Drei Spieltage vor dem Ende der Saison könnte das Meisterschaftsrennen in der ADMIRAL Bundesliga kaum spannender sein. Durch die Niederlage beim SK Rapid rutschte Red Bull Salzburg (28 Punkte) in der Tabelle auf Platz 3 ab. Der LASK (30) wiederum katapultierte sich mit einem furiosen 5:1-Sieg in Hartberg ganz nach oben und profitierte dabei auch von einem Ausrutscher Sturms. Die Steirer kamen nicht über ein 1:1 zu Hause gegen die Austria hinaus und befinden sich nun punktgleich mit dem LASK auf Platz 2. Während die Linzer am Montagabend zum Abschluss des 30. Spieltags zu Hause als Favorit auf Rapid treffen, kommt es am Sonntag um 17 Uhr zum Verfolgerduell zwischen Salzburg und Sturm. Wird eines dieser beiden Teams womöglich schon am Wochenende seine Meisterschaftshoffnungen begraben müssen?
Salzburg hat Schicksal in der eigenen Hand
Auch wenn die Roten Bullen als Drittplatzierter mit der schlechtesten Ausgangslage in den Saisonendspurt starten und zudem auch das schwerste Restprogramm zu absolvieren haben, liegt das Schicksal der Mozartstädter komplett in ihren eigenen Händen. Mit zwei Siegen gegen Sturm am Sonntag und beim LASK eine Woche später könnte sich das Team von Trainer Daniel Beichler an die Tabellenspitze setzen und das Meisterschaftscomeback am letzten Spieltag zu Hause gegen Hartberg perfekt machen.
Wenn da nur nicht die wechselhafte Form der Salzburger wäre. Nach einer schmerzhaften Schwächephase im März, in der man fünf Pflichtspiele in Folge ohne Sieg blieb (2 Unentschieden, 3 Niederlagen), wechselten sich zuletzt Siege und Niederlagen gefühlt wöchentlich ab. Im April besiegte das Beichler-Team zunächst Hartberg (2:1), verlor anschließend gegen den LASK (2:3), triumphierte zweimal in Folge über die Austria (jeweils 3:1), nur um am vergangenen Wochenende die Tabellenführung gegen ein strauchelndes und seit Wochen siegloses Rapid (0:1) herzuschenken. So richtig weiß man im Moment nicht, was man von den Mozartstädtern bekommt.
Angstgegner Sturm Graz?
Sicher ist jedoch, dass sie am Sonntag nicht gerade ihren Lieblingsgegner in der Red Bull Arena empfangen werden. Schließlich verloren die Salzburger ihre beiden letzten Bundesliga-Heimspiele gegen Sturm (0:2, 1:2). Dies gelang den Steirern in der Red-Bull-Ära (seit 2005/06) erst einmal zuvor (2014), drei Siege in Folge wären ein Novum. Beide Auswärtsspiele in einer Saison konnte Sturm bislang in der Red-Bull-Ära ebenfalls noch nie siegreich gestalten. Die Steirer blieben jedoch in den letzten fünf BL-Spielen gegen RB ungeschlagen (3 Siege, 2 Unentschieden) – ihre längste Ungeschlagenserie seit Oktober 1998.

Überhaupt präsentierte sich das Team von Trainer Fabio Ingolitsch in den letzten Wochen deutlich stabiler und ist seit zehn BL-Spielen ungeschlagen (4 Siege, 6 Unentschieden). Das ist Sturms längste Ungeschlagenserie in dieser Saison und aktuell die längste anhaltende Serie aller Teams. Aber: In den letzten vier Partien gab es keinen Erfolg mehr für die Steirer! Gegen Hartberg (0:0), zweimal den LASK (jeweils 1:1) und am vergangenen Wochenende gegen die Austria (1:1) reichte es zuletzt immer nur für ein Remis. Letztlich spricht vieles dafür, dass sich die Steirer auch am Sonntag mit RB die Punkte teilen werden, was dem LASK einen entscheidenden Vorteil im Meisterschaftsrennen verschaffen würde.
Offensive vs. Defensive
Die Erfolgsformeln beider Teams lassen sich dabei durchaus als konträr bezeichnen. Die Salzburger stellen über die gesamte Saison gesehen die beste Offensive der Liga. Bei den erzielten Toren (53), den Expected Goals (54,17 xG) und den Torschüssen (156) ist kein Team stärker als die Mozartstädter. Auch bei den Schüssen (454) und den kreierten Großchancen (68) liegen sie jeweils hinter dem LASK auf einem starken 2. Platz. Zudem verfügen sie über die drittbeste Chancenverwertung (11,57 Prozent) der Liga – Bestwert unter den Meisterschaftskandidaten.

Sturm wiederum kassierte bislang die wenigsten Gegentore (32) aller Teams. Obwohl sie die drittmeisten Schüsse insgesamt (372) zulassen, kamen davon nur 103 auf das eigene Tor (Liga-Bestwert). In den letzten zwölf Partien mussten die Sturm-Torhüter Matteo Bignetti und Danill Khudyakov zudem nur neunmal hinter sich greifen (0,75 Gegentreffer pro Spiel), in fünf dieser Partien hielten sie die Null. Ein torloses Remis erscheint dennoch unwahrscheinlich, lässt das Ingolitsch-Team seine Gegner doch schlichtweg zu häufig zum Abschluss kommen – was gegen die beste Offensive der Liga zum Problem werden könnte. Bei ihren letzten drei Unentschieden kassierten die Grazer immer ein Gegentor und ließen den Gegner pro Spiel durchschnittlich elfmal im eigenen Sechzehner zum Abschluss kommen. Die Salzburger verzeichneten in der laufenden Saison wiederum die meisten hohen Ballgewinne (229 – Sturm auf Platz 2 mit 222), gaben nach diesen die meisten Schüsse ab (34, wie Sturm) und erzielten die meisten Treffer (5, wie die Austria).
Übrigens: Salzburg und Sturm gehören zu den besten Comeback-Mannschaften der Liga und punkteten in der aktuellen Spielzeit in jeweils sechs Spielen noch nach einem Rückstand. In fünf von sechs solchen Fällen endete ein Spiel mit Salzburger Beteiligung in einem Remis (1 Sieg), bei Sturm waren es vier Unentschieden (2 Siege). Im direkten Duell am 13. Spieltag holte Salzburg nach einem 0:1-Rückstand noch einen Zähler, Sturm gelang dieses Kunststück am 24. Spieltag. Beide Partien endeten 1:1.