gyökeres die Heimstärke seines Teams gegen Polen aufrecht und schießt die Tre Kronor nach Nordamerika?
Ausgeglichenes Duell in Tschechien, Türkei mit Favoritenstatus
In den letzten beiden Playoff-Finalspielen trifft Tschechien zu Hause auf Dänemark und die Türkei reist in den Kosovo. Die Tschechen konnten im Halbfinale wieder einmal auf ihre Heimstärke bauen. Inklusive des knappen und dramatischen 4:3-Erfolgs am Donnerstag im Elfmeterschießen gegen Irland ist das Team von Trainer Miroslav Koubek seit nunmehr 18 EM- und WM-Qualifikationsspielen auf heimischem Boden ungeschlagen (13 Siege, 5 Unentschieden), drei ihrer vier Heimspiele in der WM-Qualifikationsgruppe wurden gewonnen (1 Unentschieden). Könnte diese Serie jedoch ausgerechnet im entscheidenden Spiel der WM-Qualifikation enden? Mit Dänemark reist nämlich ein ernstzunehmender Gegner nach Prag. Die Dänen gewannen ihr Halbfinale problemlos mit 4:0 gegen Nordmazedonien und verloren seit der Jahrtausendwende nur ein Spiel gegen die Tschechen (0:3 im EM-Viertelfinale 2004). Zwei der letzten vier direkten Duelle gingen an Danish Dynamite (2 Unentschieden).
Während in Prag ein enges Spiel erwartet wird, ist die Favoritenrolle im Duell des Kosovo mit der Türkei klar verteilt. Datenanbieter Opta errechnet für das Team von Trainer Vincenzo Montella eine Siegeswahrscheinlichkeit von 48,8 Prozent (Kosovo: 27,2 Prozent). Die Türken sind seit fünf Spielen ungeschlagen (4 Siege, 1 Unentschieden), das einzige Remis gab es auswärts bei WM-Mitfavorit Spanien (2:2). Im Schnitt traf das Montella-Team in diesen fünf Spielen dreimal pro Partie (15 Tore insgesamt). Die Offensivpower und individuelle Qualität der Türkei könnte letztlich den Unterschied ausmachen, wenngleich dem Kosovo im Halbfinale ein Überraschungserfolg gelang (4:3 in der Slowakei). Zudem ist das Team von Trainer Franco Foda seit sechs WM-Qualifikationsspielen ungeschlagen und kassierte in der Gruppe B mit der Schweiz, Slowenien und Schweden in sechs Spielen nur fünf Gegentore.